Die favorisierten Arbeitgeber von Schweizer Studenten aus dem Ingenieurwesen, der Informationstechnologie und den Naturwissenschaften sind jüngsten Studien zufolge ABB, Google und Novartis. Mitunter wird als Grund angeführt, dass die drei Konzerne bereit sind, sehr viel Kapital in Innovation zu investieren, was schweiz- und weltweit die Hochschulabsolventen anzieht.

Aber früh übt sich, wer innovieren will. In diesem Bewusstsein integrieren Schweizer Fachhochschulen immer mehr Weiterbildungen im Bereich Innovation als Hauptfach in ihren Lehrplan.

Innovation passiert nicht im Labor

Das Managementzentrum der Berner Fachhochschule für Technik und Informatik bietet seit 2006 den EMBA in Innovation Management und seit 2009 den EMBA in Innovative Business Creation an. Die beiden Weiterbildungsprogramme sind offensichtlich gefragt: «Durchschnittlich schreiben sich pro Jahr insgesamt 30 bis 50 Personen ein», sagt Daniel Huber, Professor für Innovationsmanagement und Studienleiter EMBA in Innovation Management. Sie alle können einen Hochschulabschluss und mindestens zwei Jahre Praxiserfahrung vorweisen, denn dies wird für die beiden Executive Master of Business Administration (EMBA) vorausgesetzt. Einführend erlernt der Studiengänger zuerst das Managementhandwerk, bevor er sich dann in den Vertiefungen das Know-how für Unternehmenspositionen aneignet, in denen Innovation gefragt ist; etwa in den Bereichen Marketing oder Forschung und Entwicklung.

Hat der Teilnehmer den Studiengang erfolgreich abgeschlossen, ist er laut Huber «in der Lage, eine innovative Unternehmenseinheit oder ein kleineres innovatives Unternehmen zu führen». Dies eröffnet ihm auf dem Arbeitsmarkt grosse Chancen. Nicht nur, weil er imstande ist, einen eigenen Betrieb aufzubauen, sondern auch, weil sich gegenwärtig diverse grosse globale Konzerne nach kompetenten Arbeitskräften für die Gründung von Tochterfirmen umschauen.

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In Zeiten, da Innovation ebenfalls an den Hochschulen zum Trendwort avanciert ist, bemüht sich Studienleiter Daniel Huber um begriffliche Klarheit: «Innovation passiert nicht im Labor, sondern geschieht am Markt.» Dass die Teilnehmer in ihren Projekten «keine Sandkastenarbeiten, sondern echte Projekte der Unternehmen der Studenten» machen, ist demnach nur konsequent.

Praxisnähe wird grossgeschrieben

Bereits seit 2004 bietet mit dem MAS ZFH in Innovation Engineering die Fachhochschule für Technik Zürich einen berufsbegleitenden Studiengang im Bereich Innovation an. Sie schreibt die Anbindung an die Praxis gross; so gross, dass der Unterricht in fünf Modulen einem charakteristischen Lebenszyklus eines Unternehmens folgt, das Höhen und Tiefen erlebt, bis es zu einer nachhaltigen wirtschaftlichen Solidität übergeht. Grundlagen, Analysen, Programme, Projekte und Kultur von Innovation heissen diese Elemente, die nach jeweils vier Schwerpunkten unterteilt werden: Innovation Engineering, Business Development, Stakeholder Management und einer Vertiefung.

Unter den Teilnehmern dieses Master of Advanced Studies (MAS) erkennt Studienleiter Paul Frauenfelder als gemeinsamen Nenner, «dass sie einen Schritt vorwärts machen und Verantwortung übernehmen wollen». Menschen, die sich gerne in der Kammer verkröchen, fänden sich nicht unter den Teilnehmern. Er streicht dabei die Vorteile einer berufsbegleitenden Weiterbildung gegenüber einer Ausbildung an den alteingesessenen Hochschulen heraus: «Aus den Reihen der in die Praxis eingebundenen Leute kommen die wirklich kritischen Fragen.»

Ähnlich pragmatisch wird laut Frauenfelder geübt: «Die Studenten lernen mittels innovativer Unternehmensplanspiele, Analysen von Lernvideos, Rollenspielen bei Case Studies, Exkursionsberichterstattungen, moderner Präsentations- und Argumentationstechniken; Frontalunterricht findet immer weniger statt.» Das Innovative an der Weiterbildung zeigt sich im persönlichen Werdegang des Absolventen: Von den 55 Abgängern, die den MAS ZFH in Innovation Engineering bislang absolvierten, hat jeder Dritte die Arbeitsstelle gewechselt. Sie haben, so die Interpretation von Studienleiter Paul Frauenfelder, nach einer durch den Kurs angeregten Standortbestimmung die notwendigen Konsequenzen gezogen. Oder aber: Sie sind in Leitungsfunktionen aufgestiegen, «weil sie den Link zum Innovative Leadership bewältigt haben».

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Realisieren kann man nicht lernen

An der Fachhochschule St. Gallen (FHS St. Gallen) kann seit Mitte 2008 der MAS in Corporate Innovation Management erworben werden. «Leider ist der Studiengang noch nicht so ausgebucht, wie wir uns das wünschen», konstatiert Urs Guggenbühl, Leiter des Innovations-Zentrums St. Gallen (IZSG) an der FHS St. Gallen. Die noch etwas zögerliche Nachfrage erklärt er folgendermassen: «Das liegt vermutlich daran, dass es den Innovationsmanager im Human-Ressource-Portfolio der Industrie noch nicht gibt. Zwar ist der Begriff in aller Munde, aber es gibt noch keine klare Berufsvorstellung für den Innovationsmanager.»

Ist der MAS in Corporate Innovation Management an der FHS St. Gallen eine Weiterbildung unter vielen, die es so nicht braucht? Guggenbühl entgegnet: «Nein. Einzigartig an unserer Weiterbildung ist die Ausrichtung auf Interdisziplinarität. Im Zentrum steht der Mensch in seinen gesellschaftlichen Facetten und Verhaltensweisen, sodass wir auch soziologische Ansätze berücksichtigen.»

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Der MAS in Corporate Innovation Management wird dem Studenten verliehen, der die beiden Zertifikatslehrgänge CAS Strategisches Innovationsmanagement und CAS Innovationsdesign je mit einer Vertiefungsarbeit erfolgreich abgeschlossen hat. Dabei fokussiert das erste Certificate of Advanced Studies (CAS) auf Strategie und Management von Innovation, das zweite auf deren Produkte und Prozesse.

Studienleiter Urs Guggenbühl weiss um den Rucksack, den die Absolventen auf den Arbeitsmarkt tragen: «Die Studenten sind befähigt, Ideen zum Laufen zu bringen und effizient zu managen.» So gesehen, ist Innovation also schon lernbar. «Innovation braucht Methoden und Werkzeuge», versichert er. Doch Guggenbühl räumt ein: «Aus jemandem, der nie quer denkt, können auch wir keinen Innovator machen. Die Durchsetzung von Ideen auch gegen Widerstände bleibt letztlich dem Studenten selbst überlassen.»

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