«Die Welt verändert sich sehr schnell. Es ist aber nicht mehr so, dass der Grosse den Kleinen frisst. Vielmehr ist es der Schnelle, der den Langsamen frisst.» Rupert Murdoch, der Chef des Medienimperiums News Corporation, bringt den Befund der weltweiten Umfrage von IBM bei 765 Top-Entscheidungsträgern auf den Punkt: Nur jene Wirtschaftsunternehmen, die in der Lage sind, auf den rasanten Wandel mit permanenter Innovation zu reagieren, werden mittel- und langfristig überleben.

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Mutige CEO

Dies sind keine leeren Worte. Zwei Drittel der befragten CEO gehen davon aus, dass ihre Firma in den kommenden zwei Jahren vor «fundamentalen Veränderungen» steht. Dies wird jedoch nicht als Bedrohung angesehen, sondern vielmehr als Chance und echte Herausforderung. Kein Wunder, wird das Thema Innovation zur Chefsache erklärt. Dabei drehen sich die Diskussionen im Management um drei zentrale Themen:

- Die Innovation von Geschäftsmodellen wird zentraler. Dies ist eine direkte Folge des globalen Wettbewerbs um Güter und Dienstleistungen, die überall hergestellt und angeboten werden können. Eine Antwort auf diese Konkurrenzsituation sind klare, effiziente und schlanke Abläufe und Organisationen. Allerdings, auch dies eine Erkenntnis der Studie, darf dieser so wichtige Innovationsprozess nicht zulasten der Weiterentwicklung der Produkte und der Märkte erfolgen.

- Externe Stimmen, Meinungen und Berater sind unumgänglich. Dabei wird der Austausch mit Geschäftspartnern und Kunden ausserhalb des Unternehmens als besonders inspirierend betrachtet. Erstaunlich ist allerdings die Tatsache, dass die firmeneigenen Forschungs- und Entwicklungsabteilungen nicht als eine der Top-Innovationstreiber angesehen werden. In der Regel sind die verschiedenen Abteilungen eines Unternehmens zu wenig miteinander vernetzt.

- Innovation muss von oben nach unten orchestriert werden. Der CEO sollte ein innovationsfreundliches, teamorientiertes Betriebsklima schaffen, in dem die Innovatoren belohnt werden. Zudem müssen Geschäft und Technologie besser integriert werden.

Bei Produkten top

Was bedeuten diese Erkenntnisse für die Schweiz? Georg Ganter, Partner und Leiter Strategy & Change bei IBM Business Consulting Services, stellt der Wirtschaft in einem Punkt ein gutes Zeugnis aus: «Bei den Technologie- und Produkteinnovationen zählt die Schweiz zu den führenden Volkswirtschaften.» Da jedoch 70% des Sozialprodukts im Dienstleistungssektor erwirtschaftet werden, bedeutet Innovation neue Services und Geschäftsmodelle sowie «operational excellence» bei Betriebsabläufen.

Probleme bei der Umsetzung

Die mittelgrossen Unternehmen wissen dies zwar, doch bei der Umsetzung hapert es häufig. Ganter: «Produkte zu erfinden tut nicht weh. Aber die Veränderung von Geschäftsmodellen und Prozessen fordert Unternehmen einiges ab, wenn es gilt, die eigene Organisation und traditionelle Abläufe zu hinterfragen und radikale Verbesserungsprozesse einzuleiten.» Kein Wunder, werden hier Innovationen eher halbherzig vorangetrieben.

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Innovationsbereitschaft von Schweizer Firmen: Der Konkurrenzdruck als Antreiber

Die Schweizer Unternehmen können sich bei Produkte- und Marktinnovationen mit der Konkurrenz im Ausland messen. Bei Modellen, wie Unternehmen zusammenarbeiten, ist die Schweiz jedoch oft sehr traditionsverhaftet und liegt zum Teil hinter anderen Ländern zurück. Dazu Georg Ganter von IBM Business Consulting Services Schweiz: «In vielen Branchen ist man noch nicht bereit, innovative neue Organisationsmodelle, die insbesondere das Aufbrechen der Wertschöpfungskette beinhalten, konsequent umzusetzen.» Auch hier spielt die Regel: Je mehr ein Unternehmen markt- und ertragsmässig unter Druck steht, desto innovationsfreudiger ist es, und zwar mehr als jene Firmen, die von satten Margen in weniger kompetitiven Märkten leben können. Dabei ist die Schweiz prädestiniert, eine Innovationshochburg zu sein, und zwar in allen Bereichen. Ganter: «Mit ihrer Offenheit, ihrer Mehrsprachigkeit und der Kultur der Zusammenarbeit hat die Schweiz die besten Chancen, im internationalen Wettbewerb erfolgreich zu bestehen.»