Dass Von Roll, Spezialistin für Elektroisolationen, in neue Geschäftsfelder expandieren will, ist klar. Wohin, dazu hält sich VR-Präsident und CEO Thomas Limberger bedeckt.

Auch im jüngsten Interview mit der «Finanz und Wirtschaft» machte Limberger dazu keine relevanten Aussagen, liess lediglich verlauten, dass «die Entwicklungschancen im Energiemarkt vielversprechend» seien.

Hinter den Kulissen aber laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren: Am 19. Dezember 2008 wurde im Handelsregister die Von Roll Solar AG mit Sitz im solothurnischen Breitenbach eintragen. Dort ist seit April 2008 auch die Von Roll Holding angesiedelt. Zweck der Von Roll Solar ist die «Entwicklung, Herstellung und der Vertrieb von Materialien zur Gewinnung von elektrischer Energie aus Sonnenstrahlen», heisst es im Handelsregister. Im VR hat der oberste Von-Roll-Führungszirkel Platz genommen: Präsident ist Thomas Limberger, als einfache Mitglieder amtieren Jürgen Bremer (Personal und Recht) und Markus Scherbel (Finanzchef). Weitere Mitglieder sind Eric F. Schwinge, bis vor kurzem beim Münchner Innovationsförderer Patentpool tätig, und der deutsche Unternehmer Andreas Tausch, spezialisiert auf alternative Energiegewinnung.

Billig herstellbar

Von-Roll-Sprecher Sven Ohligs will die Pläne der Solar-Firma nicht öffentlich machen. Doch Recherchen der «Handelszeitung» haben ergeben, dass CEO Limberger offensichtlich zum grossen Schlag ausholen will, der auch seinen Ex-Arbeitgeber und Solar-Pionier OC Oerlikon alt aussehen lassen soll.

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Von Roll Solar will als Industriepartner mit einer neuartigen, bedruckbaren Solarfolie als kostengünstige Energiequelle an den Markt gelangen. Von einem internationalen Wissenschaftlerteam entwickelt, eignet sich das mit einer einfachen Siebdruckmaschine billig herstellerbare, nur 2 mm dünne Solarmodul vor allem für grossflächige Anwendungen - etwa an Gebäudefassaden oder für Solarparks.

Anfragen in «Gigawatt-Höhe»

Das neue Produkt stösst laut einem Unternehmenskenner bereits auf grosses Interesse: Es lägen Kundenanfragen «in Gigawatt-Höhe» vor. Zum Vergleich: Das Schweizer Kernkraftwerk Leibstadt verfügt über eine Kapazität von 1,1 Gigawatt und trägt 15% zur Kernenergieproduktion in der Schweiz bei.Das kostengünstig herstellbare Solarmodul stösst offenbar bei Kunden aus Wüstengebieten auf besonders grosses Interesse. Denn laut dem Unternehmenskenner lässt die Leistung des Panels auch bei Hitze nicht nach - im Gegensatz zu herkömmlichen Modulen. Die Befürchtung, der eingebrochene Ölpreis könnte den Solar-Plänen einen Strich durch die Rechnung machen, teilt der Unternehmenskenner nicht. «Der Ölpreis bleibt unberechenbar - und langfristig sind alternative Energieerzeugungsformen die einzige Option.»