Das indische Patentamt hat entschieden, dass der deutsche Pharmakonzern Bayer das Patent fürs Krebsmedikament Nexavar an den heimischen Hersteller Natco weitergeben muss. Im Gegenzug erhält Bayer von Natco eine geringe Lizenzabgabe auf den Umsatz.

Es ist die erste zwangsweise Patentabtretung in der Geschichte Indiens. Das Medikament Nexavar soll dadurch in dem Schwellenland künftig nur noch einen Bruchteil des bisherigen Preises kosten. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen erklärte, nun könnten die Kosten für eine Behandlung mit dem Medikament von derzeit etwa 5'500 Dollar pro Monat auf 175 Dollar gesenkt werden.

Bayer nahm den Entscheid mit Enttäuschung auf. «Wir prüfen im Augenblick unsere rechtlichen Möglichkeiten, um unser geistiges Eigentum weiter zu verteidigen», sagte ein Sprecher auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa.

Preis von den Behörden festgelegt

«Diese Entscheidung ist eine Warnung, dass es Konsequenzen hat, wenn Pharmafirmen Preistreiberei betreiben und die Verfügbarkeit einschränken», sagte die Ärzte-ohne-Grenzen-Direktorin Michelle Childs.

Die Organisation geht davon aus, dass nun künftig auch neue, noch unter Patentschutz stehende Medikamente - etwa zur Behandlung von HIV und Aids - zu einem Bruchteil des aktuellen Preises verfügbar sein könnten. Im Fall von Nexavar wird die indische Firma Natco das Mittel künftig selbst herstellen und zu einem Preis verkaufen, den die Behörden festlegen.

Auch einem Schweizer Pharmariesen droht Ärger in Indien: Ende Monat wird das höchste indische Gericht über den Patentschutz des Krebsmedikaments Glivec/Gleevec von Novartis entscheiden - das berichtet Swissinfo. Dem Schweizer Pharmariesen wird seit 2007 vorgeworfen, mit minimalen Veränderungen die Patentlaufzeit zu verlängern.

Ärzte ohne Grenzen attackiert auch Novartis

Sollte Novartis Erfolg haben, «könnte das weitreichende und gravierende Konsequenzen für den Zugang zu erschwinglichen und lebenswichtigen Medikamenten haben - weit über das zur Debatte stehende Krebsmedikament und weit über Indien hinaus», schreibt Ärzte ohne Grenzen.

Novartis betont laut Swissinfo, man wolle Indien lediglich mit anderen pharmaproduzierenden Ländern gleichbehandelt sehen. Generika-Hersteller würden weiterhin Medikamente produzieren können, deren Patente abgelaufen seien, so Novartis.

Der Konzern sei lediglich daran interessiert, sein geistiges Eigentum zu schützen. «Wir wollen nicht, dass jemand unsere Substanzen kopiert, ohne Forschung betrieben zu haben, diese dann billig verkauft und uns damit finanziellen Schaden zufügt», zitiert Swissinfo Paul Herrling, Forschungsleiter bei Novartis.

(tno/chb/muv/awp)

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