Nach dem neuen Research Lab von Walt Disney und dem Europasitz von Suchmaschinen-Konzern Google verstärkt nun auch IT-Schwergewicht Microsoft seine Schweizer Präsenz. Das Unternehmen eröffnet in Zürich das Microsoft Development Center und baut den Standort in den nächsten zwei Jahren von 45 auf bis zu 200 Stellen aus.

Lokale Vergangenheit

«Die Stadt Zürich ist sicher, bietet ein gutes Lohnniveau bei hoher Kaufkraft und ist als europäische Partymetropole bekannt», so Erich Gebhardt, Leiter des Microsoft Development Centers, zu den Vorzügen von Zürich. Microsoft engagiert sich noch in anderer Hinsicht im Raum Zürich: In Rapperswil ist vor wenigen Tagen das erste Microsoft Innovation Center der Schweiz vorgestellt worden. An der dortigen Hochschule für Technik unterstützt der Weltkonzern Schweizer Unternehmen bei der Software-Entwicklung.

Zum Handkuss durch Microsoft ist Zürich vor allem Dank der persönlichen Initiative Erich Gebhardts gekommen. Er hatte das von ihm gegründete Zürcher Start-Up Media-Streams 2005 an Microsoft verkauft. Nun wird dort der unter anderem in der Schweiz entworfene Office Communication Server 2007 entwickelt. Ein Produkt, mit dem die Kommunikation in Unternehmen vereinfacht werden soll. E-Mail, Telefon, Instant Messaging und Officeanwendungen werden verstärkt verknüpft.

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Die für diesen Bereich zuständige Microsoft Unified Communications Group verteilt sich auf vier Entwicklungsstandorte: Peking, das indische Hyderabad, den Microsoft-Hauptsitz Redmond bei Seattle und nun Zürich.

Google bleibt Zürich treu

Google ist bereits seit 2004 mit der europäischen Entwicklungsdrehscheibe am Standort Zürich vertreten. «Wir begrüssen jegliche Aktivitäten, die den IT-Standort Schweiz noch attraktiver werden lassen», sagt Google-Sprecher Matthias Meyer zum Zuzug von Microsoft. Google ist bereits stark auf internationale Spitzenfachkräfte ausgerichtet. Die 450 Mitarbeiter am Standort Zürich stammen aus 40 verschiedenen Nationen. Neben der hohen Lebensqualität der Stadt seien die Anbindung an renommierte universitäre Einrichtungen und die zentrale Lage in Europa ein grosser Vorteil. «Bei uns sind Leute mit Kreativität und Leidenschaft gesucht», so Meyer. Der Selektionsprozess soll daher sicherstellen, dass besonders innovative Fachkräfte gefunden werden.

Kaum Fachkräfte vorhanden

Daher sei der Rekrutierungsprozess sehr ausgeklügelt. Laut Branchenkennern bestreiten Bewerber bei Google bis zu zehn Interviews, was vom Unternehmen jedoch nicht bestätigt wird.

Die Erfolge werfen jedoch Fragen auf. So wird in der Branche gerätselt, woher all die Fachkräfte für die neuen Stellen kommen sollen. Denn in den nächsten Jahren werden so wenig ausgebildete Informatiker ins Berufsleben eintreten, dass damit nicht einmal die durch Pensionierungen entstehenden Lücken gefüllt werden können, schreibt das Komitee der Informatica 08.

Microsoft setzt auf die USA

Das Jahr der Informatik wurde von Politik, Wirtschaft und Forschung ausgerufen, um den IT-Standort Schweiz zu stärken. Doch ist rasche Besserung nicht in Sicht: Die Neueintritte bei Informatikfächern an den Universitäten nehmen weiterhin ab. Die wenigen Fachkräfte, die von den Technischen Hochschulen in Zürich und Lausanne abgehen, sind bei den internationalen Konzernen heiss begehrt.

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Auch Microsoft will die Absolventen der Technischen Hochschulen anwerben. Das Unternehmen könnte bei Studierenden und Absolventen der ETH damit punkten, dass Microsoft in Zürich echte Produkte entwickelt, welche danach weltweit auf PC genutzt werden.

Der Computerkonzern setzt in Zürich zudem auf Mitarbeitende, die vom Microsoft-Hauptsitz in Redmond nach Zürich geholt werden sollen, sowie auf das bestehende, weltweite Recruiting.

«Wir haben keine Probleme bei der Suche nach geeigneten Fachkräften», so Erich Gebhardt, der Leiter des Development Centers. Microsoft habe einen sehr guten Ruf und sei daher ein gefragter Arbeitgeber. Deshalb ist man zuversichtlich, alle Stellen termingerecht zu besetzen.

Die Schweiz im Rückstand

Die Realität zeigt jedoch, dass sich häufig Schwierigkeiten ergeben, wenn Arbeitskräfte vom Ausland in die Schweiz gelockt werden sollen. «Die Schweiz hat bei der Rekrutierung von internationalen Spitzenkräften einen Nachteil gegenüber anderen Staaten», sagt Daniel Küng, der Leiter der Exportförderorganisation Osec.

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Die Lebenspartner von Fachkräften haben laut Küng häufig Probleme, in der Schweiz eine Arbeitsbewilligung zu erhalten. Damit die Schweiz als Wirtschaftsstandort auch für ausländische und gut ausgebildete Arbeitskräfte attraktiv bleibt, fordert die Osec, dass die Rahmenbedingungen laufend angepasst werden.

«Dazu gehört auch, dass die Einreise und der Aufenthalt von Spitzenkräften in der Schweiz vereinfacht werden», sagt Küng.