Dem Fernsehzuschauer dürfte künftig selbst der feinste mimische Ausdruck des Schauspielers kaum noch entgehen. Die Bildqualität der Fernseher wird immer weiter verbessert. Zusätzlich bieten die Geräte mehr Komfort in der Bedienung und binden das Internet besser ein als bisher. Wie schon seit vielen Jahren versprochen, kann der Fernseher so tatsächlich zur Medienzentrale im Wohnzimmer werden.

Trotz der steigenden Funk- tionalität werden die TV immer dünner. Bei der Edge-Technik sitzen die LED am Gehäuserand und strahlen bis zur Mitte des Bildschirms. Dadurch lassen sich Fernseher von nur zwei bis drei Zentimeter Tiefe bauen. Bei Direct-LED sind die LED flächig auf dem Hintergrund verteilt und liefern dadurch sehr hohe Kontrastwerte bei niedrigem Stromverbrauch und ebenfalls geringer Bautiefe. Ein Beispiel dafür zeigte LG vor wenigen Wochen an der Internationalen Funkausstellung (Ifa) in Berlin mit seinem 55-Zoll-Fernseher LH9500 (Preis noch unbekannt).

Naturgetreue Farben

Mit farbigen Leuchtdioden (RGB-LED) können die Modelle auch Farben naturgetreu und ohne Verzeichnung wiedergeben. Sharp präsentiert mit dem neuen Aquos LC-XS1E ein solches Modell, das ausserdem einen hohen Kontrastwert von einer Million zu eins bietet. Die meisten Hersteller setzen aus Preisgründen daher auf weisse LED, zum Beispiel Samsung.

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Im vergangenen Jahr stand noch 100-Hertz-Technik im Mittelpunkt der Ifa, nun sind die Hersteller schon bei 200 Hertz angekommen. Damit sollen sich Bewegungen fliessender darstellen lassen. Der Sprung von 50 auf 100 Hertz war aber deutlicher sichtbar als der von 100 auf 200 Hertz. Zu den auf der Ifa präsentierten 200-Hertz-Modellen gehören Fernseher von Samsungs 8090-Serie. Das Gerät mit einer Bildschirmdiagonale von 40 Zoll ist für etwa 3000 Fr. im Handel erhältlich.

Internet im Wohnzimmer

Sich am TV-Bildschirm E-Mails durchlesen und Webseiten ansehen zu können, ist nicht neu. Mit vielen auf der Ifa vorgestellten Modellen ist es jedoch bedeutend einfacher als bisher. Philips bietet dazu seine Modellreihe NetTV, bei Samsung heisst dies Medi@2.0, bei Panasonic VieraCast, und Sony nennt die entsprechende Reihe AppliCast.

Für die Philips-Reihe 9700 (siehe grosses Bild) haben zahlreiche europäische Partner spezielle Webdienste entwickelt. Dazu gehören YouTube, Ebay, TomTom, MeteoGroup, Netlog, Funspot und MyAlbum. Die Angebote sind so aufbereitet, dass Fernsehzuschauer sie auch aus grösserer Entfernung gut lesen können. Steuern lassen sich die Funktionen über die Fernbedienung. Eine zusätzliche Set-Top-Box oder ein gesonderter Vertrag sind nicht erforderlich. Voraussetzung, um den Service nutzen zu können, ist nur ein Breitbandanschluss.

Für alles gerüstet

Damit Fernseher nicht nur Fens-ter ins Internet, sondern auch zur Medienzentrale im Wohnzimmer werden, sind neue Modelle mit zahlreichen Anschlüssen für externe Geräte und mit reichlich Computertechnik ausgestattet. Zu den gut vernetzten Modellen gehört Loewes TV-Gerät Connect (ca. 3500 Fr.). Der Fernseher verfügt über eine leicht zugängliche USB-Schnittstelle, um zum Beispiel Speichersticks, Kartenleser für fast alle Formate, externe Festplatten und Digitalkameras anschliessen zu können. Eingebaut ist darüber hinaus ein PhotoViewer, um sich Fotos von der Kamera direkt als Dia-schau auf dem Bildschirm anzusehen. Gleichzeitig lässt sich vom USB-Speichermedium Musik abspielen. Zusätzlich gibt es Anschlüsse für Camcorder, DVD-Player und Spielekonsole sowie Computer, um sich zum Beispiel Powerpoint-Präsentationen grossformatig darstellen zu lassen.

Der Connect Media kann nicht nur drahtgebunden mit anderen Geräten Kontakt aufnehmen, er verfügt auch über ein WLAN-Modul für die Einbindung ins kabellose Netzwerk zu Hause. Über den installierten Network Mediaplayer ist es möglich, auf zentral gespeicherte Digitalfotos, Musik und Videos zuzugreifen und sich Internet-radio anzuhören.

Schliesslich bietet der neue Network Mediaplayer Zukunftssicherheit. Sobald eine neue Version verfügbar ist, kann diese über das Internet mit nur einem Tastendruck an der Fernbedienung heruntergeladen werden.

Neue Technologien im Einsatz

Neben höherer Bildqualität und mehr Netzwerkfähigkeit bieten einige auf der Ifa vorgestellte Modelle interessante Zusatzfunktionen. Manche Modelle passen die Leuchtkraft des Bildschirms an das Umgebungslicht an, andere reduzieren die Lautstärke, wenn Werbespots gesendet werden. Dazu gehören die SV685D-Geräte von Toshiba. Das Modell mit 55 Zoll grosser Bilddiagonale ist für rund 3500 Fr. erhältlich.

Der Werbung ausgeliefert

Möglicherweise können Zuschauer Werbeclips künftig kaum noch entgehen. Zumindest, wenn sich die neuen Schnittstellen CI-plus für Kabel- und HD+ für Satellitenfernsehen etablieren sollten. In ein Common Interface (CI) passen Smartcards, die TV-Signale entschlüsseln. Mit der neuen Version lassen sich Jugend- und Kopierschutz leichter umsetzen. Gleichzeitig aber ist es Sendern möglich, im TV-Signal Zusatzinformationen unterzubringen. Solche manipulierten Signale können zum Beispiel verhindern, dass Fernsehzuschauer bei aufgenommenen Sendungen die Werbeblöcke überspringen.

Auch lassen sich Aufnahmen von Programmen und einzelnen Sendungen ganz unterbinden, oder die Aufzeichnung löscht sich selbst nach Stunden oder Tagen automatisch. In einigen Fernsehern ist die neue CI-plus-Technik bereits eingebaut. Es handelt sich um Geräte, in denen ein Digital-Empfangsteil integriert ist und keine zusätzliche Set-Top-Box oder Decoder benötigt werden. Bleibt nur zu hoffen, dass die Sender vor so viel Bevormundung des Zuschauers letztlich doch zurückschrecken.