Simon Lehmann, seit 2005 CEO des Ferienhausvermittlers Interhome in Glattbrugg ZH, nutzte den dritten Tag des ersten World Tourism Forum Lucerne im Verkehrshaus zielstrebig, um sich dem Ägypter Samih Sawiris, VR-Präsident und CEO der Orascom Development Holding in Altdorf UR, persönlich vorzustellen. Das war am 23. April 2009.

Weil der umtriebige ägyptische Unternehmer nach seinem Auftritt wie gewohnt nur kurz greifbar war, hatte Lehmann wenig Zeit, seine Idee für ein gemeinsames Geschäft an den Mann zu bringen und einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Sawiris war weder mit dem Schweizer Interhome-Chef noch mit der Ferienhausvermittlerin der Migros-Reisetochter Hotelplan wirklich vertraut.

Zuerst in El Gouna beweisen ...

Etliche SMS, etwas weniger Anrufe sowie einige Meetings später ist der erste Deal zwischen Lehmann und Sawiris perfekt, wie beide Seiten gegenüber der «Handelszeitung» bestätigen: Ab 1. März 2010 ist Interhome der exklusive Partner für die Vermietung und Vermittlung von Orascom-Ferienhäusern. Zu diesem Zweck wurde eine entsprechende Kooperationsvereinbarung zwischen Interhome und Orascom Hotels & Development mit Sitz in Kairo, einer Tochter der schweizerisch-ägyptischen Gesellschaft, unterzeichnet.

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Die neue Zusammenarbeit beschränkt sich vorderhand auf das Vorzeige-Resort von Samih Sawiris in Ägypten: El Gouna am Roten Meer, das grösste Projekt von Orascom, ist eine vollwertige Feriendestination mit 2600 Villen und Wohnungen. «Wir übernehmen die Aufgaben des Start-up Orascom Rental Services, das bislang mit 100 Eigentümern einen Vertrag zur Weitervermietung ihrer Objekte geschlossen hat», sagt Lehmann.

Aus diesem Grund werde Interhome am 1. März 2010 in El Gouna ein Büro eröffnen, Personal rekrutieren und sein Angebot an Dienstleistungen sowohl den Wohneigentümern (Verwaltung/Vermietung) als auch den Ferienhauskunden (Vermittlung) zur Verfügung stellen. Lehmann ergänzt: «Eine weitere Option ist, eine eigene Firma vor Ort zu gründen.» Gleichzeitig wird Ägypten zur 27. Destination im Portfolio von Interhome.

Warum bildet El Gouna den Anfang der Partnerschaft? «Wir müssen zuerst einmal beweisen, was wir bewegen können», erklärt Interhome-CEO Lehmann. «Jetzt werden wir zusammen mit Orascom alle 2500 Eigentümer anschreiben, die ihre Liegenschaft noch nicht vermieten, um sie für eine Zusammenarbeit zu gewinnen.» Das Potenzial in den ersten beiden Jahren schätzt er auf 100 bis 150 Neukunden.

«Unser Vorteil ist, dass wir als neutraler Vermittler, Schweizer Firma sowie Migros-Tochter auftreten können, die von Orascom unabhängig ist», fügt er an. Dies wiederum könne für den Städteentwickler ein zusätzliches Argument sein, um weitere Objekte in El Gouna zu verkaufen. Auch hier kenne man das Problem der sogenannten kalten Betten.

... dann in Andermatt vertiefen

Bei der nun besiegelten Kooperation handelt es sich um eine Profit-Sharing-Vereinbarung, bei der sich beide Seiten kennenlernen und die Risiken gemeinsam tragen, so Lehmann. «Die neue Partnerschaft ist für uns ein Meilenstein und der Auftakt einer hoffentlich nachhaltigen Zusammenarbeit, die sich für beide Parteien bezahlt macht», meint er.

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Fest steht bereits, dass Orascom und Interhome eine vertiefte Kooperation im Luxussegment prüfen. «Wir schauen uns natürlich alle Destinationen von Orascom an», sagt Lehmann. Das Fernziel dürfte eine Zusammenarbeit in Andermatt sein. Das Tourismusdorf befindet sich seit diesem Winter im Bau und soll ab Winter 2013/14 stufenweise eröffnet werden: Zuletzt soll es über 490 Wohnungen und bis zu 30 Villen verfügen, die von Orascom gebaut und verkauft werden - und die Interhome anschliessend vermieten könnte.

Aktuell betreibt Orascom vier touristische Städte: Neben El Gouna auch Taba Heights im Sinai (Ägypten), Tala Bay am Golf von Akaba (Jordanien) sowie The Cove in Ras Al Khaimah (VAE). Parallel dazu sind derzeit zwölf weitere touristische Projekte geplant: Neben dem Erstling in der Schweiz je vier Orte in Ägypten und in Oman sowie je ein Ort in Grossbritannien, Marokko und Montenegro.

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