Im Januar verkündete der Schweizer Baukonzern Implenia den Gewinn eines Grossauftrags in Österreich im Wert von insgesamt 770 Millionen Franken. Zusammen mit dem österreichischen Bahnbau-Unternehmen Swietelsky baut Implenia den Semmering Basistunnel.

Das Projekt ist auf zehn Jahre angelegt. Beide Unternehmen sind zu je 50 Prozent Partner bei diesem Projekt, das entspricht einem Auftragsvolumen von je 385 Millionen Franken. Implenia hat dabei die technische Federführung. Noch im Monat Januar wurde mit den Bauarbeiten begonnen. Nur wenige Wochen danach stehen die Maschinen still.

Lärmmessungen falsch, Gutachter möglicherweise befangen

Der Verwaltungsgerichtshof in Österreich stellte einen Negativbescheid über die Genehmigung der Bauarbeiten aus. Demnach wurden Lärmmessungen an den falschen Orten durchgeführt, der zuständige Gutachter war nicht beeidigt und eine Deponie für den Bauschutt wurde ohne abfallrechtliches Verfahren errichtet. Die österreichische Verkehrsministerin Doris Bures dazu: «Wir müssen Nachbesserungen vornehmen.»

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Diese Nachbesserungen könnten schwieriger werden als erwartet. Der grösste Teil der Gutachter im Zusammenhang mit dem Semmering-Basistunnel ist gemäss Informationen der «Handelszeitung» möglicherweise befangen. Was dies für die Dauer des Baustopps bedeutet, lässt sich derzeit kaum abschätzen.

Baustopp für ein halbes Jahr – oder länger

Implenia-Sprecher Philipp Bircher geht davon aus, dass «die Arbeiten in rund einem halben Jahr wiederaufgenommen werden können». Verkehrsexperte Sebastian Kummer von der Wirtschaftsuniversität Wien geht allerdings von einem längeren Zeitraum aus: «Das Urteil kann noch weitreichende Auswirkungen haben.» Er schätzt einen allfälligen Schaden für die beteiligten Baufirmen auf einen zwei- bis dreistelligen Millionenbetrag, je nach Dauer des Baustopps. Implenia hingegen spricht von «keinen nennenswerten finanziellen Auswirkungen.»

Gelingt es jedoch beispielsweise nicht, die Deponie zu genehmigen, so muss das gesamte Bauprojekt geändert werden. «Dass in einem solchen Szenario die Zeit- und Kostenplanungen auch nur annähernd zu halten sind, erscheint gänzlich unrealistisch», sagt Kummer. «Die Kosten des Projektes werden dadurch steigen.»

Implenia hält unbeirrt an dem Projekt fest

Implenia hält indes unbeirrt an dem Projekt fest. Die Auftragsvergabe an Implenia sei durch den Entscheid des Verwaltungsgerichts nicht infrage gestellt, so Bircher. Implenia führe derzeit zwingende Bauarbeiten vor Ort durch. «Wir nutzen die Zeit zur Bauvorbereitung, um bei Vorliegen der rechtlichen Rahmenbedingungen gerüstet starten zu können.»

Das Verkehrsministerium hat derweil mit dem Rückwenind der regierenden Koalitionsparteien SPÖ und ÖVP eine Gesetzesnovelle durchgeboxt, welche die nötige Investitions- und Planungssicherheit gewährleisten soll. Die Opposition kritisiert dieses Vorgehen als «Anlassgesetzbung». Beobachter rechnen mit einem parlamentarischen Nachspiel.

Auftraggeber dieses Bauloses für den Semmering-Basistunnel sind die Österreichischen Bundesbahnen ÖBB. Das Gesamtvolumen des Projekts ist auf zehn Jahre mit einem Auftragsvolumen von insgesamt 3,1 Milliarden Euro ( rund 3,8 Milliarden Franken) ausgelegt.

Im Wesentlichen handelt es sich dabei um jene Eisenbahnstrecke, welche die Bundesländer Niederösterreich und die Steiermark verbinden soll. Der Tunnel ist für die Länge von 27 Kilometern geplant. Davon sollen 13 Kilometer, also zirka die Hälfte von Implenia und Swietelsky gebaut werden. Das Projekt ist eines der wichtigsten Infrastrukturvorhaben in Europa und als zentrale Achse von der Ostsee bis zur Adria geplant.