Während die Aktienmärkte in den letzten Wochen kräftig durchgeschüttelt wurden, läuft die Realwirtschaft nach wie vor auf Hochtouren. Angeführt von China (plus 11,8% im 2. Quartal), findet ein globaler konjunktureller Aufschwung statt. Davon profitieren zahlreiche Schweizer Industrieunternehmen, die sich in den letzten Jahren entsprechend positioniert haben und mit ihren Nischenprodukten die weltweiten Märkte bedienen. Vergangene Woche präsentierten mit Bucher Industries und Interroll zwei solcher Nischenplayer ihre Semesterzahlen.

An der Kapazitätsgrenze

Über den Markterwartungen lagen die Halbjahreszahlen von Bucher Industries. Der Hersteller von Landmaschinen (Kuhn Group), Kommunalfahrzeugen, Anlagen zur Saftherstellung, Glasmaschinen (Emhart Glass) sowie Hydraulikkomponenten erreichte bei einer deutlichen Umsatzsteigerung von 18% auf 1,22 Mrd Fr. eine Verbesserung des Betriebsergebnisses um 66% auf 94 Mio Fr. Das Konzernergebnis kletterte gar um 78% auf 68 Mio Fr. «Besonders positiv ist, dass dank unterschiedlichen Treibern sämtliche Bereiche einen erfreulichen Aufwärtstrend ausweisen», beurteilt Fabian Haecki, Analyst bei der Bank Vontobel, das Halbjahresresultat. Das Konglomerat profitiere davon, dass die klassische Industrie in reifen Märkten wieder extrem gut laufe und die Unternehmensbereiche in ihren Segmenten Marktführer seien. Eine rege Nachfrage spürt denn auch die grösste Division, die Kuhn-Gruppe, aus Zentral- und Osteuropa sowie Brasilien. «Das Landmaschinengeschäft wird durch die höheren Preise bei Mais und Getreide angekurbelt, da die Bauern wieder vermehrt Investitionen vornehmen», so Haecki. Emhart Glass hat dank einer florierenden Glasbehälterindustrie ihre Kapazitätsgrenzen erreicht und musste im 1. Semester für die termingerechte Abwicklung der Aufträge Extrakosten in Kauf nehmen. Trotzdem erwartet
Haecki in diesem Jahr keine Abschwächung des Geschäftsgangs. «Der
Auftragseingang gibt eine gewisse Visibilität für das Gesamtjahr. Deshalb erwarte ich, dass das hohe Niveau gehalten werden kann», ist er zuversichtlich. Das Unternehmen stellt eine Steigerung des Umsatzes sowie eine deutliche Verbesserung des Betriebsergebnisses in Aussicht. Angesichts des starken Halbjahresergebnisses halten drei von vier Analysten die Titel von Bucher für einen Kauf, mit einem durchschnittlichen Kursziel von 231 Fr.

Profitabilität auf hohem Niveau

In einer völlig anderen Branche ist die Interroll Holding
zu Hause. Die Firma aus Sant'Antonino im Tessin ist Anbieterin von Komponenten und Subsystemen, die weltweit für die Stückgutförderung zum Einsatz kommen. Beispielhaft ist hierbei ein grösserer Auftrag zur Ausrüstung von Gepäckprüfanlagen bei der Passagierkontrolle an Flughäfen, der mit einem führenden Hersteller abgeschlossen werden konnte.
«Das Halbjahresergebnis ist sehr gut ausgefallen, wobei insbesondere das Komponentengeschäft die Erwartungen übertraf», kommentiert Thomas Germann, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank, die Interroll-Zahlen. Dank zahlreichen Aufträgen im Bereich der Subsysteme dürfte aber auch diese Sparte im aktuellen Jahr sehr erfreulich abschneiden. Neben einer Gewinnverdoppelung gelang Interroll im 1. Semester 2007 eine Steigerung der Ebit-Marge von 7,6 auf 11,5%. «Die Profitabilität wird im 2. Halbjahr kaum auf demselben Niveau gehalten werden können», ist Germann aufgrund anfallender Integrationskosten und einer Veränderung im Produktemix überzeugt. Mittelfristig erwartet er allerdings, dass eine Ebit-Marge von 12% möglich sein dürfte. Unterstützt wird die Einschätzung durch die Firma selber, die ihr Margenziel im September anheben will. Bei einem Kurs um 595 Fr. sehen die Analysten für die Interroll-Aktien noch Potenzial.
Am 21. August werden die Semesterzahlen von Swisslog erwartet. Wie Interroll profitiert auch der Hersteller von Logistiklösungen vom globalen Konjunkturaufschwung. «Obwohl das Unternehmen Komponenten von Interroll bezieht, lassen sich auf das Swisslog-Ergebnis kaum Rückschlüsse ziehen», ist Germann überzeugt. Der durchschnittliche Zielkurs bei Swisslog liegt bei 1.92 Fr. Vier Empfehlungen lauten auf «Halten», während zwei zum Kauf anregen.

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