Auf der ganzen Welt sehen sich Importeure zunehmend mit mangelhaften Produkten konfrontiert – zuletzt gerieten chinesische Hersteller in die Schlagzeilen. Deren Spielwaren mussten von Abnehmern wie Mattel weltweit zurückgerufen werden.

Branchenkenner warnen jetzt aber davor, die Ursprungsländer solch fehlbarer Produkte – wie etwa China – zu verteufeln. «Die steigende Zahl mangelhafter Artikel hat weniger mit der Ware selbst, sondern primär mit den immer strengeren Qualitäts- und Sicherheitsvorschriften von globalen Unternehmen zu tun», erklärt Françoise Rein vom weltgrössten Warenprüfer SGS mit Sitz in Genf. SGS arbeitet mit zahlreichen Schweizer Unternehmen zusammen, auch mit dem Nahrungsmittelmulti Nestlé. SGS rät den Kunden, eingehende Qualitätskontrollen bereits am Produktionsstandort vorzunehmen.

Nestlé befolgt den Rat. Als Präventivmassnahme gegen verunreinigte Nahrungsmittel und Grundstoffe greift der Konzern auf ein weltweites Netz von Forschungslabors zurück. Das ermöglicht Nestlé, die gesamte Wertschöpfungskette zu kontrollieren. Das kommt Nestlé nicht nur als Importeur, sondern auch als weltweit bedeutender Exporteur von jährlich 40 Mio t Nahrungsmittelprodukten zugute.

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Prävention am Produktionsort

Prävention ist auch in der Maschinenindustrie gross geschrieben. Neben strengen Kontrollen von eingeführten Teilen und Komponenten führt der Zuger Waschmaschinen- und Küchengerätehersteller V-Zug traditionell mit allen in- wie ausländischen Lieferanten – ob in Europa oder China – Qualitäts-Audits vor Ort durch. Dazu Jürg Werner, Leiter Entwicklung: «Wir nehmen für diese Tests stets unsere eigenen Schweizer Messgeräte mit und investieren, etwa für eine Kontroll-Session in China, hohe Summen.» Eine weitere sorgfältige Qualitätskontrolle nach der Einfuhr ist für V-Zug selbstverständlich.

Nichts anbrennen lassen will auch die Aufzugsherstellerin Schindler mit Sitz in Ebikon LU. Sowohl bei eigenen wie auch Zulieferwerken werden in der Produktion strenge Qualitätsstandards durchgesetzt. Schindler betreibt weltweit eigene Produktionsstandorte und erzielt 80% des Konzernumsatzes im Ausland, darunter auch in China. «Nach langer Aufbauarbeit und mittels anhaltender Überwachung sorgen wir dafür, dass auch unsere chinesischen Werke heute ‹Schindler-Qualität› produzieren», sagt Konzernsprecher Riccardo Biffi.

Bei den für die Sicherheit entscheidenden Komponenten geht Schindler keinerlei Risiken ein und produziert diese immer selbst, auch in den ausländischen Werken.

Risiken minimieren will auch der Spielzeughändler Franz Carl Weber und setzt auf spezielle Qualitäts- und Verhaltenscodices, die mit den ausschliesslich europäischen und Schweizer Händlern ausgearbeitet wurden.

Bei der Prävention orientiert sich Franz Carl Weber auch am europäischen Frühwarnsystem Rapex wie an Frühwarnungen des Bundesamts für Gesundheit (BAG). «Als gefährlich taxierte Produkte nehmen wir bereits aus dem Sortiment, bevor eine offizielle Rückrufaktion gestartet wird», sagt Geschäftsleiter Thomas Bombeli.


Im Schadensfall zur Wehr setzen

In Schadensfällen, verursacht durch qualitativ mangelhafte Importware zum Beispiel aus China, können sich in der Schweiz sowohl Unternehmen als auch Privatpersonen rechtlich zur Wehr setzen. Das bestätigt Paul Thaler, Mitinhaber der Anwaltskanzlei Wenfei mit Sitzen in Zürich, Peking, Schanghai und Taipeh. «Schweizer Unternehmen und Konsumenten können unabhängig davon, ob chinesisches oder schweizerisches Recht zur Anwendung kommt, den Hersteller auf Schadenersatz belangen.»

Grundsätzlich werden solche Fälle, egal ob mit China oder anderen Importländern, über das Produkthaftpflichtrecht geregelt.
Thaler warnt allerdings: «Viele starke Verkäufer aus China sehen die zurzeit verbreitete Schelte an chinesischen Produzenten als politisch motiviert.» Solche Verkäufer seien tendenziell weniger bereit, den schweizerischen Käufern beziehungsweise deren Vermittlungsstellen in Problemfällen entgegenzukommen.


«China stellt gute Produkte her»

Trotz Qualitätsproblemen bleiben die Importprodukte für Schweizer Firmen unverzichtbar. Das bestätigen Unternehmen wie Nestlé, Coop und die Baumarktkette Hornbach.

Ins selbe Horn stösst V-Zug. Das Unternehmen hat soeben mit einem Elektronik- und Display-Lieferanten aus China eine Kooperation unterzeichnet. «In diesem Bereich sind die Anbieter aus Fernost, speziell China, absolut führend», sagt Jürg Werner, Leiter Entwicklung bei V-Zug.

Auch Franz Carl Weber relativiert die Verhältnisse. «China stellt, in Relation zur Menge, sehr viele gute Produkte her», betont Geschäftsführer Thomas Bombeli.