Wir haben ein grosses Auftragsvolumen und erwarten dies auch für die kommenden Jahre», sagt Peter Grogg, CEO des Pharma- und Biochemieunternehmens Bachem. Das hat Folgen: «Falls alle für 2007 geplanten Projekte tatsächlich umgesetzt würden, könnten wir sie aus Kapazitätsgründen nur schwer bewältigen.» Auch bei Burckhardt Compression (BC) laufen die Maschinen heiss, wie CEO Valentin Vogt sagt. An der Bilanzmedienkonferenz vom 5. Juni 2007 dürfte BC für das abgelaufende Geschäftsjahr ein zweistelliges Umsatzplus melden, im Vorjahr lag der Umsatz bei 210 Mio Fr.
Das Resultat würde indes noch deutlich besser ausfallen, wenn sämtliche Bestellungen in den BC-Auftragsbüchern termingerecht ausgeführt werden könnten. Zurzeit bestehen massive Produktionsengpässe, sowohl intern als auch bei den Zulieferern. 18 bis 24 Monate betragen die Wartefristen für Kompressoren, normalerweise sind es acht bis zwölf Monate. Der Bestellungseingang übertraf deshalb den Umsatz beträchtlich. Um die Wartezeit der Kundschaft zu verkürzen, hat BC im vergangenen Jahr weltweit 74 neue Stellen geschaffen und beschäftigt heute gut 700 Mitarbeitende. Ursprünglich für 2008 und 2009 geplante Investitionen werden vorgezogen. Zudem wurden zahlreiche Arbeitsprozesse ausgelagert. «So können wir ausbauen und bleiben bei einer Rezession dennoch rasch handlungsfähig», begründet Vogt.

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Aufträge an Mitbewerber

Eine flexible Arbeitszeitgestaltung ist auch der Trumpf, mit dem Mitbewerber Phoenix Mecano Komponenten AG gegen Kapazitätsengpässe erfolgreich vorgehen will. Der Komponentenhersteller in Stein am Rhein, wie BC ebenfalls stark in der Öl- und Gasindustrie aktiv, hat gemäss Geschäftsführer Ralph Gamper ebenfalls mit Produktionsproblemen bei externen Zulieferanten zu kämpfen.Kapazitätsengpässe sind auch in der Elektrobranche keine Seltenheit. Ein Beispiel ist Wicor mit Sitz in Rapperswil. Sie produziert und vertreibt in ihrem Unternehmensbereich Electrical Technology weltweit Isolationsmaterial und -komponenten für Transformatoren. Nach einer Umsatzexplosion in den vergangenen Jahren, 2006 betrug das Geschäftsvolumen 622 Mio Fr., mussten gemäss CEO Franziska Tschudi sogar Aufträge an Mitbewerber weitergegeben werden. «Wir haben schlicht unsere Produktionskapazitäten erreicht», sagt sie. Nun hat Wicor 60 Mio Fr. in neue Anlagen investiert und hofft, dank einer weltweiten Präsenz mit ausbaubaren Produktionswerken in China, Osteuropa und Südamerika die Engpässe wieder in den Griff zu bekommen.

Das A und O ist Beziehungspflege

Bei Elma Electronic AG im Zürcher Oberland, Entwicklerin und Herstellerin von Einzel- und Systemlösungen für moderne Elektronik-Anwendungen, wird mit den Lieferanten für Schlüsselkomponenten ein Service Level Agreement abgeschlossen, welches klare Verhältnisse bei der Lieferung der Komponenten schafft. Elma-CEO Stephan Bürgin erklärt: «Wir definieren mit dem Lieferanten Vorgaben bezüglich Mengen und Zeitpunkt der zu liefernden Komponenten und datieren ihn regelmässig mit den neusten Zahlen und Entwicklungen auf. So können wir frühzeitig auf veränderte Bestellsituationen bei unseren Kunden reagieren.» Elma gehört mit Huber+Suhner, Reichle & De-Massari oder Dätwyler auch zu den wichtigsten Zulieferern von Teilchen für die Telekombranche, die ebenfalls mit Kapazitätsengpässen zu kämpfen hat.Der Dachverband der Schweizerischen Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (Swissmem) bestätigt, dass die Kapazitätsauslastung für die Branche im 1. Quartal 2007 mit 92,3% enorm hoch war. Dass dabei Lieferengpässe auftreten, sei nicht zu umgehen.Die namhaften Verluste, die niemand zu beziffern mag, gehen nicht selten auf eine mangelnde Produktivität der Zulieferer zurück. Trotzdem wird diesen in den meisten Fällen die Treue gehalten. Valentin Vogt, CEO von Burckhardt Compression: «Wir pflegen unsere Partner weiter und sind auch aus Eigeninteresse und im Hinblick auf die nächste Rezession darauf angewiesen, dass diese heute Geld verdienen können.»Besser als der Mem-Industrie ergeht es punkto Kapazitätsproblemen der Chemiebranche. Magdalena Martullo, die Chefin von Ems Chemie, räumt zwar ein, dass ihr Zulieferer zurzeit «unter die Arme greifen», um Mengen zu produzieren, welche das Unternehmen selbst nicht mehr bewältigen könne.Hin und wieder längere Wartezeiten sind auch bei den Basler Konzernen Clariant und Ciba nicht zu vermeiden, wie dort bestätigt wird. Um die absehbar wachsende Nachfrage für Kunststoffstabilisatoren auch künftig zu decken, investierte Ciba deshalb schon seit zwei Jahren 125 Mio Fr. für den Bau einer entsprechenden Produktionsstätte in Singapur, die 2008 eröffnet werden soll. Auch Ems-CEO Martullo ist überzeugt, die ersten aufgetretenen Lieferengpässe mit Hilfe von Investitionen von 60 bis 80 Mio Fr. für neue Produktionsanlagen rasch zu überbrücken.

