Die Welt der Kabel scheint fast unendlich. Alleine in einem Mittelklassefahrzeug finden sich bereits Kilometer von elektrischen Verbindungsstücken. Dabei ist fast jedes Kabel anders beschaffen: Lang, kurz, abisoliert, mit oder ohne Anschluss. Dass dem so ist, dafür sorgen die Maschinen aus dem Hause Komax. Das Luzerner Unternehmen ist Weltmarktführer in der Kabelverarbeitungstechnik. Allerdings: «Würde man die Leute an der Zürcher Bahnhofstrasse spontan zu Komax befragen, die Auswertung wäre bescheiden», schätzt CEO Leo Steiner. Ganz anders bei der Bilanzpräsentation der Firma in diesem Frühjahr: Der Saal an der Zürcher Börse war zum Bersten voll. Dabei fiel vor allem das zahlreiche Erscheinen der Finanzgemeinde auf. Das Interesse an Small- und Midcaps sei wieder erwacht, kommentiert Leo Steiner den gut besuchten Anlass. Er mag recht haben. Auffallend allerdings auch die Performance von Komax in den letzten Wochen an der Börse: Alleine seit März hat der Industrietitel über 80% auf rund 66 Fr. zugelegt.
Ein wesentlicher Grund dafür liegt in der jüngsten Entwicklung der Auftragsbestände: Ein Plus von 20% gegenüber dem Vorjahr vermeldete Komax nach den ersten drei Monaten. Und Steiner doppelt nach: «Es läuft weiterhin gut.» Aufgrund des sehr erfreulichen Bestellungseingangs in den ersten Monaten lasse sich heute schon sagen, dass das erste Semester 2003 substanziell besser sei als die Vergleichsperiode im letzten Jahr. Zu einer Ganzjahresprognose will sich Steiner dennoch nicht äussern. Zu zwiespältig sind ihm die Konjunkturaussagen der Auguren. Es gebe nach wie vor keine Anzeichen, dass der Motor tatsächlich anspringen werde. Es fehle die Initialzündung, der «letzte Zwick an der Geissel», wie er sagt.
*Mit Unternehmergeist*
Bei seiner Einschätzung mag die Vorsicht mitschwingen, dass auch Komax sich in der Vergangenheit schon zu weit aus dem Fenster gewagt hat. Zu optimistisch waren die Ankündigungen des Unternehmens etwa vor zwei Jahren noch. Doch dann kam der Einbruch 2001. Zum ersten Mal seit 1995 musste Komax einen Umsatzrückgang von 7% auf knapp unter 200 Mio Fr. hinnehmen, während sich der Betriebsgewinn auf 18 Mio Fr. fast halbierte. Auch die Börsenkapitalisierung von damals über 500 Mio Fr. schmolz im Zuge des kollektiven Malaise an den Finanzmärkten dahin. Zu stark, wie Steiner meint. Es habe sich gezeigt, wie «problematisch gerade die Situation von Small Caps seien kann», so Steiner in der Rückblende. Die Kleineren folgten den Schwergewichten wie Senkblei in die Tiefe.
Nach einem schwierigen Start 2002 mit Kurzarbeit am Stammsitz in Dierikon zeichnete sich dann aber bereits im letzten Herbst eine Belebung ab. Neben dem kleineren Geschäftsbereich für Montageautomaten (rund ein Viertel am Gesamtumsatz) konnte insbesondere der grössere Bereich der Kabelverarbeitungssysteme einen Gang zulegen. Ein gewisser Nachholbedarf bei Kunden aus der Autoindustrie, der Unterhaltungselektronik und der Industrie für Haushaltsgeräte sorgte für Aufhellung. Dabei meldeten sich vor allem die Zulieferer aus dem Automobilsektor zurück. Für Komax, die über 50% des Umsatzes aus dieser Branche generiert, waren neue Modelle schon immer ein Treiber. So auch jetzt wieder. Etwa die neue BMW 5er-Serie oder der neue VW Golf, die diese Herbstsaison auf den Markt kommen, haben die Nachfrage nach Kabelverarbeitungssystemen deutlich belebt, wie der Bestellungseingang der letzten Monate zeigt.
Für Komax hat es sich gelohnt, dass vor einem Jahr keine Leute entlassen wurden. Auch die relativ hohen Aufwendungen für Forschung und Entwicklung von gegen 10% des Umsatzes beliess das Management 2002 unangetastet. «Das Geheimnis des Erfolges sind motivierte Mitarbeiter und eine hohe Innovationskraft», ist Steiner überzeugt, der selbst seit 1992 dabei ist. Nur so sei Komax gross geworden. Mitte der 90er Jahre begann der Ablösungsprozess von Firmengründer Max Koch. 1996 folgte das Management-Buyout. Steiner erinnert sich gut daran, wie das Unternehmen und das Führungsteam damals von den Investoren «auseinandergenommen» wurden. Das Buyout-Team habe aus acht Personen bestanden. Dabei die richtigen Leute ins Boot zu holen, war entscheidend. Er sei stolz auf das Team, das heute immer noch aus den gleichen Leuten bestehe wie damals, so Steiner. Und er fügt an: «Auch die Finanzgemeinde estimiert diesen Faktor jetzt.»
*Potenzial für die Zukunft*
Entscheidend für die weitere Geschäftsentwicklung sei nicht so sehr der Ausstoss neuer Autos, sondern der sich stetig erhöhende Anteil Elektronik pro Fahrzeug, beschreibt Steiner das längerfristige Marktpotenzial für Komax. Steiner rechnet dabei mit einer weiteren Verdoppelung des Elektronikanteils alle fünf Jahre. Damit will er auch an seinem Ziel festhalten, den Umsatz von derzeit rund 200 Mio Fr. innert der kommenden fünf Jahre zu verdoppeln. Wachsen soll Komax je etwa zur Hälfte aus eigener Kraft und akquisitionsbedingt. Verstärken will sich Komax in erster Linie im Bereich der Montageautomaten. Hier hat die Gruppe die kritische Grösse noch nicht erreicht. Ganz anders im Bereich der Kabelverarbeitungsmaschinen, wo Komax heute bereits rund 50% Marktanteil hält. Verdoppeln will Steiner ferner die Ertragsseite, und damit wiederholen, was bereits in den 90er Jahren möglich war. Bedingung für sämtliche Zukunftspläne ist allerdings, dass sich das Wachstum der Industrienationen wieder auf das Niveau wie in der zweiten Hälfte der 90er Jahre beschleunigen wird.

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