1. Home
  2. Unternehmen
  3. Ifolor, Helfer der Hobbyknipser

Fotographie
Ifolor, Helfer der Hobbyknipser

Familie betrachtet ein Fotobuch: Marktführer Ifolor verarbeitet nur noch fünf Prozent analoge Bilder.

Bei der Familienfirma aus Kreuzlingen herrscht im Advent Hochbetrieb. Alle wollen mit Fotos von den Kids persönliche Geschenke machen.

Von Sabina Sturzenegger
am 11.12.2013

Der Drucker printet im Akkord: Hochglanz-Farbbilder von halbnackten Frauen, glücklichen Hochzeitspaaren und von herzigen Tieren. ­Besonders oft aber spuckt er Bilder von strah­lenden Kindern aus: Kinder im Swimmingpool, Kinder mit der Grossmutter, Kinder auf der Alp. Kinderbilder sind das häufigste Sujet bei der Fotoprodukte-Herstellerin Ifolor in Kreuzlingen. «Auf Rang zwei folgen Ferienfotos, auf Rang drei Autos», erklärt Filip Schwarz. Der 31-Jährige ist in dritter Generation in der Fotofirma am Bodensee tätig und arbeitet als Marketingchef.

Ifolor ist eines der grössten Fotodruck-Unternehmen Europas. Zurzeit stehen die Zeichen in den Produktionshallen nahe dem Kreuzlinger Hafen auf Sturm. Vor Weihnachten wollen alle noch Kalender, Karten und Fotobücher erstellen lassen, um diese den Grosseltern, Onkeln und Tanten unter den Christbaum zu legen. Ifolor garantiert bei einer Bestellung bis Mitte Monat, dass die Ware noch vor dem Fest geliefert wird.

Der Pöstler kommt drei Mal

Im letzten Quartal des Jahres verlassen pro Tag durchschnittlich 30 000 Päckli mit Fotobüchern, Kalendern, Grusskarten, Bildern, Postern oder Tassen den Betrieb. Die Lastwagen der Post fahren jeden Tag drei Mal vor. Die Mannschaft arbeitet im Dreischichtbetrieb, 200 zusätzliche Mit­arbeiter sind in dieser Zeit vor Ort.

«Wir arbeiten mit Emotionen», sagt Marketingchef Schwarz. Die Ifolor-Kunden – über eine Million – seien «Hobby-knipser». Sie wollten ihre schönsten ­Momente im Leben, wie die Geburt eines Kindes, den schnittigen Sportwagen, die hübsche Freundin oder eben den schönsten Tag, an ihre Verwandten und Freunde weitergeben. «Hobbyknipser» bezeichnet Schwarz dabei überhaupt nicht abschätzig. Er meint damit jene Leute, die zwar keine ausgebildeten Fotografen sind, die aber trotzdem ihre Emotionen einfangen. Ifolor bedient ausschliesslich diese Endkunden: «Wir produzieren nicht für Weiterverkäufer», erklärt Schwarz.

Aus den Emotionen macht Ifolor nicht nur einfach Bilder, sondern 38 Foto-­Produkte wie Kalender, Tassen, Alben, Puzzles oder Computermaus-Pads. Dabei haben die «Hobbyknipser» selber eine grosse Gestaltungsfreiheit. Ihnen stehen zum Beispiel bei den Grusskarten rund 600 verschiedene Vorlagen zur Auswahl. Die fertigen Produkte kommen derart ­professionell daher, dass jeder damit zum Künstler wird. Die Landschaftsfotografie, aufgezogen auf eine grossflächige Aluminiumverbundplatte, könnte geradeso gut in einer Kunstgalerie hängen. Und die weissen Henkeltassen mit dem eigenen Bild drauf sind spülmaschinenfest und sehen aus wie aus dem Warenhaus. Mit dem grossen Unterschied: Sie sind individuell und persönlich. «Diese Produkte kann man verschenken oder sie selber zu Hause aufstellen oder aufhängen. Auf jeden Fall sind es tolle Erinnerungen», sagt Schwarz.

1961 wurde die Photocolor Kreuzlingen von Filip Schwarz’ Grossvater gegründet. Als eine der ersten Firmen bot sie den Foto-Service direkt ins Haus an. «Wir betreiben seit 1968 erfolgreich den Fotoversand per Post», so Schwarz. Daran hat sich bis heute nichts geändert – auch die Besitzerfamilie ist noch die gleiche. Doch sonst ist beim ehemaligen Farbfoto-Versand­labor praktisch kein Stein auf dem andern geblieben. Das ehemalige Kerngeschäft, die Verarbeitung von analogen Bildern, sei von «ursprünglich 100 Prozent auf heute 5 Prozent» gesunken. An dessen Stelle trat das Geschäft mit der Digitalfotografie. Doch die Anzahl der Einzelbilder ist bereits wieder rückläufig. Dafür boomen die Fotoprodukte, insbesondere die Foto­bücher. Mit ihnen macht Ifolor inzwischen den grössten Teil des Umsatzes.

Etwa eine Million Fotos gelangen pro Woche zu Ifolor. Diese Bilderflut wird heute komplett von Computern bewältigt. Sie vergeben die Aufträge vollautomatisch an die entsprechende Abteilung. An den Druck-, Schneid-, Stanz- und Bindemaschinen sowie im Versand arbeiten 110 Leute. Sie überwachen den Trocknungsprozess der Fotobücher und kontrollieren deren Qualität. Ungefähr 70 arbeiten fürs Marketing und die Verwaltung. Gruppenweit beschäftigt das Unternehmen 280 Personen. Neben der Schweiz ist Ifolor auch in Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien, Norwegen, Österreich und Schweden tätig. Die Produktionsstandorte sind am Hauptsitz am Bodensee und in Kerava bei Helsinki. In der Schweiz und in Finnland ist Ifolor marktführend. Umsatzzahlen gibt die Firma keine bekannt. Zukunftssorgen macht sich Schwarz jedenfalls kaum. Denn das handfeste Fotoalbum sei noch lange kein Auslaufmodell: «Spätestens bei der Geburt eines Kindes wird es auch für ‹Digital Natives› ein Muss.»

Das iPhone ist die beliebteste Kamera

Dies obwohl heute denn vor allem mit ­iPhones Bilder geschossen werden. Und obwohl soziale Plattformen wie Facebook, Flickr und Instagram es ­erlauben, die Bilder in Sekundenschnelle im Internet zu zeigen. Laut Schwarz führt die Bilderflut der Smartphone-Knipser dazu, dass mehr Fotos existieren. Und sie wollen irgendwann gedruckt werden.

 

Anzeige