Vor 20 Jahren wurde in Deutschland die erste Windkraftanlage in Betrieb genommen. Ende 2006 produzierten 18685 Windkraftanlagen bereits rund 7% des Stroms in Deutschland. Damit ist Deutschland Weltmeister vor Spanien und den USA. Doch an Land werden geeignete Standorte für Windkraftanlagen knapp. Deshalb und weil der Wind stetiger bläst, liegen die Windparks der Zukunft weit entfernt vor der Küste im offenen Meer. Der Grundstein für die Netzanbindung des ersten kommerziellen deutschen Offshore-Windpark-Clusters «Borkum 2» durch EON ist gelegt. Diese Anbindung mit einer Leistung von zunächst 400 MW wird von ABB in Gleichstromtechnik realisiert.

Effiziente Energieübertragung

Das EON-Projekt, dessen erste Ausbaustufe 2009 in Betrieb gehen soll, ist ein deutliches Signal für die innovative Energieversorgung der Zukunft mit Fokus auf Energieeffizienz und Klimaschutz. Das Cluster «Borkum 2» weist mit etwa 130 km vor der Nordseeküste die grösste Distanz zum Festland aller bislang weltweit installierten Offshore-Anlagen auf und ist ein Zusammenschluss von vier einzelnen Windpark-Gebieten. Gleichzeitig war sein erster Windpark mit einer Leistung von 400 MW der zur Zeit der Auftragserteilung grösste geplante Offshore-Windpark weltweit. Schätzungen zufolge kann der Windpark die CO2-Emissionen um etwa 1,5 Mio t pro Jahr reduzieren.

Erstmals wird die auf hoher See erzeugte Windkraft mit der Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) angeschlossen. Damit werden gleich zwei grundsätzliche Probleme gelöst: Eine technisch und wirtschaftlich attraktive Übertragung der Erzeugungsleistung über eine Entfernung von mehr als 100 km und die Möglichkeit des Schwarzstarts. So kann das System ohne Unterstützung des Netzes nach einer Abschaltung bei zu wenig oder zu viel Wind hochgefahren werden.

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Modernste ABB-Technologie

Die technische Innovation zur Realisierung heisst HGÜ Light und wird von ABB seit etwa zehn Jahren eingesetzt. Es handelt sich um eine selbstgeführte HGÜ, die auf modernen Leistungstransistoren basiert. Diese werden bei ABB Schweiz in Lenzburg produziert und ermöglichen den Einsatz von leichten, umweltfreundlichen Polymerkabeln. Neben den bereits erwähnten Vorteilen ermöglicht die HGÜ-Light-Technologie auch ein systemverträgliches Einspeisen grosser Leistungen in das bestehende Drehstromnetz.

Diese Eigenschaften machen HGÜ Light zur idealen Lösung für die Netzanbindung von Offshore-Windparks. Darüber hinaus zeichnet sich das ABB-System durch einfach verlegbare Kabel und einen modularen, fabrikgefertigten Aufbau der HGÜ-Umrichter aus. So können die für die geplanten Offshore-Windparks benötigten Netzanbindungen schnell realisiert werden. Der Ausbau erneuerbarer Energieträger und der zunehmen-de Handel im zusammenwachsenden europäischen Strommarkt haben bereits heute zu erhöhtem Transportbedarf im europäischen Übertragungsnetz geführt - und diese Entwicklung wird weiter zunehmen. Eine Verstärkung des Netzes durch dedizierte Ferntransportleitungen wird deshalb in absehbarer Zeit erfor- derlich werden. Der technische Fortschritt vor allem bei den Leistungshalbleitern hat auch dafür die Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung attraktiv werden lassen.