Wenn in Deutschland die Automobilindustrie wieder in Schwung kommt und Mercedes sogar Sonderschichten einberuft, dann sind vor allem temporäre Angestellte gesucht. Von der jüngsten Erholung in den Industriebetrieben diesseits und jenseits des Atlantiks profitieren entsprechend die Zeitarbeitvermittlers, wie auch die 2. Quartals-Zahlen des US-Personalvermittler Manpower gezeigt haben. Am 21. Juli vermeldete das Unternehmen einen Umsatzanstieg gegenüber dem Vorjahr um 21% auf 4,6 Mrd Dollar, während der Gewinn mit 32,7 Mio Dollar nahezu verdoppelt werden konnte.

Wachstum sollte anhalten

Das Ergebnis von Manpower stimmt im Hinblick auf die am 11. August 2010 anstehenden 2.-Quartals-Zahlen des weltgrössten Personalvermittlers Adecco optimistisch. «Manpower ist geografisch in ähnlichen Regionen tätig. Das gute Resultat zeigt, dass das positive Momentum für die Zeitarbeitsfirmen anhalten dürfte», erklärt Marco Strittmatter, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Er ist denn auch optimistisch, dass die Wachstumsraten, die Adecco im 1. Quartal mit einem Umsatzplus von 7% erreichte, beibehalten werden können.

Auch Helvea-Analyst Chris Burger erwartet bei Adecco im 2. Quartal eine weiterhin erfreuliche Entwicklung. «Die für das Unternehmen wichtigen Märkte USA und Frankreich haben sich erstaunlich schnell erholt, was sich bereits im 1. Quartal positiv im Resultat niedergeschlagen hat», so Burger. Den Aufschwung in Frankreich begründet er mit der hohen Anzahl sogenannter Blue-Collar-Worker, sprich Industriearbeiter.

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Noch etwas weniger deutlich dürfte der Erholungstrend im Bereich der Fachkräfte ausfallen. «Dieser Markt gilt allgemein als Wachstumsmarkt, weshalb Adecco letztes Jahr in diesem Segment zwei Übernahmen getätigt hat», erklärt Strittmatter. Der Wirtschaftsaufschwung scheint aber noch nicht so weit fortgeschritten, dass in diesem Bereich vermehrt Zeitarbeiter benötigt werden.

Kostenkontrolle im Aufschwung

Dank umfangreichen Sparmassnahmen ist es Adecco im 1. Quartal 2010 gelungen, den Betriebsgewinn (Ebita) um 13% zu steigern, während der Gewinn mit 57 Mio Euro mehr als verdoppelt wurde. «Im 2. Quartal ist von einer ähnlichen Entwicklung auszugehen, was allerdings auf die tiefe Vorjahresbasis zurückzuführen ist», so Burger von Helvea. Andererseits verfüge Adecco über einen guten Track Record, was die Kostenkontrolle betreffe, sodass die Ausgaben im Aufschwung kaum aus dem Ruder laufen dürften. Ähnlich sieht es ZKB-Analyst Strittmatter: «Die Sparrunde ist vorbei. Mit dem aktuellen Personal sollte der Konzern aber ein gewisses Mehrvolumen verarbeiten können, was sich unter dem Strich positiv auf das Ergebnis auswirkt.»

Aktien kommen nicht vom Fleck

Trotz der insgesamt erfreulichen Rahmenbedingungen für die Zeitarbeitsfirmen und insbesondere Adecco, kommen die Aktien des Personalvermittlers seit Anfang Jahr kaum vom Fleck. «Der Markt ist skeptisch und erwartet wohl eher eine erneute Abschwächung der Wirtschaft», so Strittmatter. Die Bedenken werden durch die Arbeitsmarktdaten in den USA genährt, die trotz wirtschaftlicher Erholung durchzogen ausgefallen sind. «Die Arbeitslosenzahlen in Amerika sind nicht gesunken. Und diese dienen vielen als Gradmesser», so Strittmatter. Für ihn, wie für die Mehrheit der Analysten, sind die Titel dennoch ein Kauf. Beflügelt werden dürfte die Aktie zudem bei positiven 2. Quartals-Zahlen von Konkurrent Randstad am 29. Juli.