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Interesse fördern, Kosten senken

In der Schweiz arbeiten 220000 IT-Spezialisten. Die frisch ausgebildeten Informatiker können jedoch die Pensionäre nicht ersetzen. Die Mint-Studie zeigt, wo der Schuh drückt, und liefert Lösungsan

Von Helga Wienröder
am 22.09.2010

Den Arbeitskräften, welche diese Lücke potenziell schliessen könnten, fehlt es oft an der Nähe zur beruflichen Praxis. «Die Schweizer Wirtschaft ist mit einem strukturellen Problem konfrontiert, da immer weniger junge Leute den Weg der Berufslehre und einer späteren weiterführenden Ausbildung einschlagen», stellte Urs Schüpbach, Generaldirektor von Manpower Schweiz, kürzlich an einer Pressekonferenz fest.

Einerseits fand Schüpbach kritische Worte für die Fachhochschulen, deren Absolventen im Gegensatz zu früher keine Berufspraxis mehr mitbringen müssen. Dazu komme ein gesellschaftliches Problem, da die Berufslehre gegenüber der gymnasialen Ausbildung deutlich an Ansehen verloren habe. Daher wird der Ruf nach ausländischen Fachkräften immer lauter, und zwar über diverse Branchen hinweg.

Es fehlen über 14 000 Fachkräfte

Um dieses Problem darzustellen, hat das Staatssekretariat für Bildung und Forschung im vergangenen Jahr das Büro für Arbeits- und Sozialpolitische Studien BASS AG mit einer Studie beauftragt. Sie sollte die Auswirkungen des Mint-Fachkräftemangels in der Schweiz untersuchen und ist im August 2010 erschienen. Mint steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik. Die Befragung zur Studie fand im März 2009 statt. 3815 Unternehmen der deutschen und französischen Schweiz wurden dazu eingeladen, der Rücklauf betrug 41,6%.

Das Resultat: Im März 2009 klaffte im Mint-Segment eine Lücke von 14 088 fehlenden Fachkräften. Demgegenüber standen 16 100 offene Mint-Stellen und 2000 stellensuchende Fachkräfte. Das heisst: Fast jede elfte Stelle aus diesem Bereich ist nicht besetzt. Die Studie zeigt, dass insbesondere Informatiker (inklusive Elektronikingenieure, Telekommunikationsingenieure und Bauingenieure beiden Geschlechts) fehlten. Die Studie deckte auch einen grossen Mangel in den Bereichen Biotechnologie, Life Sciences, Pharmatechnologie und Medizinaltechnologie auf. Von der Mint-Fachkräftelücke (14 088 Stellen) fallen 8036 Stellen auf die Bereiche Informatik und Technik, 4172 auf das Bauwesen, 998 auf Chemie und Life Sciences und 882 auf diverse Jobs.

Förderung und Kostensenkung

Die Lösung für das Dilemma heisst Förderung: Erhöhung des Interesses für Mathematik und Technik bereits gegen Ende der Sekundarstufe I; Erhöhung der Leistungsfähigkeit in Mathematik; Förderung der Immigration von Mint-Fachkräften und Mint-Bildungsausländern/innen: Die BASS-Studie schlägt vor, durch entsprechende Massnahmen den ausländischen Pool, bestehend aus Mint-Fachkräften und angehenden Mint-Studierenden, noch stärker zu nutzen. Schliesslich schlägt BASS Massnahmen vor, um Kosten für Studierende von Mint-Studiengängen zu reduzieren, sodass die Bildungsrendite gegenüber konkurrierenden Studiengängen steigt.

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