Gastgeber an der Tagung «Networking Industry and Science» waren die EPFL mit Präsident Patrick Aebischer an der Spitze sowie Alcan Engineered Products, einer der führenden Aluminiumverarbeiter, dessen Delegation von Christophe Villemin, President Alcan Global Aerospace, Transportation and Industry, angeführt wurde. Villemin ist der Hauptinitiant und Executive-Sponsor des Alcan Projekts «Innovation Cells», das im Frühjahr 2008 in Partnerschaft mit der Welschschweizer technischen Hochschule gestartet wurde.

Was sind «Innovation Cells»?

Angesichts der deutschen Übersetzung des englischen Begriffs «Innovation Cells» – Innovationszellen – mag man zunächst an enge Büros von Wissenschaftern denken, die einsam, abgeschirmt von der Umwelt, über ein Thema brüten und sich mit der Entwicklung neuer Methoden oder Materialien beschäftigen.

Doch damit würde man dem Anspruch des neuen Begriffs in keiner Weise gerecht. Viel näher liegt da schon die Assoziation mit Hirnzellen, welche Forscher benötigen, um ihrem Auftrag gerecht zu werden und die Wissenschaft sowie die menschliche Gesellschaft weiterzubringen.

Fokussiert auf leichte Werkstoffe

Mit der Vereinbarung über eine längerfristige Kooperation vertiefen Alcan Engineered Products und die EPFL die bereits bestehende Zusammenarbeit. Gemeinsam wollen die beiden Partner die strategische, technische und kommerzielle Entwicklung neuer Leichtbauwerkstoffe beschleunigen. Anvisiert werden wichtige Industriemärkte wie Luft- und Raumfahrt, Automobilbau, Bauwesen, Transport und erneuerbare Energien.

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Das Abkommen bringt die Einrichtung eines von Alcan Engineered Products gesponserten Lehrstuhls und einer Professur auf dem Gebiet der Multi-Materials (Multiwerkstoffe) und Interfaces (Schnittstellenoptimierung) im kommenden Jahr.

Marktfähige Lösungen anstreben

Das Programm «Innovation Cells» ist ein Kernelement der Innovationsstrategie des weltweit operierenden Unternehmens Alcan Engineered Products. Es ist angesiedelt im Wissenschaftspark der EPFL, wo Experten aus dem kommerziellen Bereich, auf dem Gebiet der Geschäftsentwicklung, der Forschung, der Technik und der Wissenschaft gemeinsam an der möglichst schnellen Entwicklung marktfähiger innovativer Lösungen arbeiten.

Den Vorteil der gegenseitigen Befruchtung zwischen Hochschule und Industrieunternehmen sieht Christel Bories, President und CEO von Alcan Engineered Products, in den hervorragenden Innovations-Chancen, die sich daraus ergeben: «In den 100 Jahren unseres Bestehens war Innovation stets ein Grundpfeiler unserer Strategie. Die Zusammenarbeit mit der EPFL hilft uns, unsere Führung bei Hochleistungs-Werkstoffen weiter auszubauen und frühzeitig mit neuen Materialien und optimierten Herstellungsverfahren auf die sich rasch ändernden Bedürfnisse des Marktes reagieren zu können.»

Das alles spricht für Lausanne

Der Standort Lausanne für die zukunftsorientierte Zusammenarbeit der beiden Partner hat geografische Vorteile; in nicht allzu weiter Entfernung liegen die beiden Forschungszentren von Alcan Engineered Products mit ingesamt 300 Wissenschaftern, die international einen ausgezeichneten Ruf geniessen, nämlich in Neuhausen am Rheinfall SH und im französischen Voreppe, nahe bei Grenoble.

Von der Arbeit der interdisziplinären Teams auf dem Lausanner Campus versprechen sich sowohl die Hochschule – mit dem von Professor Andreas Mortensen geleiteten Institut für Materials Science und mit dem von Professor Jean-Louis Scartezzini betreuten Institut für Bauphysik und Solartechnologie – als auch das auf die Verarbeitung von Aluminium und anderen Werkstoffen spezialisierte Unternehmen wertvolle Impulse. Oder wie es Christophe Villemin formuliert: «Durch Nutzung der langjährigen Erfahrung von Alcan Engineered Products mit dem Werkstoff Aluminium wird die Forschungstätigkeit an der EPFL neue Generationen von Multimaterial- und Hybrid-Lösungen hervorbringen, dank denen es der Luftfahrtindustrie und anderen Branchen gelingen wird, den künftigen Forderungen nach Gewichtsreduktion, Kosteneffizienz und Umweltverträglichkeit zu entsprechen.»

Erkennen relevanter Trends

Die Anstösse für die Suche nach neuen Lösungen können dabei sowohl von den marktnahen Geschäftseinheiten von Alcan Engineered Products oder von deren Kunden, aber auch aus dem Hochschulumfeld oder von anderen Unternehmen kommen, die sich auf dem lebhaften Lausanner Campus eingerichtet haben.

Die Lausanner Studierenden und Professoren sind sich nicht zu schade, den Vertretern von Wirtschaft und Industrie zum gemeinsamen Handeln die Hand zu reichen. Von den früher an manchen Hochschulen sorgfältig gehüteten Trennlinien zwischen Wissenschaft und Praxis ist auf dem sich dynamisch entwickelnden Campus am Genfersee nichts zu spüren. Ein besonderer künftiger Anziehungspunkt der EPFL ist bereits im Bau, das Rolex Learning Center. Im nahen Wissenschaftspark haben zudem über 100 Unternehmen und Projekte Unterschlupf gefunden, darunter auch Alinghi und das von Bertrand Piccard zusammen mit der EPFL geplante Solarflugzeug Solar Impulse.