Seit die sinkende Wirtschaftskraft Amerikas und Europas mit Auswirkungen auf die Jobangebote die Nachfrage in diesen Kontinenten zurückgehen lässt, suchen einige Top-Schulen zunehmend Kontakte zu ihren Alumni in Indien. Den Anfang haben US Business Schools gemacht. Laut einer Meldung in der «Hindustan Times» vom Oktober 2008 hat sich ein Team der Booth School of Business der University of Chicago auf den Weg nach Delhi gemacht, um den Ausbau des Netzwerkes und der Partnerschaften für die MBA-Studenten anzugehen.

So weit sind die hiesigen Institute noch nicht. Doch bestätigen die Verantwortlichen der globalen Schweizer MBA-Programme oder solcher mit Indien-Modulen, dass das Interesse an den Fähigkeiten der sprachlich, kulturell sowie bildungsmässig gut gerüsteten Eidgenossen steigt. Indien spürt zwar auch die Krise, doch wachsen indische Konzerne derzeit weiter in einem Mass, wovon Europäer nur träumen können. Der OECD-Wirtschaftsausblick für 2009 prognostiziert Indien ein Plus von 8,4%.

Indien blickt gezielt nach Europa

Obwohl der MBA-Markt als erstes China erobert hat, übt Indien auf Europäer eine besondere Faszination aus. «Inder sprechen besser Englisch, die kulturelle Vielfalt und die Erfahrungen aus der englischen Kolonialzeit prägen Indien in besonderer Weise», sagt Andrea Schenker-Wicki. Für sie tut sich dort ein neuer Arbeitsmarkt auf. Die Direktorin des Executive MBA der Universität Zürich verweist auf das seit einem Jahr bestehende EMBA-Zusatzmodul in Indien.

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In der Boomtown Hyderabad werden die Studenten mit den Besonderheiten Indiens vertraut gemacht. Die Wirtschaft zeigt sich sehr interessiert an neuen Talenten aus Europa. «Nicht selten sind bei unseren Besuchen auch die Personalchefs der jeweiligen Firmen anwesend.» Dazu gehört etwa Tata, die grösste Unternehmensgruppe des Subkontinents. Inder fühlen sich den Europäern näher als den Amerikanern, so Schenker-Wicki. Noch etwas Neues: Indien verlangt von den Studenten ihren CV bereits mit der Teilnehmerliste.

Die Universität St. Gallen (HSG) pflegt seit langem eine starke Beziehung zum Fernen Osten und insbesondere zu Indien. Einerseits rekrutiert die Ostschweizer Kaderschmiede Teilnehmer aus Indien, andererseits gibt es in St. Gallen ein Asian Center, ein Indian Center und eine Kooperation mit der Indian Chamber of Commerce in der Schweiz. Auch der Omnium Global Executive MBA in Kooperation mit der Rotman School of Management der University of Toronto wird ausser in der Schweiz, Kanada, Brasilien und China auch in Indien durchgeführt.

Miteinander lernen und wachsen

An der HSG in St. Gallen ist Wolfgang Jenewein, Managing Director des Executive MBA sowie des Global Executive MBA, der Experte für Indien und China. Wenn er die beiden Länder vergleicht, findet er, dass bei den Beziehungen zu China der Wettbewerb im Vordergrund steht, in Indien spürt er mehr Kooperation, wo man miteinander lernen und wachsen kann.

Die Competition in China könne sich stark destruktiv auf die Beziehungen auswirken, meint Jenewein. «Es ist schon so, dass die grösseren indischen Konzerne sehr interessiert sind an den westlichen Studenten und auch am Konzept des EMBA. Die Manager, mit denen an Firmenbesuchen Kontakt hergestellt wird, haben starkes Interesse an den Gästen aus der Schweiz. Nach der Präsentation folgt noch ein Mini-Consulting, später ein Follow-up. Inder zeigen ganz offen ihren Rekrutierungsbedarf und bereiten sich bestens auf alle Präsentationen und Gespräche vor», betont er.