Uhrenindustrie integriert vertikal

Rigoroser wird in der Uhrenindustrie vorgegangen, wo die Zulieferer von Zahnrädern, Zifferblättern oder Zeigern mit dem reissenden Absatz von Schweizer Zeitmessern nicht mehr Schritt halten können. Der Genfer Luxusuhrenhersteller Chopard hat als Folge von ausufernden Lieferfristen (bis zu 14 Monaten) vertikal integriert und die Bestandteilfertigung mit Millioneninvestitionen in die eigene Produktion einverleibt. Die meisten Uhrenfirmen setzten im Kampf gegen Liefertermine und Verluste auf Wachstum. «Um die Produktion anzukurbeln, werden die Ausbildungskapazitäten sowohl für Lehrlinge als auch Quereinsteiger erweitert», sagt Jean-Daniel Pasche, Präsident des Dachverbands der Schweizer Uhrenindustrie (FH).

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Nachgefragt «In guten Zeiten macht man die grössten Fehler»

Der Chef vom Fahrzeughersteller Bucher Industries sagt, wie er Lieferengpässen vorbeugt.

Können Sie alle Aufträge termingerecht erfüllen?

Philip Mosimann: Die Lieferfristen sind tendenziell länger geworden. Die ganze Wertschöpfungskette ist in einer angespannten Lage. Wir müssen vereinzelt Störungen bei der Montage in Kauf nehmen.

Was macht Bucher, damit es nicht zu Lieferengpässen kommt?

Mosimann: Ob man termingerecht liefern kann oder nicht, hängt hauptsächlich von der Flexibilität der Mitarbeitenden und den Beziehungen zu den Lieferanten ab. Wir pflegen Lieferantenbeziehungen von zehn Jahren und mehr. Das hilft uns in guten wie in schlechten Zeiten. Wenn Zulieferungen generell knapp werden und Lieferanten versuchen, die Preise zu erhöhen, wirken sich langfristige Beziehungen positiv aus.Die Schweizer Industrie läuft auf Hochtouren. Sehen Sie bereits ein Ende des Aufschwungs?Mosimann: Wir sehen keine Zeichen eines Abschwungs. Der Aufschwung ist breit abgestützt. Das gesamte Bucher-Management hebt deshalb aber nicht vom Boden ab, sondern wir bleiben vorsichtig optimistisch.

Weil es irgendwann wieder bergab geht. Was machen Sie, damit Sie auch in schlechteren Zeiten die Margen halten können?

Mosimann: Klar ist, dass man die grössten Fehler in den guten Zeiten macht. Diese wirken sich dann in einer Phase des Abschwungs entsprechend aus. Wir sind zum Beispiel vorsichtig bei Kapazitätserweiterungen und Personalrekrutierung. Je rigider ein Arbeitsmarkt in einem Land ist, desto vorsichtiger sind wir mit Festanstellungen. Wir arbeiten in Aufschwungphasen deshalb vermehrt mit Lieferanten und temporären Arbeitskräften. Hier ist die Schweiz mit ihrem flexiblen Arbeitsmarkt im Vorteil.

Und das reicht?

Mosimann: Die strategische Planung ist wichtig. In der globalisierten Welt können Engpässe mit einem adäquaten Lieferantennetz aufgefangen werden.