Nach dem Engagement bei der Schlatter Holding und dem Zukauf von ATPM durch die Tochterfirma Belimed vermeldet der Industriekonzern Metall Zug mit der Akquisition von Schleuniger bereits das dritte Investment innerhalb von wenigen Monaten. «Wir haben vor mehr als einem Jahr kommuniziert, dass wir ein weiteres Standbein für unsere Gruppe suchen. Mit Schleuniger haben wir dieses im Bereich der Kabelverarbeitungsmaschinen gefunden», erklärt Metall-Zug-Sprecher Stephan Wintsch.

Da zwei der drei bisherigen Sparten, die Haushaltapparate und die Immobilien, sehr Schweiz-lastig sind, gelingt der Holding über die internationale Schleuniger-Gruppe eine regionale Diversifizierung. Zudem soll dadurch die hohe Abhängigkeit von der Baukonjunktur reduziert werden. «An der Schleuniger-Akquisition haben wir längere Zeit gearbeitet. Entscheidend war für den Verkäufer Gerhard Jansen dabei, dass eine gute Nachfolgelösung gefunden wurde», sagt Wintsch.

Kaum Verbindung mit Komax

Den Kaufpreis von 136 Mio Fr. für das Thuner Unternehmen mit einem Vertriebs- und Servicenetz in über 40 Ländern bezahlt Metall Zug aus dem hohen Cashbestand von über 500 Mio Fr. Statt die Gelder in Finanzanlagen zu investieren, wo ein eher konservativer Ansatz verfolgt wird, sollen die Mittel in renditestarke industrielle Anlagen in interessanten Märkten fliessen.

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Ein solches Geschäftsfeld glauben die Zuger nun im Bereich der Maschinen zur Kabelverarbeitung gefunden zu haben. «Der Markt ist attraktiv und erzielt ein Wachstum von rund 5 bis 7%», erklärt Wintsch. Insbesondere in der Autoindustrie, wo Schleuniger bereits eine wichtige Position innehat, steige die Nachfrage laufend. Ebenfalls gesucht sind die Anlagen im Telecom- und Datacom- oder Spielkonsolenmarkt.

Als Nummer 2 hinter der SWX-kotierten Komax erwirtschaftet Schleuniger einen Umsatz von gut 100 Mio Fr. sowie eine Ebit-Marge von über 10%. Und auch wenn durch ein Zusammengehen der beiden Unternehmen die Position noch gefestigt werden könnte, erscheint dieses Szenario aus Wettbewerbsgründen sehr unwahrscheinlich.

Glücksfall Schlatter-Holding

In den nächsten Monaten dürfte es um den Zuger Industriekonzern nun wieder ruhiger werden, auch wenn kleinere Zukäufe weiterhin nicht ausgeschlossen werden. Denn zukünftig sollen die einzelnen Standbeine nur noch gezielt gestärkt werden. Unter diesem Aspekt ist auch der Zukauf der kleinen ATPM durch die Metall- Zug-Tochter Belimed (Infection Controll) zu verstehen. Die Firma ist ebenfalls in diesem Bereich tätig und erlaubt es Belimed, ihre Präsenz in Frankreich weiter auszubauen.

Die Suche nach Akquisitionen hatte für Metall Zug noch einen positiven Nebeneffekt. «Im Screening nach interessanten Akquisitionsobjekten sind wir auf die Schlatter-Holding gestossen», erklärt Wintsch. Da das Investment vielversprechend erschien, habe man die Chance gepackt. Die Schlatter-Beteiligung ist allerdings als reines Finanzinvestment zu verstehen und wird, anders als Schleuniger oder ATPM, nicht in die Metall-Zug-Gruppe integriert.