Der Anmarschweg hin zu einem Rechnungslegungsstandard IFRS für kleinere und mittelgrosse Unternehmen war lang und gespickt mit vielen Hindernissen. Bereits vor knapp zehn Jahren wurde eine erste Arbeitsgruppe eingesetzt, und 2002 das Projekt konkret in Angriff genommen. Von Anfang an war die Gefahr gross, dass sich die Standardsetter zu stark am Originalwerk orientieren würden. Deshalb wurde vor zwei Jahren auch speziell vermerkt, dass der Entwurf für einen IFRS-KMU den Bedürfnissen der kleinen und mittleren Unternehmen angemessen Rechnung zu tragen habe.

Nun liegt das Regelwerk in einer ersten Endfassung vor und die Kommentare fallen kritisch aus. Für Stephan Glanz, Wirtschaftsprüfer bei BDO Visura, handelt es sich um eine massiv verkürzte Version, die sich von den eigentlichen IFRS aber nicht «fundamental unterscheidet», wie er in der Fachzeitschrift «Der Schweizer Treuhänder» schreibt. Andere Branchenexperten stimmen dieser grundsätzlichen Beurteilung zu.

Kein «IFRS light»

Was ist falsch gelaufen? Weil sich der IFRS-KMU-Standard trotz den Warnungen immer noch wesentlich am Original-Regelwerk für die grossen börsenkotierten Unternehmen ausrichtet, ist der eigenständige Wurf ganz offensichtlich im ersten Anlauf nicht gelungen. Das gilt besonders bei einer Analyse von Kosten und Nutzen. Ein «IFRS light», wie es in Branchenkreisen oft tituliert wird, kommt den Ansprüchen der kleinen und mittleren Unternehmen mit 50 bis 250 Mitarbeitenden nicht entgegen. Bei der Einführung eines solchen Standards sind die Aufwendungen schlicht zu hoch. Es sei denn, die Firma plane mittelfristig ins Ausland zu expandieren oder erwäge den Gang an die Börse. In diesem Fall ist jedoch der direkte Umstieg auf IFRS angezeigt, der Weg über IRFS-KMU lohnt sich nur bedingt. Wer als KMU auf absehbare Zeit mit vertretbaren Kosten bilanzieren will, der wird sich für den nationalen Standard Swiss GAAP FER entscheiden. Für Experten ist es unverständlich, weshalb der IFRS-KMU relativ häufig Verweise auf IFRS enthält, obwohl diese meist nur bei Wahlrechten oder für Kleinfirmen untypischen Sachverhalten verwendet werden.

Wie geht es weiter? Mit Sicherheit wird es zu einer weiteren Überarbeitung kommen. Es gilt die nun zutage getretenen Schwächen auszumerzen. Der Standardsetter IASB muss es gemäss Stephan Glanz schaffen, «praktische Erleichterungen für KMU» durchzusetzen. Die Aufgabe wird nicht leicht und benötigt nochmals viel Zeit.