Die interkulturellen Fähigkeiten gehören zu den Grundvoraussetzungen, um bei Roland Berger Strategy Consultants überhaupt einsteigen zu können. «Für uns sind nur die Hochschulabsolventen und Young Professionals interessant, die bereits in verschiedenen Kulturen unterwegs waren», sagt Carsten Henkel, Managing Partner des weltweit agierenden Beraters. Im Zürcher Büro mit rund 75 Mitarbeitenden arbeiten Schweizer, Deutsche, Italiener und viele andere Nationalitäten zusammen.

70 Prozent der Projekte sind grenzüberschreitend, die Teams bestehen aus relativ jungen wie auch sehr erfahrenen Beratern. Darunter Chinesen, Amerikaner, Franzosen und andere. «Für uns ist das Daily Business», ergänzt Henkel. Da alle Consultants weltweit das gleiche Training absolviert haben und dazu noch von der Kultur ihrer Herkunftsländer geprägt sind, läuft das relativ problemlos.

Die Vorbereitung ist alles

China ist wie überall auch bei Roland Berger das grosse Thema. Mit rund 300 Strategieberatern belegt das Unternehmen hier Platz zwei unter den dort tätigen Consultingfirmen. An den Vertretungen in Peking, Schanghai und Hongkong arbeiten fast ausnahmslos Chinesen. Da alle an Spitzenuniversitäten ausgebildet wurden, sprechen sie ein professionelles Englisch. Es kommt selten vor, dass Kollegen aus Europa nach China fliegen, ohne dass lokale Kollegen vor Ort dabei sind, denn «als Europäer ohne Begleitung einen chinesischen Manager zu treffen, ist undenkbar», weiss Henkel. Da Roland Berger in China und anderen Einsatzorten immer auf fachlich wie sprachlich perfekt agierende Teams trifft, erübrigt sich ein Sprachkurs. Nur mit wenigen Ausnahmen bietet Roland Berger Vorbereitungsseminare für Kultur, Land und Leute an. Das wird nur den Mitarbeitern angeboten, die für mehrere Monate oder ein, zwei Jahre nach China delegiert werden. Henkel sagt: «Wenn ich nach China reise, wird mir ein chinesischer Kollege als mein Guide eine Schnellbleiche geben - in Englisch.»

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PricewaterhouseCoopers erachtet es als unerlässlich, dass neben Deutsch und Englisch mindestens eine zweite Fremdsprache gesprochen wird. Neben fachlicher Kompetenz werden zwingend interkulturelle Fähigkeiten und internationale Erfahrungen verlangt. Angela Weinberger, Global Mobility Leader Switzerland, ist der Überzeugung, dass es in manchen Fällen sogar wichtiger wäre, den interkulturellen Fähigkeiten eine höhere Priorität zu geben. PwC unterstützt das Erlernen und Vertiefen von Fremdsprachen, in erster Linie gilt das für Englisch, betont Christoph H. Lüscher, Territory Human Capital Leader Switzerland. In Einzelfällen bietet PwC interkulturelle Vorbereitung und Sprachkurse bei strategischen Entsendungen an - ein Culturel Awareness Training. Aber auch Sprachen der sogenannten High Growth Markets wie Hindi, Mandarin, Arabisch und Japanisch werden häufiger erlernt. PwC-Mitarbeitende haben die Möglichkeit, ihre Sprachkenntnisse während eines Sabbaticals auszuweiten.

Ähnlich sieht es bei Deloitte aus. So informiert Karen Seifert, PR & Communications Switzerland, dass mindestens zwei Sprachen fliessend gesprochen werden müssen. Bei Auslandseinsätzen werden Consultants mit dem International Mobility Program unterstützt - womit sie bis zu zwei Jahren an einem anderen Deloitte-Standort auf der Welt arbeiten können. Für Berater, die sich auf ein kurz- oder langfristiges Projekt im Ausland vorbereiten, gibt es ein spezielles IT-Programm, den Culturel Navigator. Dieser erstellt ein persönliches Profil und identifiziert Bereiche mit Ausbaupotenzial. Sehr hilfreich ist auch eine Datenbank, über die Berater herausfinden können, welche ihrer Kollegen bereits in dem Land, in dem sie tätig sein werden, gearbeitet haben, um sich persönlich austauschen zu können.

Beispielsweise ein Knigge

Bei J & M Management Consulting, einem KMU in Baden, arbeiten 14 Mitarbeitende, 220 sind es weltweit. Martin Meier, Partner bei J & M in der Schweiz, berichtet: «Mitarbeitende, die Einsätze in China leisten, werden mit einem von Chinesen im Team unterstützten ?hausgemachten? Knigge auf die aufstrebende Wirtschaftsmacht vorbereitet». Dazu kommen eine Präsentation und ein Trainingskurs, damit niemand in ein Fettnäpfchen tritt.

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«Sich selbst bleiben und überzeugen»

Ihre Lieblingstheorie heisst: Wie man in andere Länder geht, sich dort einfügt - und dabei sich selbst bleibt. Wie kamen Sie zu dieser Feststellung?

Martha Maznevski: Noch vor zehn Jahren trainierten wir Führungskräfte für ihr China-Abenteuer: Wie sie dort hingehen und erfolgreich arbeiten sollten, um dann wieder nach Hause zu kommen. Heute ist das viel komplexer geworden. Denn es geht nicht mehr um China allein, da sie anschliessend beginnen, in ganz Ostasien zu reisen. Sie arbeiten mit Menschen verschiedener Kulturen in einem Team - zur selben Zeit. Das ist viel komplexer.

Was ist das grösste Problem in diesem Zusammenhang?

Maznevski: Wenn die Unterschiede in den Kulturen der beteiligten Länder zu gross sind, dann gibt es die grössten Probleme.

Und Ihr Rat an die Leader von multikulturellen Teams?

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Maznevski: Weil das Business komplexer geworden ist und damit auch Leadership, ist das Wichtigste: Multikulturell agieren und dabei sich selbst bleiben, damit können Führungskräfte und Teamleader am besten überzeugen.