Die Wohneigentumspreise haben sich in allen europäischen Wohneigentumsmärkten in der ersten Hälfte des laufenden Jahrzehnts stets nach oben bewegt. In Grossbritannien verdoppelten sich die Eigenheimpreise zwischen 2000 und 2006. Ähnliche Entwicklungen waren in Spanien, Frankreich, Griechenland, Schweden, Italien, Dänemark und Irland zu beobachten, während demgegenüber Eigenheime in Holland, Deutschland und der Schweiz einen vergleichsweise moderaten Preisverlauf aufwiesen.

Wirtschaftswachstum

Die Preisanstiege im laufenden Jahrzehnt sind zu einem wesentlichen Teil auf das Wachstum der europäischen Volkswirtschaften zurückzuführen. Insbesondere der damit verbundene Beschäftigungsaufbau sowie höhere Haushaltseinkommen haben die Nachfrage nach Wohneigentum begünstigt. Besonders deutlich scheint dies in Irland und Griechenland der Fall gewesen zu sein: Laut den Daten des Internationalen Währungsfonds IWF hat dort seit dem Jahr 2000 das Bruttoinlandprodukt pro Kopf um jährlich 5 bzw. 4% und damit mehr als doppelt so stark wie bspw. in Deutschland zugenommen. Ferner hat sich die stark von der Konjunktur abhängige Nachfrage noch preistreibend auf die Wohnungsmärkte in Ländern wie Griechenland oder Spanien ausgewirkt. Parallel dazu hat in Spanien und Irland im laufenden Jahrzehnt ein im europäischen Vergleich aussergewöhnlich hohes Bevölkerungswachstum von über 1,5% pro Jahr die Immobiliennachfrage angeheizt. In beiden Ländern beruhte das Wachstum hauptsächlich auf der starken Nettozuwanderung von Arbeitskräften, wobei aber auch der Anteil der Zuzüger, die ein Wohnobjekt als Altersdomizil erwarben, nicht zu unterschätzen ist.

Kreditpolitik

Zum Teil noch stärker als in den USA ist in einigen europäischen Ländern die Hypothekarverschuldung der Haushalte angestiegen. Laut dem Europäischen Hypothe-kenverband (EMF) hat sich in Spanien zwischen 2000 und 2007 das ausstehende Hypothekarvolumen verdreifacht, in Irland vervierfacht, und in Griechenland liegt die Kreditverschuldung für Wohneigentum heute sogar sechsmal so hoch wie zur Jahrtausendwende. Diese Entwicklung wurde unter anderem durch ein günstiges Zinsumfeld und eine steigende Flexibilität bei der Hypothekenvergabe begünstigt. Zum Beispiel lag während der vergangenen Jahre in Irland der Anteil der Immobilienkäufer, die über kein Eigenkapital verfügten und deshalb eine Vollfinanzierung in Anspruch nahmen, bei rund 30%. Damit wurden Immobilien für Haushalte mit niedrigerem Einkommen erschwinglich.

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Dass die Preisentwicklung in der Schweiz, aber auch in Deutschland und den Niederlanden, anders verlief als in anderen europäischen Ländern, hängt auch mit der Tatsache zusammen, dass die Wohnungssuchenden in diesen Ländern über ein breites Mietwohnungsangebot und damit über eine echte Alternative zu den Wohneigentumsmärkten verfügen. Dies schützt zwar - wie die Entwicklung Ende der 80er Jahre in der Schweiz zeigte - nicht immer gegen die Bildung von Preisblasen, beeinflusste die Entwicklung in den vergangenen Jahren jedoch massgeblich.