Ein Kritikpunkt des Grossaktionärs Laxey Partners an Implenia gilt der Auslandsstrategie des Schweizer Baukonzerns. Zum Halbjahresabschluss konkretisierte Letzterer nun seine Absichten und präsentierte bereits erste Erfolge in diesem Geschäft. So ist es der Gesellschaft in der neu geschaffenen Sparte «Global Solutions» gelungen, in Sotschi ein Vorprojekt für zwei Stadien für die Olympischen Winterspiele 2014 zu realisieren.

«Nachdem wir die Vorprojekte realisieren konnten, erhoffen wir uns, dass wir auch bei den Detailstudien und bei der Baubegleitung wieder berücksichtigt werden», erklärt Implenia-CEO Christian Bubb anlässlich der Halbjahreskonferenz. Anders als in der Schweiz, wo der Baukonzern seine Geschäftstätigkeit von der Bauproduktion in die vor- und nachgelagerten Bereiche ausgeweitetet hat, will das Unternehmen im Ausland den umgekehrten Weg gehen und nur langsam sowie mit einem entsprechend geringeren Risiko in die neuen Märkte vordringen. Die regional erste Priorität hat dabei Russland, gefolgt von Märkten im Nahen Osten. Für den kontrollierten Aufbau des Auslandsgeschäfts rechnet Implenia mit einem Zeithorizont zwischen zwei und fünf Jahren. Als Vision gilt schliesslich, dass das Unternehmen bis 2015 der führende europäische Gesamtlösungsanbieter für komplexe Infrastrukturbauten werden soll.

Margendruck bei Bauproduktion

Im Gegensatz zum Ausland ist das Wachstumspotenzial für Implenia im Heimmarkt angesichts ihrer Vormachtstellung und des Preisdrucks beschränkt. «In der Schweiz ist Wachstum hauptsächlich in den vor- und nachgelagerten Bereichen möglich», sagte Verwaltungsratspräsident Anton Affentranger. Auf der Top-Line entspricht dies einer jährlichen Zunahme von 2 bis 3%. Im traditionellen Kernsegment der Bauproduktion dagegen besteht ein hoher Margendruck, dem nur durch die Verbesserung der Produktivität entgegengewirkt werden kann.
Im 1. Semester 2007 erzielte Implenia einen Konzernumsatz von 1,444 Mrd Fr. Damit konnte der Vorjahreswert um 5% übertroffen werden. Der operative Gewinn (Ebit) vor Integrationskosten und Abschreibungen in der Höhe von 6,7 Mio Fr. belief sich auf 12,83 Mio Fr. gegenüber einem Verlust von 5,65 Mio Fr. in der Vergleichsperiode. Der Gewinn erreichte 3,2 Mio Fr.
Für das Gesamtjahr rechnet Implenia-CEO Bubb mit einem Umsatz von 3 Mrd Fr. sowie einem Gewinn von 25 Mio Fr. nach Sonderkosten. Anders als bisher vorgesehen rechnet Implenia mit Einmalkosten in der Höhe von 19,5 Mio Fr. statt 10 Mio Fr., was auf höhere Integrationskosten, Amortisationen sowie Aufwendungen für die Auseinandersetzung mit dem Hedge-Fonds Laxey Partners (3 Mio Fr.) zurückzuführen ist. In dieser Angelegenheit, die den Baukonzern seit diesem Frühling beschäftigt, sind noch keine Fortschritte erzielt worden. Wie die derzeit laufenden juristischen Verfahren ausgehen, steht in den Sternen.
Mit dem zum Halbjahr präsentierten Zahlenset konnte Implenia zwar deutliche Fortschritte aufzeigen, die Erwartungen der Analysten wurden aber mehrheitlich verfehlt. Insbesondere der starke Margendruck in der Bauproduktion, der trotz hoher Bautätigkeit in der Schweiz vorherrscht, hat überrascht. Positiv aufgenommen wurde dagegen die Auslandsstrategie, deren Aufbau allerdings noch einige Jahre und entsprechende Kosten in Anspruch nehmen wird. Bei einem Kurs um 31 Fr. sind die Titel nach wie vor stattlich bewertet. Ein spekulatives Element erhalten sie durch die ungewisse Auseinandersetzung mit Laxey.

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