Der ETF-Emissionsboom an der SIX Swiss Exchange ist ungebrochen: Allein 2009 sind 125 neue Produkte auf den Markt gekommen, und der Trend zeigt weiter steil nach oben. Abgesehen von den vorteilhaften Produkteigenschaften verdanken börsengehandelte Indexfonds ihre wachsende Beliebtheit der Tatsache, dass sie im Gegensatz zu strukturierten Produkten Sondervermögen gemäss dem Kapitalanlagegesetz darstellen und das eingesetzte Kapital beim möglichen Konkurs geschützt ist.

Physische Nachbildung

Der Anlegerschutz gilt für alle in der Schweiz zugelassenen ETFs gleichermassen: Sie sind Sondervermögen. Im Fondsvermögen selber bestehen aber gewisse Risiken, wenn Derivate eingesetzt werden. Entscheidend ist, welche Replikationsmethode das Fondsmanagement anwendet. Grundsätzlich wird zwischen der vollständigen Nachbildung des jeweiligen Index und der synthetischen Replikation unterschieden.

Wird der Index vollständig physisch nachgebildet, kauft der Fondsmanager sämtliche Aktien des zugrunde liegenden Index in exakter Gewichtung. In der Theorie müsste die Kurs- und Performanceentwicklung des betreffenden ETF damit identisch mit jenem des betreffenden Börsenbarometers sein. In der Praxis lassen sich jedoch Abweichungen feststellen. Ausserdem reinvestiert der Fondsmanager Dividendenauszahlungen nicht auf täglicher Basis bzw. zahlt sie nicht auf täglicher Basis an den Investor aus. Dies erfolgt üblicherweise quartals- oder semesterweise, was zwischenzeitlich die Cash-Komponente zusätzlich erhöht.

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Eine Schmälerung der ETF- gegenüber der Indexperformance kann sich auch aufgrund der Transaktionskosten ergeben. Je breiter der Index ist, desto mehr Titel muss der Fondsmanager kaufen und desto mehr Transaktionskosten fallen an, die in der Regel über die Managementgebühren weiterverrechnet werden. Bei einem ETF, der den SMI mit seinen 20 Titeln nachbildet, fällt dies kaum ins Gewicht. Anders sieht es bei einem ETF aus, der beispielsweise den S&P-500-Index physisch abbildet und 500 Titel kaufen muss.

Vor diesem Hintergrund hat sich in den letzten Jahren die synthetische Replikation als weitere Methode entwickelt. Der ETF investiert dabei in einen breit diversifizierten Aktienkorb, der im Minimum 90% des Fondsvermögens ausmacht und vom abzubildenden Index abweichen kann. Der ETF tauscht die Performance der im Fonds befindlichen Wertpapiere mittels eines Swaps gegen die Performance des dem ETF zugrunde liegenden Basiswerts (siehe Grafik).

Das Tauschgeschäft von Zahlungsströmen der Zukunft fungiert dabei als Geschäft zur Differenzerfüllung zwischen der Wertentwicklung des Wertpapierkorbs und der Indexentwicklung des Basiswerts. Der Swap-Anteil darf maximal 10% des Fondsvermögens ausmachen. Der ETF «trackt», was er verspricht, auch wenn die im Hintergrund stattfindende Konstruktion anders aussehen kann. So kann beispielsweise das Aktienportfolio eines ETF auf den SMI auch deutsche, französische oder amerikanische Titel enthalten. Meist werden Basiswerte verwendet, die sehr liquide und leicht zu handhaben sind sowie möglichst stark mit dem Index korrelieren.

Dem Investor entsteht also hinsichtlich des Wertes seiner Anlage kein Nachteil. Allerdings muss er sich im Klaren sein, dass jeweils im Umfang des Swap-Anteils, also von maximal 10%, ein Gegenparteirisiko besteht. Denn der Anlegerschutz erstreckt sich lediglich auf den realen Wertpapierkorb. Die Gegenpartei ist in den meisten Fällen die Investmentbank der Fondsgesellschaft. Mittlerweile sind einige Emittenten dazu übergegangen, das Risiko intern bei einem tieferen Wert als 10% zu begrenzen oder gar das Risiko mittels Übersicherung des Fondsvermögens zu verringern.

Exotische Märkte

Gleichzeitig ermöglicht die synthetische Replikation den betreffenden ETF, auch nichtphysische Basiswerte wie Geldmarktpapiere oder nicht UCITS-konforme Indizes abzubilden. Ebenso eröffnen ETF auf diesem Weg Investoren auch Zugang zu exotischen Märkten oder Short-Strategien, die physisch nur schwer oder gar nicht zu replizieren sind. Mit der zunehmenden Vielfalt der Basiswerte übertrifft die Zahl der swapbasierten ETF inzwischen jene der vollständig abgebildeten: 120 physischen ETF standen Ende 2009 155 synthetische gegenüber. Auskunft darüber, welche Replikationsmethode ein ETF anwendet, geben das betreffende Factsheet oder der Verkaufsprospekt des ETF.