Wie in vielen anderen Bereichen kommen auch im Weinbau die unkonventionellen Ideen und die innovativen Impulse nicht selten von Quereinsteigern. Dies gilt auch ein Stück weit für den Genfer Weinbau. Hier waren es der Schlosser Gérard Pillon und der Anwalt Jean-Daniel Schlaepfer, die 1982 ihre gemeinsame Passion für den Wein zum Anlass nahmen, um im zur Gemeinde Satigny gehörenden Weiler Peney ihr eigenes Weingut zu gründen: Die Domaine des Balisiers.

Die Arbeitsteilung ergab sich gewissermassen von selbst: Der ruhige, wortkarge Tüftler Pillon ist für die gesamte Keller- und Weinbautechnologie zuständig. Der extrovertierte, eloquente Schlaepfer kümmert sich dagegen um die Kelter- und Kellerarbeiten sowie um die Kontakte zur Öffentlichkeit. Lange galten die beiden Winzernovizen als Enfants terribles, denn sie wussten von Anfang an, dass sie vieles anders machen wollten als ihre Kollegen.

Ihr Ziel war es, grosse Weine zu keltern, und dies mit biologischen Methoden. Wer solches Anfang der 1980er Jahre in der Westschweiz verkündete, der hatte in den Augen der alteingesessenen Winzer nicht alle Tassen im Schrank. Alle waren sich sicher, dass den beiden Städtern bald die Puste ausgehen würde.

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Gegen Behörden und Kollegen

Schlaepfer und Pillon setzten eine Reihe unkonventioneller Ideen um, mithin auch gegen den Widerstand der Behörden und der Winzerkollegen. Entgegen den Prophezeiungen gingen die beiden jedoch nicht Pleite. Stattdessen gelang es ihnen, sich innert weniger Jahre einen erstklassigen Namen als Pioniere des qualitätsorientierten Bioweinbaus zu machen.

Pillon und Schlaepfer waren die ersten, die in der Schweiz Cabernet Sauvignon anpflanzten, eine Rebsorte, von der allgemein behauptet wurde, sie reife hierzulande nicht richtig aus. Nach der sorgfältigen Überprüfung der verschiedenen Standortparameter, der Evaluation der geeignetsten Klone und nach dem vielversprechenden Abschluss der Versuchsvinifikationen pflanz-ten die beiden auf 4 ha Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc. Die Reben werden – auch dies eine Neuheit in der Schweiz – im reifefördernden System der offenen Lyra erzogen. Die Triebe werden dabei an leierförmig gespannten Drähten so geteilt, dass zwei Laubwände entstehen. Damit wird nicht nur die Sonneneinstrahlung optimiert, sondern auch die Durchlüftung der Reben verbessert, wodurch sich wiederum das Krankheitsrisiko verringert.

Zum Flaggschiff geworden

Der erste Compte de Peney, wie sie ihre langlebige, finessenreiche Cuvée aus Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc nannten, wurde 1989 gekeltert. Es ist dies nicht nur der erste Bordeaux-Blend der Schweiz, er vermochte auch auf Anhieb bei Vergleichsdegustationen zu überzeugen.

Neben den beiden erwähnten Rebsorten kultiviert das innovative Winzerduo zwölf weitere Varietäten, darunter auch die weisse, aus dem Burgund stammende Sorte Aligoté, die elegante, filigrane Weine ergibt, und die rote Gamaret, eine vielversprechende Neuzüchtung der Forschungsanstalt Changins, mit dem 3 ha bestockt sind und aus der der fleischig-würzige Lune Rousse gekeltert wird.

Grossversuch mit Tonamphoren

Jüngst ist jetzt noch die weisse Loire-Sorte Chenin Blanc dazugekommen, die jedoch noch nicht in vollem Ertrag steht. Sieben Weissweine, einen Rosé und fünf rote Gewächse umfasst zurzeit die Angebotspalette der Domaine de Balisiers, von der auch ein Teil ins Ausland exportiert wird.

Auch ein Vierteljahrhundert nach der Betriebsgründung ist die Innovations- und Forschungsfreude der beiden Bio-Winzer nicht erlahmt. So sind sie zurzeit daran, auf allen Parzellen vom biologischen auf biodynamischen Rebbau umzustellen. In ihrem Keller läuft seit 2004 zudem ein Grossversuch mit eiförmigen Tonamphoren, die Schlaepfer zusammen mit einer französischen Spezialfirma entwickelt hat. Die 675 l fassenden Behälter werden ohne Metallarmaturen und ohne chemische Zusätze lediglich aus Ton, Sand und Quellwasser hergestellt. Wie die Barriques ermöglichen sie die für den Ausbau des Weins notwendige Mikrooxydation, ohne jedoch die Fruchtaromen mit Holz- und Röstnoten zu überdecken.

Doch mit all dem nicht genug! Vor nunmehr 15 Jahren haben Schlaepfer und Pillon in Mouriès bei Les Baux de Provence ein zweites Weingut, die Domaine de Lauzières, erworben und auf Vordermann gebracht.