Und wieder ein Punkt für Google: Social-Web-Anbieterin MySpace, heute eine Tochter von Rupert Murdochs News Corp., schliesst sich dem Netzwerk des Web-Riesen an. Mit einer neuen Software (Open Social) will Google die Seiten verschiedener Social-Web-Anbieter verknüpfen.

«Open Social wird vom Start weg der Standard für Softwareentwickler sein», schmeichelte MySpace-Gründer und -Chef Chris De-Wolfe dem Softwarekonzern aus dem Silicon Valley.Was macht die Social-Web-Szene für etablierte Konzerne so faszinierend? Es ist die fast unglaubliche Zahl ihrer Nutzer, die sich dort zum Kennenlernen und zum Austausch tummeln. Google-Seiten wurden im September weltweit 34,6 Mrd Mal angeklickt. MySpace brachte es im selben Zeitraum weltweit auf 49,7 Mrd sogenannte Pageviews.

Erinnerungen an die Blase 1.0

Facebook ist mit 34,5 Mrd Pageviews gerade dabei, Google zu überholen. Der neue Markt in der Onlinewerbung soll sich nach Zahlen der Marktforscher von Emarketer.com in den kommenden vier Jahren auf 4,3 Mrd Dollar vervierfachen.
Googles Kalkül zur Ausbeutung der neuen Goldader in der Onlinewerbung: Mit der Software Open Social sollen die Seiten
von möglichst vielen Social-Web-Anbietern verbunden werden,
um diese dann für Werbung erreichbar zu machen. Und MySpace liegt an der neuen Werbe-Schürfstelle Social Web bisher an der Spitze. Gefolgt von Facebook. Dessen 23-jähriger Gründer Mark Zuckerberg verkaufte gerade 1,6% seiner Firma an Microsoft. Er kassierte stattliche 240 Mio Dollar.
«Ist da eine Blase 2.0», fragen sich jetzt Anleger nach den enormen Summen, die Konzerne wie Microsoft zahlen. Fast eine Viertelmilliarde Dollar für weniger als 2% einer Firma, die erst vor drei Jahren gegründet wurde? Und nicht zu vergessen, dass Google im Mai 3,1 Mrd Dollar für den Onlinewerbevermarkter Doubleclick zahlte. Und Microsoft dann 6 Mrd Dollar für den Doubleclick-Wettbewerber Aquantive.
Das alles weckt Erinnerungen an die Internetblase 1.0, die im Jahr 2001 weltweit platzte. Ähnlichkeiten gibt es. Nach dem Microsoft-Deal wird die nicht börsennotierte Firma Facebook mit 15 Mrd Dollar bewertet. Das ist fast die Hälfte des Börsenwerts von Yahoo, einem Konzern, der den 32-fachen Umsatz hat. Google, mit mehr als 10 Mrd Dollar Umsatz 2006, ist an der Börse mehr wert als IBM.

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Knall von 2001 bleibt aus

Was heute anders ist als im Jahr 2001, als Blase 1.0 platzte, ist die Bewertung der Internetstars an der Börse. Google hat trotz der sensationellen Kursentwicklung seit dem Börsendebüt 2004 ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von weniger als 35.
Vor dem Platzen der Blase 1.0 lagen die KGV von Technologieaktien jenseits von 70. Google-Aktionäre können sich also sicher fühlen. Der grosse Knall wie 2001 wird ausbleiben. Die Märkte, in denen Branchenstars wie Google und Apple unterwegs sind, wachsen zweistellig, also deutlich stärker als jene von IBM.
Die höhere Bewertung ihrer Aktien ist gerechtfertigt. Doch auf Dauer zählen weder Nutzer noch die Freude der Werbeindustrie über viele Pageviews, wenn sich der Marktwert der Milliarden Klicks nicht in Gewinnen der
Social-Web-Betreiber niederschlägt.
So sieht es auch Aaron Kessler, Internetanalyst bei Piper Jaffray: «Wir sind fast wieder bei den Fehlern vom Jahr 2000 angelangt. Die Investoren kaufen Nutzer statt Erlöse und Profite.»