Über die Subprime-Krise wurde bereits ausgiebig berichtet. Ausser neuen Ankündigungen von weiteren Verlusten liegen die Fakten weitestgehend auf dem Tisch. Dabei geht leicht vergessen, dass es sich um eine seit langem angekündigte Krise handelt. Bereits im Juni 2005 berichtete die Zeitschrift «The Economist» fundiert über die Talfahrt des amerikanischen Marktes für Einfamilienhäuser. Weshalb die Warnsignale nicht erkannt oder gar ignoriert wurden, ist aus heutiger Sicht eine müssige Debatte. Spannend sind hingegen die Fragen, ob und wie stark die reale Weltwirtschaft unter der Subprime-Krise zu leiden hat und wie sich insbesondere Immobilien als Asset-Klasse gegenwärtig präsentieren.

Steigende Preise in Top-Regionen

Im Spätsommer 2008 kann man feststellen, dass die Marktteilnehmer verständlicherweise verunsichert sind. Gleichzeitig präsentieren sich die einschlägigen Marktindikatoren nach wie vor vorteilhaft. Diese allgemeine Einschätzung bedarf einer Differenzierung nach Regionen und Marktsegmenten innerhalb der Schweiz: Während in ländlichen Gebieten die Preise für Wohneigentum seit geraumer Zeit – unabhängig von der Subprime-Krise – eher seitwärts tendieren, steigen die Transaktionspreise in den Top-Regionen weiter. In diesen Regionen legten die Preise insbesondere im gehobenen Segment im 1. Halbjahr 2008 zwischen 2,0 und 7,5% zu. Die mittleren Transaktionspreise bewegen sich dort deutlich über der Marke von 10000 Fr. pro m2 Nettowohnfläche. Die Prognosen von Wüest & Partner für das laufende Jahr gehen davon aus, dass ein reales Preiswachstum für Wohneigentum von 2% realistisch ist. Eine Trendumkehr oder gar ein Markteinbruch wie in den USA steht in der Schweiz auch bei Verlangsamung des Wirtschaftswachstums nicht zur Diskussion.

Westeuropa in guter Verfassung

Wie steht es im Segment von Renditeliegenschaften, also bei Mehrfamilienhäusern und bei Geschäftsliegenschaften? Das englische Unternehmen Investment Property Databank (IPD) misst in über 20 Ländern die Renditen von direkten Immobilieninvestitionen. So werden für die Schweiz – je nach Segment – Gesamtrenditen von 6 bis 10% für das Jahr 2007 ausgewiesen. Ausser in England und Irland, wo die Subprime-Krise bis heute tatsächlich negative Spuren hinterlassen hat, präsentieren sich die Immobilienmärkte der übrigen westeuropäischen Länder mehrheitlich in einer guten Verfassung. Selbst im englischen Markt behauptete sich im letzten Jahr das Nischensegment der Mehrfamilienhäuser mit einer positiven Gesamtrendite von satten 17%. Die Hypothese, wonach die weltweite Subprime-Krise auch eine Krise in den verschiedenen Immobilienmärkten ausgelöst habe, lässt sich bisher nicht bestätigen. Vielmehr scheint der gegenteilige Trend korrekt zu sein. Immobilien übernehmen bei etlichen Investoren vielmehr die Funktion eines sicheren Hafens. Aber schon vor 100 Jahren warnte der englische Ökonom John Maynard Keynes davor, die Risiken von Immobilienengagements zu unterschätzen. Denn die inhärente Trägheit von Immobilien mit einer geringen Volatilität in den Preisen ist nicht automatisch mit einem tiefen Risiko gleichzusetzen. Insofern empfiehlt es sich, heute noch mehr als sonst, auf der Hut zu sein.

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