Der hohe Frankenkurs hinterlässt in der Schweizer Wirtschaft immer tiefere Bremsspuren. Die jüngsten Konjunkturprognosen zeichnen kein rosiges Bild. Damit steigt der Spardruck auf die Unternehmen. Das schlägt nun vor allem auf Lieferanten der Schweizer Grossfirmen und Staatsbetriebe durch.

«In quasimonopolistischen oder oligopolistischen Bereichen mit wenig Abnehmern werden oft sehr harte Lieferantenverträge ausgehandelt», sagt Markus Vischer von der Zürcher Anwaltskanzlei Walder Wyss. Die Abnehmer in diesen Bereichen hätten eine gewisse Marktmacht und wüssten diese auch auszunutzen. Die Grosskunden verlangen nicht nur tiefere Preise. Viele Zulieferer müssen auch immer härtere Vertragsbedingungen akzeptieren. Eine Forderung der Abnehmer ist laut Vischer das Erbringen von Gewährleistungen. Dabei haftet ein Lieferant oft auch für Schäden wie entgangene Gewinne – etwa wenn wegen eines Mangels eine Produktionsanlage beim Abnehmer stillsteht. Lieferanten der SBB wehren sich derzeit dagegen, dass sie in bestimmten Verträgen eine unbeschränkte Haftung akzeptieren müssen.

«Die Verhandlungen zwischen Grossunternehmen und Lieferanten werden zunehmend härter», sagt auch Jakob Hoehn, Partner bei der Zürcher Anwaltskanzlei Pestalozzi. Einen Zuwachs bei den Gerichtsfällen stellt er zwar noch nicht fest. Doch es zeige sich deutlich, dass Grossunternehmen versuchten, mehr aus ihren Lieferanten herauszuholen. Dieser Trend zeichne sich ab, seit Grossbetriebe vermehrt über eigenständige Beschaffungsabteilungen verfügten.

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Hoehn zweifelt freilich am Nutzen weitreichender Haftungsklauseln. Die unbeschränkte Haftung bringe am Schluss oft nur wenig, da der Lieferant den Schaden ohnehin kaum tragen könne, so Hoehn. Die SBB reagieren nun und wollen zumindest bei gewissen Verträgen auf diesen Passus verzichten, wie Infrastruktur-Chef Philippe Gauderon sagt. Im Gegenzug verlangen sie weitere Preisnachlässe.