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Easyjet-Europa-Chef
«Im Holiday-Geschäft gibt es Potenzial»

Easyjet
EasyJet-FliegerQuelle: Pixabay

Easyjet-Europa-Chef Thomas Haagensen spricht im Interview über fehlende Flugzeuge, das Geschäft in der Schweiz und den Fokus auf Hotels.

Von Tim Höfinghoff
am 15.05.2018

Ryanair/Laudamotion kommt doch nicht an den Flughafen Zürich. Eine Chance für Sie, in Zürich eine Easyjet-Basis zu eröffnen?
Thomas Haagensen*: Unsere Strategie lautet, sich auf Basel und Genf zu konzentrieren. Dort sind wir führend. Wir haben kürzlich erst zwei zusätzliche Flieger in Basel stationiert. In Zürich gibt es nur wenige attraktive Start- und Landerechte, die verfügbar sind. Daher macht es für uns keinen Sinn, eine eigene grosse Basis in Zürich einzurichten.

Ryanair macht in Zürich einen Rückzieher, weil Flieger fehlen. Auch Easyjet muss Maschinen und Personal mieten, um den Bedarf zu decken. Wie lange noch?
Diese Situation betrifft vor allem Berlin-Reisen. Wir konnten leider die erhöhte Nachfrage nach der Insolvenz von Air-Berlin nicht alleine stemmen und griffen auf Partnerairlines zurück. Für die nächsten Monate wird diese Situation noch anhalten, doch bald haben wir in Berlin-Tegel 20 eigene Flieger stationiert. Ende des Sommers wird es nur noch orange Easyjet-Flugzeuge geben.

Easyjet-Passagiere finden es merkwürdig, wenn sie mit einem Flugzeug reisen, auf dem nicht Easyjet steht und die Mitarbeiter von einer Fremdfirma kommen.
Wir sind sehr transparent. Keiner der Kunden ist überrascht, denn wir melden uns bei ihnen ein paar Tage vor dem Abflug und sagen, dass es kein Flugzeug mit Easyjet-Logo sein wird. Die fremden Mitarbeiter haben wir extra geschult. Das alles verstehen die Kunden.

Easyjet hat gute Halbjahreszahlen präsentiert. Liegt das vor allem am Wegfall von Konkurrenten wie Air Berlin?
Wir sehen eine stabile Nachfrage innerhalb unseres Netzwerks. Die gute Konjunkturlage nützt uns. Es gibt immer mehr Gechäftsreisende, erstmals haben wir die Schwelle von 13 Millionen Business-Kunden im Jahr überschritten. Hilfreich war auch der Wegfall der Kapazitäten von Anbietern wie Monarch und Air Berlin.

Und was ist, wenn der Effekt der fehlenden Konkurrenz verpufft ist?
Klar, dass es eine Normalisierung geben wird. Dazu gehört aber auch, dass wir Marktanteile übernommen haben und im Kurzstreckenmarkt noch weiter wachsen können.

In Berlin haben Sie hohe Investitionskosten. Übernehmen Sie sich?
Nein, das wussten wir von Anfang an. Die Nachfrage ist da, die Auslastung wächst jeden Monat. Wir sind sehr zufrieden.

Easyjet will nun stärker aufs Holiday-Geschäft setzen. Warum?
Wir können uns im Holiday-Geschäft noch verbessern. Da gibt es Potenzial. Wir haben rund 500'000 Kunden im Jahr, die bei uns ein Holiday-Paket kaufen oder zu ihrem Flug zusätzlich ein Hotel dazubuchen. Aber wir haben rund 20 Millionen Easyjet-Kunden, die es bisher noch nicht getan haben. Das zeigt, dass wir neben unserem Flugangebot auch Offerten für Hotels besser vermarkten sollten. Wir wollen, dass Kunden ihre Ferien und Angebote an den Destinationen direkt bei uns buchen.

Setzen Sie mehr auf Business und Holiday, weil der Konkurrenzdruck im klassischen Billigfliegergeschäft immer grösser wird?
Sowohl im Geschäftssegment als auch im Holidaymarkt gilt: Warum sollen unsere Kunden nicht auch mehr Hotels bei uns buchen? Das Potenzial ist eindeutig vorhanden. Es liegt nun an uns, die Nachfrage mit gezielteren Angeboten zu wecken.

Wie laufen die Geschäfte in der Schweiz?
Wir haben im ersten Geschäftshalbjahr mit 6,5 Millionen Passagiere einen Zuwachs von 8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum erzielt. Das ist vor allem durch das Wachstum in Basel und Genf, aber auch in Zürich zustande gekommen. Für den Sommer erwarten wir weiteres Wachstum. Besonders in Basel mit den zwei neuen Flugzeugen und bis zu acht neuen Strecken. Wir haben mittlerweile ab der Schweiz 153 Strecken im Angebot.

Sie haben mit Ihrem «Worldwide»-Programm ein Angebot für Umsteigepassagiere, die Langstrecke fliegen wollen. Wann gibt es das in der Schweiz?
Bei «Worldwide» arbeiten wir mit anderen Airlines zusammen, die auf der Langstrecke unterwegs sind. Bisher gibt es das schon an Orten wie London. Für dieses Angebot gibt es Interesse in Basel und Genf. Wir sind dazu in Gesprächen mit den beiden Flughäfen, und hoffentlich können wir es bald umsetzen.

Der Ölpreis rangiert auf einem Dreijahres-Hoch. Um wie viel werden die Ticketpreise steigen?
Die Ticketpreise sind immer noch extrem günstig. Mehr als 50 Prozent unserer verkauften Sitzplätze kosten unter 50 britischen Pfund (rund 68 Franken). Wir sind immer noch günstiger als in den vergangenen Jahren. Wie der Sommer sich entwickeln wird, werden wir sehen.

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Thomas Haagensen
Thomas Haagensen (45) leitet als Group Markets Director das Europageschäft von Easyjet. Die Airline ist hinter Ryanair der zweitgrösste Billigflieger in Europa. Easyjet ist Markführer an den Flughäfen Basel und Genf.
Quelle: ZVG