Energiefragen, anstehende Herausforderungen im Gesundheitsbereich, in der Verwaltung («E-Government») und bei der öffentlichen digitalen Sicherheit sollen unter der Bundeshauskuppel endlich die nötige Unterstützung finden. Sonst drohten ernsthafte Folgen, warnen die Spitzen der Schweizer Informatik-Anbieter. Tatsächlich war der Zürcher FDP-Nationalrat Ruedi Noser während Jahren der einzige Branchenvertreter im Parlament, und einzelne Vorstösse kamen allenfalls noch von Kathy Riklin und Theophil Pfister.

Das sind zu wenige im Vergleich zur Bedeutung der Branche, beklagt etwa Hauke Stars, Landeschefin von HP, dem landesweit grössten Informatik-Unternehmen: «Die Politik unterschätzt ganz eindeutig die Bedeutung dieses Industriezweiges. ICT ist nicht nur ein guter Arbeitgeber und Steuerzahler, sondern liefert auch die Schlüsseltechnologien für die wirtschaftliche Weiterentwicklung unseres Landes.»

«Gefährliche Konsequenzen»

«Im Vergleich zur Bedeutung der Informatik-Branche für den Erfolg des Wirtschaftsstandortes Schweiz ist die politische Verankerung definitiv zu wenig stark ausgeprägt», sagt Peter Waser, Chef von Microsoft Schweiz, und warnt: «Unsere Industrie ist das Rückgrat unserer Wissensgesellschaft – unser Rohstoff quasi; ignorieren wir diese grosse Abhängigkeit, hat das für die Schweiz und ihre interna-tionale Wettbewerbsfähigkeit langfristig gefährliche Konsequenzen.»

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Dass den Politikern allenfalls punktuell bewusst ist, welchen Beitrag die Informatik für die Attraktivität der Schweizer Wirtschaft leistet, kritisiert auch Canons Landeschef Markus Naegeli. Für Markus Gröninger, Schweiz-Chef von Oracle, ist das «Missverhältnis besonders krass, wenn man die wirtschaftliche Bedeutung und politische Vertretung der Informatik mit der der Landwirtschaft vergleicht».

Wie prekär die Situation ist, verdeutlicht auch Paul Glutz, Chef des IT-Dienstleisters CSC (Computer Sciences Corporation): «Zwar hören sich die Politiker die Anliegen der Branche an, doch dann fehlt oft das Interesse, die Themen voranzutreiben.»

Dabei ist der von der ganzen Branche inzwischen als bedrohlich empfundene Nachwuchsmangel nur eine der anstehenden Herausforderungen. Hauke Stars etwa fordert den Bund auf, unbedingt Anreize zur Reduktion des Energieverbrauchs von elektronischen Geräten zu machen. Und Pierre-Alain Graf, Managing Director von Cisco Systems Schweiz, wünscht sich «endlich mehr Dynamik und Innovation in jener Domäne, die unter direktem Einfluss von Politik und Verwaltung steht, nämlich im E-Government».

Noch deutlicher formuliert es Markus Gröninger für den Gesundheitsbereich: «Insbesondere im E-Health-Bereich sind konkrete politische Entscheide und Projekte nötig, damit die Schweiz gegenüber anderen Ländern nicht noch mehr ins Hintertreffen kommt. Spitzenplätze sind im Moment eh in weite Ferne gerückt, was in einem Know-how-intensiven Land mit hervorragenden Arbeitsbedingungen und guter Ausbildung eigentlich weder akzeptabel noch nachvollziehbar ist.»Der Branche brennen auch Fragen rund um die Internetkriminalität, die insbesondere der Finanzwelt zu schaffen macht, auf den Nägeln. Diese Diskussion, die auch den ganzen Bereich der Polizei-Informatik umfasst, hat Bern immerhin schon angestossen. Ständerat Bruno Frick hat vor einigen Tagen ein Postulat eingereicht, das vom Bundesrat einen Bericht zur Lage und zur Zukunft der öffentlichen Sicherheit im digitalen Zeitalter fordert. Frick geht davon aus, dass die traditionell als sicher geltende Schweiz in der Bekämpfung der Internetkriminalität weder auf Bundesebene noch in den Kantonen so weit ist, wie sie sein könnte und vor allem müsste.