Die venezolanische Regierung macht Wahlkampf mit Enteignungen – und darunter leidet auch der Schweizer Lebensmittelgigant Nestlé. Präsident Nicolas Maduro schickte Soldaten der Nationalgarde in den Industriebezirk «La Yaguara» im Westen der Hauptstadt Caracas, berichtete «Bloomberg». Die Botschaft: Die Firmen müssen das Areal innerhalb von 60 Tagen räumen, denn Maduro plant den Bau von sozialen Wohnungen auf dem Gelände.

Vom Räumungsbefehl betroffen sind demnach mehrere Firmen, darunter der Schweizer Lebensmittelriese Nestlé, der US-Getränkekonzern Pepsi und die grösste venezolanische Privatfirma Empresas Polar. Die Enteignung betrifft rund zehn Prozent der Nestlé-Distribution im Land, wie der Konzern gegenüber handelszeitung.ch bestätigt. Die Firma aus Vevey nutzt das Gelände, um den Westen der Hauptstadtregion mit Süssigkeiten und Getränken zu beliefern.

Firmen als Sündenböcke

Gemäss einem Unternehmenssprecher arbeitet Nestlé daran, den Betrieb im Industriebezirk aufzugeben. «Wir arbeiten daran, die Produktion auf andere Einrichtungen im Land zu verteilen», sagte Andres Alegrett zu «Bloomberg».

Weitaus kämpferischer zeigt sich die venezolanische Firma. Empresas Polar wirft der Regierung vor, die Wirtschaftsakteure als Sündenbocke für eine verfehlte Politik der Linksregierung zu machen. Der Präsident Nicolas Maduro schiebe den privaten Unternehmen die Schuld für eine galoppierende Inflation und leere Supermarkt-Regale in die Schuhe.

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«Teil der Regierungsstrategie»

Gemäss Angaben des Unternehmens arbeiten rund 600 Personen im Werk in West-Caracas. Weitere 1400 Arbeitsplätze seien indirekt über die Distribution abhängig vom Standort. Dutzende Mitarbeiter demonstrierten denn auch gegen die Enteignung.

Unterstützung erhält die Firma vom venezolanischen Beratungsunternehmen Econometrica. Gegenüber dem «Wall Street Journal» erklärt der Direktor Henkel García den Räumungsbefehl so: «Das ist alles Teil der Regierungsstrategie, Dritte für die wirtschaftliche Krise verantwortlich zu machen.»

Wohnungen für den Wahlkampf

In Venezuela wird im Dezember wieder gewählt. Präsident Maduro droht ein herber Rückschlag. Die dominante sozialistische Regierungspartei könnte die absolute Mehrheit verfehlen, da die Wähler die Politik für steigende Kriminalitätsraten und Nahrungsmangel zur Rechenschaft ziehen wollen.

Sozialwohnungen sind seit Jahren ein zentraler Schwerpunkt im Regierungsprogramm der Sozialisten. Den Bewohnern des Landes wurden Millionen Wohnungen versprochen. Präsident Maduro war bisher aber nicht in der Lage, das Versprechen zu halten.