Obwohl der Mindestzinssatz vom Bundesrat in der jüngsten Vergangenheit ständig nach unten korrigiert wurde, fällt es den Vorsorgeeinrichtungen im aktuellen finanziellen Umfeld schwer, diese Minimalvorgaben einzuhalten. Es gibt keine Anlagestrategie, die auf Jahressicht den Mindestzinssatz ohne Risiko erwirtschaften kann. Das zwingt die Pensionskassen dazu, ein optimal diversifiziertes Portfolio aufzubauen, das mittel- bis langfristig die notwendigen Erträge liefert. «Alleine mit sicheren Anlagen wie zum Beispiel Bundesobligationen kann die Mindestverzinsung nicht sichergestellt werden», sagt Beat Gerber von Swisscanto. Für ihn fahren Kassen mit einer ausgewogenen, gut diversifizierten Anlagestrategie langfristig am besten. Unter Berücksichtigung der Minimierung des Rückschlagrisikos könne auch der Einsatz zusätzlicher, unvollständig korrelierter Anlageklassen sinnvoll sein. Dabei lohne es sich, Investitionen in Hedge-Fonds, ausländische Immobilien und Rohstoffe genauer zu prüfen und allenfalls in der Asset-Allokation zu berücksichtigen.

Alternative Anlagen

Nebst den traditionellen Investments plädiert auch Martin Gubler, Geschäftsführer der «Zürich»-Anlagestiftung, für alternative Anlagen, die verschiedene Risikoparameter einschliessen und sich nicht «stur an einer fixen Benchmark» orientieren. Für Robert Eichenberger, Geschäftsleiter der AWi Anlagestiftung, gibt es im Moment nur wenige Anlagekategorien, mit denen der Mindestzins zu erreichen ist. Dazu zählt er Obligationen in Schweizer Franken und inländische Immobilien, die nicht kotiert und handelbar sind. Seine Anlagestiftung investiert in den Axa Immovation, einen neuen Immobilienfonds Schweiz, der Ausgaben und Rücknahmen ausschliesslich zum Net Asset Value tätigt und keinen Handel aufweist.

Die Anlagestiftungen (siehe Box) bieten den Vorsorgewerken verschiedene Gefässe an, die sich vorab durch ihre Rendite-Risiko-Profile unterscheiden. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten lassen sich bei diesen Institutionen speziell Umschichtungen zwischen den einzelnen Anlagegruppen beobachten. Der Deckungsgrad einer Pensionskasse spielt dabei nur indirekt eine Rolle. Insgesamt wird versucht, eine bestimmte Benchmark nachhaltig zu übertreffen. Dies geschieht durch taktische Über- und Untergewichtung von in der Benchmark enthaltenen Anlagen. Es gibt keine besonderen Anlagen, die wegen der reduzierten Risikofähigkeit der Vorsorgeeinrichtungen nicht mehr nachgefragt werden. «Der stark verminderte Deckungsgrad der Pensionskassen hat keinen Einfluss auf das Angebot an Anlagefonds unserer Stiftung», sagt AWi-Chef Eichenberger.

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Nach dem massiven Kurssturz an den Aktienmärkten geben sich die Branchenexperten über den weiteren Verlauf vorsichtig. Zu den grössten Verlierern bei den einzelnen Anlagegruppen zählten Aktien Emerging Markets und Aktien Immobilien Global, ebenso wie Aktien Schweiz Small & Mid Cap, Aktien Europa und Aktien Welt. Ohne ein Rebalancing sind damit die Aktienquoten bereits markant gefallen. Eine gleiche Tendenz war schon nach dem Börsencrash von 2001 zu beobachten. Damals sank der Anteil bei den Risikopapieren um rund 10%. Mit dem Aufschwung an den Aktienmärkten wurde die Aktienquote wieder entsprechend erhöht.

Kosten und Performance

Bei den Pensionskassen entscheiden die Geschäftsführer, Finanzchefs von Firmen oder die Verantwortlichen der Anlageausschüsse über die Asset-Allokation. Sie wählen zwischen knapp zwei Dutzend Anlagegruppen mit Aktien, Obligationen, Immobilien und alternativen Anlagen. Ob die Wahl beispielsweise auf Aktien Emerging Markets oder Obligationen Schweiz fällt, steht in enger Verbindung mit den Kosten und der Performance. Seit einigen Jahren haben die Anlagestiftungen Konkurrenz durch die Banken erhalten, die mit institutionellen Fonds für grosse Vermögen ab 50 Mio Fr. günstige Konditionen offerieren. Das ist auch ein Grund, weshalb die Anlagestiftungen jüngst kaum mehr gewachsen sind. Sie haben ihre Akquisitionsanstrengungen vorwiegend auf kleinere und mittlere Pensionskassen ausgerichtet.

Die grossen Beratungshäuser wie et-wa Credit Suisse, UBS und Swisscanto bieten die gesamte Angebotspalette an, zielen also mit ihren institutionellen Fonds auf die grossen Vorsorgeeinrichtungen und bedienen die kleineren Kassen mit ihren Anlagestiftungen. Bei der mittelgrossen Anlagestiftung Winterthur für Personalvorsorge (AWi) setzt Geschäftsleiter Eichenberger nebst dem Stammgeschäft mit den Anlagegefässen auf die integrierte Beratung und Studien im Rahmen des Asset Liabilities Management.