Die Industrie-Gruppe Looser trennt sich in einem Management-Buy-out von der Single Temperiertechnik. Damit besteht das Unternehmens-Portefeuille künftig noch aus drei Geschäftsbereichen. Ob es dabei bleibt, ist noch offen. Denn das Unternehmen unterzieht sich einer umfassenden Strategieüberprüfung und schliesst dabei keine Optionen aus. Bevor diese nicht abgeschlossen ist, wird auch nicht aktiv nach einer Person für den seit August vakanten CEO-Posten gesucht.

«Wir erachten den Verkauf von Single Temperiertechnik an Tim Talaat und das Management der Single Gruppe sowohl für die Looser Holding als auch für die Single Gruppe als gute Lösung,» sagte Verwaltungsratspräsident Rudolf Huber anlässlich einer Telefonkonferenz. Huber wirkt seit dem Ausscheiden von Tim Talaat als CEO von Looser im August auch als Executive Chairman. Looser könne sich auf drei Bereiche (Beschichtungen, Industriedienstleistungen, Türen) fokussieren und für Single gelte es nun, das vorhandene, beträchtliche operative Potenzial zu heben.

Exklusive Gespräche

Talaat hatte Looser bei seinem Ausscheiden den Kauf der Single Gruppe in Form eines MBO offeriert. «Nach einem intensiv geführten Verhandlungsprozess haben wir uns nun darauf geeinigt», sagte Huber. Die Gespräche seien exklusive mit Talaat geführt worden. Andere Interessenten an diesem Bereich habe es keine gegeben.

Konkrete Käuferin ist die Single Holding GmbH, die 100 Prozent der Anteile übernommen hat. Deren Mehrheitseigentümerin ist die Swiss Industrial Holding AG, die sich mehrheitlich im Besitz von Talaat befindet. Das derzeitige Management der Single Gruppe besitzt ebenfalls Anteile an der Swiss Industrial Holding AG.

Millionenzufluss

Looser wird sich mit rund 10 Prozent an der Single Holding GmbH rückbeteiligen. Nebst dieser Beteiligung stellt das Unternehmen ein Verkäuferdarlehen zur Verfügung, dessen Rückzahlung Huber in den nächsten vier bis fünf Jahren erwartet. Aus der Transaktion rechnet Looser einen unmittelbaren Mittelzufluss von rund 19 Millionen Euro. Das Closing ist für Mitte Dezember vorgesehen. Der Unternehmenswert (EV) von Single beläuft sich gemäss Huber «nördlich von 20 Millionen Franken».

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Die Single Gruppe entwickelt, produziert und vertreibt energieeffiziente Temperiersysteme, Wärmeübertragungsanlagen und Rückkühlaggregate. In den letzten Jahren erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz in der Grössenordnung von 31 Millionen Euro und erzielte im 2014 einen Ebitda von 2,5 Millionen Euro.

Strategie auf dem Prüfstand

Ob nach dem Verkauf der Single Temperiertechnik weitere Arrondierungen im Unternehmens-Portefeuille anstehen, ist noch offen. Derzeit unterzieht der Verwaltungsrat die bisherige Strategie einer Überprüfung, deren Ergebnis gemäss Huber noch völlig offen ist. Für die Kalibrierung der Strategie hat sich der Verwaltungsrat einen Zeithorizont von rund sechs Monaten gegeben. «In dieser Zeit macht es wenig sind, einen neuen CEO zu suchen», so Huber.

Von den Analysten der ZKB wird der Verkauf der Single Temperiertechnik als positiv bewertet. Die Experten erachten den Verkaufspreis (EV/Ebitda-Multiple 2015E von rund 10x) als angemessen; die Looser-Aktie sei mit einem EV/Ebitda von rund 6x deutlich tiefer bewertet. Durch den Verkauf der Sparte werde auch das im Sektorvergleich eher hohe Gearing von rund 81 Prozent auf rund 70 Prozent reduzieren.

Aktie zieht an

Die Aktien von Looser reagierten mit deutlichen Avancen auf die Transkation. Bis gegen 11.45 Uhr gewinnen die Titel 3,4 Prozent auf 39.40 Franken, während der Gesamtmarkt (SPI) 0,56 Prozent höher steht. Umgesetzt sind bis zu diesem Zeitpunkt 2518 Aktien verglichen mit 2424 Stück an einem durchschnittlichen Handelstag in den letzten Wochen.

(awp/ise/chb)