Das Linux-Betriebssystem ist der wichtigste Kind der Open Source-Softwarebewegung. Bei dieser werden die Programmzeilen ständig offen unter den Entwicklern ausgetauscht. Diese Richtung bildet das Gegengewicht zu den geschlossenen Systemen, die von vielen Softwarefirmen eingesetzt werden. Und in den letzten Jahren hat Linux im Kleinserver und bei Grossrechnern erfolgreich Fuss gefasst. Die Analysten von JP Morgan schätzen, dass Linux 14 bis 15% des umsatzbezogenen Marktanteils bei Server-Betriebssystemen erobert hat. Bei solchen Betriebssystemen sind die Microsoft-Produkte, die IBM-Mainframe-Betriebssysteme und die Unix-Dialekte von Sun Microsystems, HP und IBM die grossen Konkurrenten.

Der Linux-Markt ist in der Hand von Red Hat mit Schwerpunkt USA und Novell mit Schwerpunkt in Europa. Allerdings dürften es die Open Source-Produkte schwer haben, den Erfolg, den Linux bei Betriebssystemen gehabt hat, bei Anwendungen zu wiederholen. Denn Linux profitierte gleich dreifach durch den Ersatz von Server-Software, der Konvergenz der Industrie, auf eine Ersatzlösung von proprietären Unix-Dialekten, die über alle technologischen Plattformen hinweg läuft, hinzuarbeiten, und von der hohen Verbreitung standardisierter Hardware – und das heisst vor allem den x86-Server, die Intel-Prozessoren als Herzstück haben.

Linux und Open Source-Produkte sind auch bei schweizerischen Banken im täglichen Einsatz

«Im Grossen und Ganzen gut, gerade auch wenn berücksichtigt wird, dass Linux noch relativ jung ist und sich im Unix-Umfeld noch behaupten muss» sagt Eddy Ciliendo, bei IBM Linux Experte und IT-Architekt auf die Frage, wie er den Erfolg von Linux/Open Source-Produkten im Banking-Umfeld in der Schweiz beurteilt. «Vor allem in den  Bereichen Infrastruktur, Netzwerk-/Web, BI (Data Analytics, Data Warehousing, Risk Analysis) werden solche Produkte eingesetzt.» Im Core-Banking wird Linux dagegen eher selten eingesetzt und die  hauptsächlichen User sind laut Ciliendo die grossen Banken. Ersetzt werden vor allem Unix-Systeme. Kosten-Nutzen-Gesichtspunkte spielten von Anfang an immer eine grosse Rolle. «Auf den ersten Blick mag Linux nicht unbedingt günstiger sein» sagt Ciliendo, «ein grosser Vorteil ist es aber, dass Linux über System- und Anbietergrenzen hinweg eingesetzt werden kann, was wiederum zu operationalen Zusatznutzen führt.» Die Sicherheit beurteilt Ciliendo als «sehr gut», weil die Produkte laufend von der Linux-Community beurteilt würden. «Linux hat weiterhin ein sehr grosses Potential gerade auch im Bereich Konsolidierung» sagt Ciliendo in Hinblick auf die Aussichten auf das kommende Jahr.

Anzeige

Sehr offen spricht die Credit Suisse über ihre Linux-Strategie

«Die Credit Suisse setzt Open Source Produkte in verschiedensten Bereichen ein, zum Beispiel LINUX auf Intel-Servern und Eclipse als Entwicklungsumgebung» sagt Matthias Friedli, Sprecher bei der Credit Suisse, der diese Informationen zusammen getragen hat. «Es laufen ca. 20% der Intel-Server, bzw. 14% aller Server mit LINUX.» Kostengründe stehen laut Friedli nicht im Vordergrund bei OpenSource-Entscheidungen. «Es ist aber so, dass OpenSource-Produkte, zumindest, was die Lizenzen bzw. die Wartungsverträge angeht eher günstiger sind. Braucht man einen Support-Level, der dem Gebrauch als kritische Komponente angemessen ist, entstehen entsprechende Kosten.» Auch bezüglich der Sicherheit sieht Friedli keine Probleme. «Wir beurteilen die Sicherheit der Open Source-Produkte nicht anders als die der gekauften Produkte» sagt Friedli, «wichtig ist, dass   man wirklich mit Mainstream-Produkten arbeitet, die regelmässig gepatched werden.» Zukünftig werden Linux/Open Source-Produkte eher noch öfter eingesetzt werden: «Aus heutiger Sicht gehen wir von einer kontinuierlichen Steigerung des Anteils von Open Source Lösungen aus.»

Etwas zugeknöpfter ist die UBS

«UBS IT setzt Open Source sehr begrenzt und dediziert ein» sagt UBS-Sprecherin Dominique Gerster. Zur Zeit sei der Anteil an Open Source Produkten innerhalb der Bank von der Grössenordnung her vernachlässigbar. «Aufgrund der schwierig einzuschätzenden rechtlichen Situation ist die Bank beim Einsatz von Open Source Produkten sehr zurückhaltend» sagt Gerster weiter. Diesbezügliche Überlegungen und ein möglicher Einsatz beschränken sich deshalb bei der UBS momentan im wesentlichen auf Infrastruktur und Middleware-Komponenten.

Gar nicht äussern mag sich die Zürcher Kantonalbank

«Leider sind wir bei unserer Informatikabteilung auf Granit gestossen» sagt ZKB-Sprecher Diego Wider. «Diese befürchtet, dass mit den gemachten Aussagen das Geschäftsgeheimnis verletzt würde. Zudem könne fast jede Aussage auch gegen die ZKB verwendet werden, weil damit irgendwelche direkte oder indirekte Rückschlüsse auf andere Fragestellungen gemacht werden können, so die Argumentation unserer Experten. Somit können wir Ihnen leider auch keine Antworten liefern.»

Immerhin wissen wir von einem der Lieferanten, dass auch die ZKB Linux einsetzt.


 

Anzeige