Der Spruch «Die Zukunft ist weiblich» ist für wenige Berufsfelder so zutreffend wie für die Kommunikationsbranche. Seit den 1980er Jahren hat von Amerika herkommend weltweit eine frappante Feminisierung des PR-Berufes stattgefunden. Inzwischen sind von seinerzeit nahezu 0% auch in der Schweiz heute rund 50% der in der Branche Tätigen Frauen. Bei den nichtakademischen Ausbildungsgängen sind sogar bis zu 90% der Absolvierenden weiblich.

Edith Weibel Sovilla hat bereits vor 18 Jahren bewusst den Entscheid gefällt, ausschliesslich in einem Frauen-Team zu arbeiten. Die ehemalige Flight Attendant mit Kommunikationsabschluss der Universität Denver/Colorado beschäftigt heute sechs Mitarbeiterinnen in ihrer Agentur Edith Weibel Public Relations.

Edith Weibel Sovilla ist keine lila tragende Emanze im Gefolge Alice Schwarzers. «Frauen vergiessen naturgemäss in meinem Fachgebiet einfach mehr Herzblut», sagt Weibel Sovilla nüchtern. Ein Blick auf ihre Kundenliste bestätigt, dass es wohl so sein muss: Die Agentur ist spezialisiert auf Lifestyle-Produkte, Mode, Luxusgüter und Hotellerie. Sowohl Jamie Oliver wie auch Alessi, Nespresso, Tommy Hilfiger oder die Rezidor Hotel Group zählen zur meist langjährigen Klientel.

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Konzentration bringt Erfolg

Würde Weibel Sovilla einem Mann begegnen, der sich für ihr Portfolio interessiert, würde sie auch mit dem anderen Geschlecht zusammenarbeiten. «Denn», präzisiert die PR-Frau, «vor dem Frauenaspekt kommt die Professionalität. Diese ist letztlich unabhängig vom Geschlecht.» Entsprechend wählen ihre Kunden die Agentur nicht wegen der Frauen, sondern wegen des Erfolgs. Dieser hat ein einfaches Rezept. «Man muss das tun, was einen interessiert, man muss sich fokussieren und sein Ziel bis zum Schluss verfolgen», so Weibel Sovillas Erfahrung.

«Politik- und Finanz-Kommunikation interessieren mich sehr wohl, doch eine Vermischung der Gebiete kam bei mir nicht in Frage. Denn in der Konzentration der einzelnen Branchen liegt der Erfolg», sagt sie. Dass sie mit ihren Interessen das traditionelle Rollenverständnis mit den Frauen zuständig fürs Softe und den harten Männern in Finanz und Politik zementiert, stört Weibel Sovilla nicht. Hauptsache die Arbeit stimmt: «Ich habe immer 300% Einsatz für meine Arbeit gegeben, weil ich Freude an dem habe, was ich tue», sagt sie. Mit Männern habe sie im Beruf noch nie Akzeptanzprobleme gehabt: Ihre offene Weiblichkeit habe dem beruflichen Fortkommen höchstens geholfen, meint die Unternehmerin. Die Zeitschrift «Bilanz» zählte Weibel Sovilla 2001 zu den zehn Top-Public-Relations-Frauen in der Schweiz.

Familiengründung statt Karriere

Das Anerkennungsproblem der Frauen in der PR-Branche ortet die 60-Jährige anderswo. «Viele Frauen sind einfach zu bequem, um ein berufliches Ziel mit allen Konsequenzen zu verfolgen. Sie haben kein Interesse am Leistungsgedanken, da ihnen der wirtschaftliche Druck dazu fehlt», beobachtet sie. Noch immer hätten Frauen die Gründung einer Familie im Hinterkopf, falls es mit der Karriere nicht so klappe, wie gewünscht.

In der Schweiz werden PR-Leitungsstellen noch immer zu zwei Dritteln von Männern besetzt. Eine Lohnanalyse im Rahmen einer Nationalfondsstudie zeigte zudem, dass die für PR verantwortlichen Frauen im Durchschnitt weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen. Laut einer weiteren Studie aus Deutschland ist die Zahl der PR-Managerinnen in den letzten Jahren nicht so stark gestiegen, dass die Nachfrage nach Führungskräften befriedigt werden kann.

In der Folge würden zunehmend fachfremde Arbeitskräfte (Männer) für die Posten rekrutiert. Dies könne für das Ansehen der PR als Berufsstand negative Folgen und letztlich ein Absinken des Gehaltsniveaus zur Folge haben. Dass den PR-Frauen die viel beschworenen Seilschaften fürs Aufsteigen fehlen, glaubt Weibel Sovilla nicht. «Jeder Kontakt kann helfen, aber letztlich muss jede Frau selbst ihren Mann stehen», sagt sie. Und: Frauen müssten mehr lernen, wie Männer bis zum Letzten für ihre Wünsche zu kämpfen. Dazu gehöre auch der aktive Kampf um gleichen Lohn.

«Denn», ist sie überzeugt, «bei gleichen Qualifikationen und gleichem Einsatz haben Frauen in der PR heute eigentlich dieselben Aufstiegschancen wie Männer.» Auch sei in der Kommunikationsbranche die Familiengründung neben der Karriere in erster Linie eine Organisations- und Finanzierungssache und keine Frage des Entweder-oder. Weibel Sovilla selber hat keine Kinder.

Sie stammt aus einer Familie, in der Frauenarbeit normal war. Ihre Mutter führte ein Möbelgeschäft. Die Tochter erbte das Selbstbewusstsein der Mutter und stampfte bei Mövenpick Hotels Intl. aus dem Nichts eine PR-Abteilung aus dem Boden. Später, mit 42, machte sich Weibel Sovilla dann selbstständig. Nicht etwa, weil sie sich als Frau im Grossbetrieb nicht verwirklichen konnte, sondern weil sie für sich selbst ein Unternehmen aufbauen wollte. Berufliche Hürden aufgrund ihres Geschlechtes habe sie nie erlebt.

«Aber ich musste in den ersten Jahren den damals noch ziemlich unbekannten PR-Beruf regelrecht vermarkten», erinnert sich Weibel, «gerade im Lifestyle- und Dienstleistungsbereich gab es damals kaum etwas anderes als die Werbe-Schiene. Die Kunden wussten gar nicht, dass eine Erwähnung im redaktionellen Teil eines Mediums mehr Wirkung haben kann als ein Inserat.»