Mit dem nassen Element hatte die Uhrenmarke Parmigiani aus Fleurier bislang herzlich wenig am Hut. Nicht einmal Taucheruhren produzierte die 1996 von Michel Parmigiani und der Sandoz-Stiftung ins Leben gerufene Manufaktur Parmigiani Mesure et Art du Temps. Chronographen waren das höchste der sportlichen Gefühle. Aber beim 2007 lancierten «Kalpagraph» zeigte sich, dass dieses Betätigungsfeld ein ganz offensichtlich sehr erfolgversprechendes ist. Zwar stammt die modulare Chronographen-Kadratur noch vom Spezialisten Dubois-Dépraz, aber die Paarung mit dem hauseigenen Automatikkaliber 334 und das Design kamen bei den Kunden ausgesprochen gut an.

Das Gegenstück zum 1950 geborenen Michel Parmigiani ist Tilli Antonelli, ein ambitionierter und vor allem experimentierfreudiger Mann aus dem Schiffsbau. Wer ihn treffen möchte, der muss nach Italien reisen, genauer an die Adria. Etwa 25 km nördlich von Ancona liegt Mondolfo, eine kleine, ländlich geprägte Ortschaft in der Region Marken. Rund 5 km entfernt vom Strand – ohne direkten Meerzugang – hat sich eine Bootswerft angesiedelt, welche sich allein schon architektonisch gewaltig von den übrigen kleinen und mittelständigen Betrieben der Region abhebt.

Pershing heisst sie – und damit gleich, wie der berühmte amerikanische General aus dem Ersten Weltkrieg. Mit maritimem Waffengeklirr hat Pershing jedoch nichts im Sinn. Sondern mit Yachtbau!

In dem modernen, von mächtigen Stahlseilen zusammengehaltenen Glaspalast und den angrenzenden Bauwerken geht es ausschliesslich um friedfertigen Top-Luxus. Bei der Firmenzentrale handelt es sich in der Tat um ein gestalterisches Highlight in eher biederem Umfeld. Das Head Office residiert auf einem Terrain von rund 53000 m2. Der «Dickschiff»-Produktion von 15 bis 35 m Länge stehen etwa 6500 m2 Hallenfläche zur Verfügung; die kleineren, 12 bis 15 m langen Boote werden auf etwa 6800 m2 gebaut.

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Für gutes Geld ist alles machbar

Gegenwärtig entstehen jährlich rund 100 Top-Yachten mit der Herstellersignatur «Pershing». Mit Blick auf die relativ kurze Geschichte kann das als stolze Bilanz gelten. Für die Yachtdesigner sind Sonderwünsche ihrer internationalen Klientel beinahe Befehl. Im Grunde genommen lässt sich für gutes Geld alles haben und machen. Herausragendes Design, exklusivste Ausstattung und kraftvolle Motorisierung gewährleisten den feinen Unterschied.

Den einstweiligen Gipfel der Produkthierarchie repräsentiert die Pershing 115, welche vom Bug bis zum Heck satte 115 Fuss misst und zahlungskräftigen Zeitgenossen jeden erdenklichen Luxus bietet.

Jetzt gemeinsam unterwegs

Das Jahr 2008 bringt Pershing und Parmigiani ein Stück gemeinsamer Weg. Der neue Chronograph One-one-five beispielsweise verkörpert im Hause Parmigiani die erste reinrassige Taucher-Armbanduhr. Ihr Gehäuse widersteht dem nassen Element bis zu 600 Fuss, was für Landratten 200 m bedeutet. Die selbstverständlich nur einseitig verstellbare Tauchzeit-Drehlünette sowie Kautschuk-überzogene Drücker unterfüttern den professionellen Anspruch. Auf eine Tachymeterskala müssen die künftigen Besitzerinnen und Besitzer ebenfalls nicht verzichten. Mit ihrer Hilfe können sie ganz leicht Durchschnittsgeschwindigkeit zu Lande ermitteln. Über den Wellen gelingt das Ganze mit Hilfe des bordeigenen GPS-Systems ebenfalls. Es zeigt die erforderliche Distanz von 1 Meile oder 1 km.

Natürlich haben sich die Parmigiani-Designer beim neuen Produkt intensiv mit dem maritimen Partner und seiner 115er Motoryacht beschäftigt. Es galt, dessen Gestaltungsphilosophie ohne Verlust der eigenen Markenidentität einzufangen. Das Resultat der einschlägigen Bemühungen ist eine Synthese aus Stilelementen der Kalpa-Uhrenlinie und solchen der Luxuswerft. Das gilt etwa für die Struktur des Zifferblatts sowie die Form der dort befindlichen Zahlen. Die ausladenden Bandanstösse mit rechts integrierten Chronographendrückern erinnern an die seitlichen Öffnungen der markanten Pershing.

Zur Yacht passt limitierte Serie

Wie im richtigen Leben spiegelt sich auch hier eine Parmigiani-Pershing-Klassengesellschaft wider. Die Upperclass kann ihr Handgelenk mit limitierten Modellen in Roségold oder Palladium 950 zieren. Mit Blick auf das anvisierte Boot stehen jeweils 115 Exemplare zur Verfügung. Als «Motor» kommt das Automatik-Kaliber PF 190 II mit 30-Minuten- und 12-Stunden-Zähler sowie breitem Datumsfenster bei der 11 zum Einsatz. Seine Plattform stammt von Zenith und heisst dort El Primero.

Preislich etwas unterhalb rangiert eine unlimitierte Edelstahlversion mit dem modular aufgebauten Automatikkaliber PF 334. Somit kann sich jeder Parmigiani-Liebhaber seine ihm angemessene kleine «Pershing»-Welt erschaffen. Der Besitz des Dickschiffs ist übrigens keine Voraussetzung für den Erwerb dieser Zeitschreiber.