Ausländische Investoren reissen sich um Schweizer Immobilien: Allein im letzten Jahr gingen 80% der Verkäufe von kommerziellen Liegenschaften in der Schweiz an Bieter aus dem Ausland. Die einheimischen Immobilienfirmen haben das Nachsehen – sie werden regelmässig überboten.

So ist es etwa PSP Swiss Property ergangen, der grössten an der Swiss Exchange kotierten Immobiliengesellschaft. Im Bieterstreit um die Immobilien des Retailers Jelmoli zog sie gegen israelische Investoren den Kürzeren. «Klar ist man dann enttäuscht. Wir müssen aber die Spielregeln des Markts akzeptieren», sagt dazu PSP-CEO Luciano Gabriel im Interview mit der «Handelszeitung».
Mit der Subprime-Krise zeichnet sich jetzt eine Trendwende ab: Die Refinanzierung wird schwieriger, Deals werden auf Eis gelegt. Das beste Beispiel ist, wiederum, Jelmoli: Der Verkauf an die Israelis ist geplatzt. Einheimische Bieter können sich nun gegenüber der ausländischen Konkurrenz wieder in Position bringen. Der Wettkampf bleibt dabei meist fair: Denn hierzulande weiss man das Interesse der ausländischen Investoren durchaus zu schätzen. «Es ist sicher positiv, dass ausländische Investoren in der Schweiz zukaufen. Weil es beweist, dass unser Markt gute Aussichten hat», gibt sich Gabriel von PSP überzeugt.

Willkommene Zuzüger

Mehr Ausländer würden auch die Schweizer Tourismusdestinationen gerne sehen: Sie haben mit leerstehenden Wohnungen in der Zwischensaison zu kämpfen, und suchen nun die Auslastung zu verbessern. Am liebsten würde Jean-Michel Cina, Volkswirtschaftsdirektor des Kantons Wallis, ausländische Touroperatoren gleich ganze Resorts bauen lassen: Diese würden dann selbst für die Auslastung sorgen. «Projekte liegen auf meinem Tisch», so Cina. Doch im Weg steht ihm die Lex Koller, die Ausländern die Investition in Schweizer Immobilien erschwert. Der Walliser Cina setzt sich deshalb für eine Abschaffung des Gesetzes ein – wie auch der Bundesrat, der den alten Zopf abschneiden will. Doch das Vorhaben hat Gegner: Viele befürchten einen Bauboom und ein rasantes Ansteigen der Immobilienpreise, wie es heute schon in den Genfer und Zürcher Seeregionen Realität ist.
Der Trend zeigt bereits in diese Richtung: Das Informations- und Ausbildungszentrum für Immobilien (IAZI) sieht einen weiteren Preisanstieg beim privaten Wohneigentum und eine Erholung bei kommerziellen Immobilien. Dazu trägt nicht zuletzt die boomende Schweizer Wirtschaft bei: Sie braucht Platz und investiert in Qualität.

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