Alle Sektoren der Maschinenindustrie spüren die Abschwächung, «von der Textil- bis zur Werkzeugmaschinenfirma, vom Autozulieferer bis zum Anlagenbauer», beobachtet Swissmem-Präsident Johann N. Schneider-Ammann. Angesichts dieser Entwicklung werde es immer schwieriger, die von der Maschinenindustrie in den letzten Jahren neu geschaffenen 35000 Jobs zu verteidigen.

Hiobsbotschaften

Im Textilsektor gehören Hiobsbotschaften über einen Stellenabbau seit Monaten zur Tagesordnung. Sultex hat in diesem Jahr in zwei Schritten 140 Stellen gestrichen. Uster Technologies baut 50 der weltweit 540 Arbeitsplätze ab.

Besonders hart trifft der Einbruch Maschinenhersteller Rieter. 2250 oder 15% der weltweit 15000 Stellen fallen weg, hauptsächlich zwar in Nordamerika und in Westeuropa. Doch auch die Schweiz, wo Rieter rund 2000 Leute beschäftigt, wird nicht verschont. Seit November hat das Automotive-Werk in Sevelen Kurzarbeit eingeführt, seit Anfang Dezember wird auch in Bereichen der Maschinenfabrik in Winterthur kurz gearbeitet. «2009 rechnen wir mit einem rückläufigen Personalbestand», erklärt Firmensprecher Peter Grädel. Im Klartext: Rieter wird in der Schweiz Stellen abbauen.

Massive Auftragseinbrüche verzeichnen auch sämtliche Zulieferer der Autoindustrie. Bei Georg Fischer sind die Werke im Sektor Automotive jäh von einer Über- in eine Unterauslastung gefallen. Auch im Werkzeugmaschinenbereich sind die Bestellungen deutlich rückläufig.

Der Konzern prüft nun «Massnahmen zur Effizienzsteigerung». Dabei dürfte es auch um grösseren Stellenabbau gehen. Kommunikationschef Markus Sauter will sich dazu allerdings nicht genauer äussern.

Von der Auto-Krise betroffen ist auch die Wicor-Gruppe in Rap-perswil. In den Zulieferwerken in Deutschland und den USA wird nun ein Personalabbau ins Auge gefasst. «In der Schweiz reduzieren wir die Zahl der Leiharbeiter und bereinigen Jahresarbeitssaldi», sagt CEO Franziska Tschudi. Insgesamt wird aber der Personalbestand von knapp 1000 Mitarbeitenden in der Schweiz in diesem Jahr stabil bleiben, denn Wicor konnte im umsatzmässig wichtigeren Bereich Elektrotechnik 30 zusätzliche Stellen schaffen.

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Bei der Dätwyler-Gruppe erweist sich als Glücksfall, dass Ende 2007 der Bereich Präzisionsrohre verkauft worden ist. Der Umsatzanteil mit der Automobilindustrie konnte so auf 8% reduziert werden. Die Zahl der Beschäftigten hat im Laufe dieses Jahres bis Ende Oktober in der Schweiz um 30 auf 1623 sogar zugenommen. Allerdings spürt Dätwyler jetzt eine grosse Verunsicherung in der Bau- und Maschinenindustrie und registriert rückläufige Auftragsvolumen. Dies soll laut Finanzchef Silvio A. Magagna vorerst einmal mit sanfteren Massnahmen aufgefangen werden. Das Unternehmen stellt weniger Temporäre ein, und es gibt zwecks Kompensation von Ferien und Freizeitguthaben verlängerte Weihnachtsferien.

Längere Krise befürchtet

Diesen üblichen Schritt, um eine schlechtere Auftragslage kurzfristig abzufedern, vollzieht auch die Schurter-Gruppe. Weil seit Oktober vor allem das Komponentengeschäft schlecht läuft, müssen nun über die Festtage 70% der Beschäftigten länger Ferien nehmen. Weitere Massnahmen sind bereits beschlossen: Ab Februar 2009 wird für rund die Hälfte der 500 Beschäftigten in der Schweiz Kurzarbeit eingeführt. «Unser Ziel ist, ohne Kündigungen durch die Krise zu kommen», betont Anton Lauber, CEO der Schurter-Gruppe.

Das Personal am Standort Luzern hat Schurter über natürliche Abgänge schon dieses Jahr um 20 Stellen auf 330 reduziert. Lauber hat für 2009 einen um 15% tieferen Umsatz budgetiert, die Investitionen werden deutlich zurückgefahren. Der Chef wäre nicht überrascht, wenn die Rezession länger dauern sollte. «Im Gegensatz zu früheren Krisen, die jeweils branchenspezifisch und regional begrenzt waren, sehen wir uns jetzt mit einer weltweit vernetzten Problematik konfrontiert.»

Widersprüchliche Signale im Bau

Widersprüchliche Signale kommen aus der Bau- und der Baunebenbranche. Bauzulieferer Arbonia Forster hat im Rahmen eines Kostensparprogramms im Laufe dieses Jahres rund 150 Stellen nicht mehr besetzt. Beim Betonriesen Holcim wurden in den USA und Spanien Werke geschlossen. Allein in den USA mussten über 1500 Mitarbeitende gehen. Weltweit hat Holcim jedoch die Beschäftigtenzahl um 3% (per Ende September) auf 92136 Mitarbeiter vergrössert. «In der Schweiz ist die Bauwirtschaft derzeit gut ausgelastet, weshalb hier keine Massnahmen angezeigt sind», sagt Holcim-Sprecher Roland Walker. Auch Bauzulieferer Sika hat weltweit Personal aufgebaut. In der Schweiz ist die Zahl von rund 1800 Mitarbeitern stabil geblieben.