Dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) fehlt es an Geld. Zwar hatte die Organisation im vergangenen Jahr mehr Beiträge der Staaten zur Verfügung als je zuvor. Dennoch bahnt sich laut IKRK-Präsident Peter Maurer das «höchste Defizit unserer Geschichte» an.

«Das Ausmass der globalen Konflikte ist historisch, ein Patentrezept gibt es momentan nicht», sagte Maurer in einem Interview mit der «SonntagsZeitung». Die seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr da gewesene Welle von Vertreibung übersteige die Mittel des IKRK. «Wir können nicht mehr allen helfen.»

Rekordhohes Budget

Für 2015 hatte die Organisation Mittel in der Höhe von 1,6 Milliarden Franken budgetiert. Der Voranschlag lag zum dritten Mal in Folge höher, und doch reichten die Mittel nicht für die immer grösser werdenden Bedürfnisse.

2014 gab das IKRK laut Jahresbericht 1,2 Milliarden Franken aus, im Jahr zuvor waren es 1,1 Milliarden gewesen.

«Es braucht mehr Ressourcen»

Dass das IKRK auf ein Rekorddefizit zusteuert, liegt nicht an haushälterischer Unachtsamkeit. Die Organisation hat ihre Hilfe entlang der Fluchtrouten ausgebaut. Das erwartet Maurer auch von Europa: «Alle betroffenen Staaten stehen in der Verantwortung, es braucht mehr Ressourcen.»

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Was es jetzt braucht, sei eine globale Koalition. «Diskussionen darüber, wer welchen Status hat und wer wohin gehen darf, bringen uns nicht weiter», sagt er. Die klinische Trennung von Migranten und Flüchtlingen entspräche nicht den heutigen Realitäten, denn viele Menschen verlassen ihre Länder aus einer Mischung von politischen und wirtschaftlichen Motiven.

(sda/ise)