Bei der exakten Analyse der jährlich von der «Handelszeitung» in Zusammenarbeit mit Dun & Bradstreet (Schweiz) AG herausgegebenen Liste der 500 grössten Industriefirmen sowie Handels- und Dienstleistungsunternehmen (ohne Banken und Versicherungen) fällt auf, dass sich die Zusammensetzung der Tabelle von Jahr zu Jahr ändert. Nicht wenige Firmen entschliessen sich, in einem Jahr an der «Handelszeitung»-Umfrage teilzunehmen, zwölf Monate später dann aber wieder zu schweigen. Diese wellenförmige Publizitätsbereitschaft kennt verschiedene Gründe. Zum einen ist es die allgemeine Konjunkturlage. Sind die Zeiten und damit die Resultate eher schlecht, dann sind Firmen vielfach nicht mehr bereit, die wenig erfreulichen Daten zu publizieren. Aber auch die gegenteilige Reaktion ist möglich: Erfolgreiche Unternehmen teilen mit, sie möchten die guten Resultate nicht an die grosse Glocke hängen. Eine Veröffentlichung wecke den Neid der Mitbewerber, wird argumentiert.

Zudem muss berücksichtigt werden, dass die Schweizer Wirtschaft nach wie vor durch Familiengesellschaften geprägt wird. Allein unter den 100 umsatzstärksten Firmen der diesjährigen «Swiss-Top-500»-Liste figurieren 25 namhafte Fami-liengesellschaften, welche ei-nem einzelnen Aktionär oder einer Aktionärsfamilie gehören. Dass diese Firmen oft keinen Wert darauf legen, ihre Schlüsselzahlen einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu geben, muss akzeptiert werden, ist aber aus journalistischer Optik zu bedauern. Dank der konstant guten Kontakte zur Wirtschaft und der hohen Glaubwürdigkeit der vorliegenden Zusammenstellung ist es aber immer wieder möglich, bisher verschwiegene Familienfirmen zur Bekanntgabe von Eckwerten zu bewegen.

Dabei ist auch nicht ausser Acht zu lassen, dass in der Schweiz kaum sehr weitreichende Publizitätsvorschriften gelten. Allein die börsenkotierten Gesellschaften sind verpflichtet, einen Geschäftsbericht herauszugeben, in dem die einzelnen Zahlenangaben nachzulesen sind.

In der «Top-500»-Liste tauchen jedes Jahr neue Unternehmen auf, entstanden durch Fusionen, Neugründungen, Übernahmen oder aufgrund eines Namenswechsels. Ein Grund für das Fehlen von Tochtergesellschaften ausländischer Konzerne ist die aufkommende Argumentation des Mutterkonzerns, keine Ergebnisse der Ländergesellschaften bekannt geben zu wollen. In dieser Beziehung sind die US-Unternehmen «führend», kaum ein bekannter Name im Industriesektor ist bereit, Zahlen auf Landesebene zu veröffentlichen.

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