Auch wenn er kein Aufheben macht um seine Person: Die Branche und Uhrenfreaks kennen den studierten Physikingenieur, Fachgebiet Mikromechanik. Eric Klein ist ein grosser Name, spätestens seit dem Lancement des spektakulären Handaufzugkalibers P.2002 im Jahr 2005, welches die italienische Traditionsuhrenmarke Panerai auf Anhieb in die chronometrische Oberliga hievte.

Eric trifft Angelo – mit Folgen

Dass es so weit kam, ist dem Zusammentreffen Eric Kleins mit einem nicht minder visionären Mann zu verdanken, den er heute unumwunden, aber auch mit dem typischen Schalk in seinen Augenwinkeln als «Klügsten CEO im Richemont-Konzern» bezeichnet: Angelo Bonati. Der promovierte Italiener und der studierte Techniker trafen, verstanden und mochten sich.

Erstaunlicherweise wiesen die Zeichen der Zeit bei Eric Klein anfänglich keineswegs in Richtung High-Mech, also uhrmacherische Mechanik der Spitzenklasse. Im Gegenteil: Das Herz des heute 59-Jährigen, der nach Matura und Studium in Neuenburg erst einmal Physiklehrer werden wollte, schlug nach dem Examen im Jahr 1973 voll und ganz für die Elektronik.

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Wen wunderts, denn damals waren die schwingenden Quarze auf bestem Wege, das Reich der individuellen Zeitmessung im Sturmschritt zu erobern. Bereits die ersten beruflichen Schritte Kleins als Assistent am Institut für Mikrotechnik der Universität Neuenburg galten jenen kleinen Motoren, welche die Zeiger quarzgesteuerter Uhrwerke schrittweise vorrücken lassen. Die Erfindung des sogenannten Lavet-Mikromotors geht bereits auf das Jahr 1936 zurück. Die Weiterentwicklung zu kostengünstiger Massenfertigung der unverzichtbaren Winzlinge verlangte jedoch nach grossen intellektuellen Anstrengungen, denen sich Klein beim besten Willen nicht verschliessen konnte. Hier sah er für sich ein ausgesprochen zukunftsträchtiges Betätigungsfeld.

Das belegt seine 1976 veröffentliche Schrift über Hochleistungs-Schrittschaltmotoren für Quarzuhren. Im Jahr der Publikation stand der Autor bereits seit zwei Jahren als Forschungsingenieur in den Diensten der Neuenbur- ger Dependance des Rohwerkegiganten Ebauches SA.

Vom Lehrerberuf war keine Rede mehr, «obwohl ich in Neuenburg», so Klein rückblickend, «jeden Monat 1000 Franken mehr verdient hätte». Der Reiz industrieller Forschung hatte Klein voll erfasst. Deshalb konnte er sich auch dem Ruf der Fabrique d’Horlogerie de Fontainemelon (FHF) nicht entziehen, die damals noch zu den ganz Grossen im Schweizer Uhrwerke-geschäft gehörte. Ab 1976 beauftragte ihn die Generaldirektion mit der internen Wissensvermittlung in Sachen Quarzwerke. Ausserdem kam ihm der Aufbau eines Labors für Uhren und Elektronik zu, das vor der grossen Krise ab 1982 etwa 15 Personen beschäftigte.

Dass Klein rasch zum Chef dieser Forschungsstätte aufstieg und diese Funktion bis 1982 mit der ihm eigenen Verve ausfüllte, mag angesichts seiner Kenntnisse auf dem Sektor der chronometrischen Elektronik nicht verwundern. Retrospektiv schwärmt er noch immer von dem, was sich im Jura abspielte: «Das war die beste und innovativste Rohwerkefabrik, die man sich damals nur vorstellen konnte. Wir besassen bereits eine Maschine, die alle 3 Sekunden eine Platine ausgespuckt hat. Pro Monat wurden dort Komponenten für 1 Mio mechanische Kaliber gefertigt. Unglaublich.»

Gleichwohl reüssierte Klein primär auf elektronischem Wege, denn die Direktion der Ebauches SA hatte die drängende Notwendigkeit der Produktion wettbewerbsfähiger Grossserien-Quarzwerke voll erkannt. Seine Kompetenz sprach sich herum. Als die Asuag als Eigentümerin der FHF 1982 am wirtschaftlichen Abgrund stand, wechselte Klein die Pferde.

Für die nächsten zwölf Jahre hiess sein neuer Arbeitgeber Ronda. Bei diesem Werkefabrikanten stieg er bis zum technischen Direktor auf. Er verantwortete u.a. die Entwicklung, den Einkauf und auch die Produktion elektronischer Baugruppen im Fernen Osten. Daheim in der Schweiz galt sein Augenmerk der Werkemontage und einem ausgefeilten Qualitätssicherungssystem.

Glücksfall für Richemont

Das Jahr 1994 brachte den Wechsel zur Vendôme Luxury Group, die ihren chronometrischen Geschäften inzwischen unter dem Namen Richemont nachgeht. Bis 1998 leitete Klein die Cartier-Ebel-Company (CEC) 2 in La Chaux-de-Fonds, ein Joint-Venture-Unternehmen, das Ebel-Eigentümer Pierre-Alain Blum und Cartier-Chef Alain-Dominique Perrin am 1. Januar 1991 ins Leben gerufen hatten. Die Kapitalisierung lag bei stattlichen 10 Mio Fr.

Dann trat Klein als weiterer Generaldirektor in die Dienste der industriellen Aktivitäten von Cartier. 2003 folgte der Aufstieg zum Chef der Entwicklung von Haute-Horlogerie-Kalibern im Hause Richemont. Schliesslich, und damit schliesst sich der Kreis, baut Eric Klein seit 2005 zusammen mit Jan P. Rupert die Manufacture Horlogère ValFleurier auf, der er seitdem als CEO vorsteht.