Wie viele Auslandschweizer leben in Ghana? Wie lange ist der Amazonas? Wer war ebenfalls an der Party vom vergangenen Wochenende dabei? Welche Hobbys hat die hübsche neue Bürokollegin? Fragen über Fragen - doch Internet-Suchmaschinen liefern die Antworten in einer Sekunde. Die Frage «Hast du dafür bereits den Brockhaus konsultiert?» ist out; «Hast du das schon gegoogelt?» dafür aktueller denn je. Gemäss den aktuellen Wemf-Zahlen, welche am 13. September veröffentlicht wurden, werden Suchmaschinen von 91% aller Schweizer Internet-Benützer verwendet.
Das Prinzip ist einfach: Die Suchmaschine wird mit den entsprechenden Stichworten gefüttert. Anschliessend macht sie sich flink daran, das Internet nach den gesuchten Informationen zu durchforsten. Oft werden internationalen Anbieter wie Google, Altavista, Sharelook, Teoma, A9, Baidu, Microsoft oder Yahoo verwendet. Einige von ihnen haben Schweizer oder deutschsprachige Ableger. Doch es gibt auch Schweizer Suchmachinen: search.ch, Bluewin, search24.ch, Yoodle oder allesklar.ch.
*Alle geben sich bedeckt*
Allerdings: Google ist in der Schweiz die am meisten genutzte Suchmaschine. Alleine im Juli wurde sie von über 2 Mio Benützern angeklickt (siehe Tabelle). Dies zeigen die Untersuchungen des SRG-Forschungsdienstes, welcher allmonatlich den privaten Internetgebrauch zu Hause untersucht. Dahinter rangeln sich search.ch und Bluewin um die verbleibenden Spitzenplätze.
Erstaunlicherweise sind für Robert Furger, CEO der search.ch-Betreiberin Räber Information Management, weder Google noch Bluewin Konkurrenten: «Google ist ein globaler Player, wir sind der nationale. Wir verdienen sogar Geld an Google, da wir deren Anzeigeprogramm auch bei uns aufschalten. Und mit Bluewin haben wir darüber gesprochen, Dienstleistungen gemeinsam anzubieten.» Der Markt für Online-Werbung sei derart klein, dass dieser zuerst substanziell wachsen müsse, bevor man sich ernsthaft darum streiten könne.
Nur: Wer mehr Benutzer generiert, kann für Werbung auf seiner Homepage höhere Preise verlangen. Deshalb haben Suchmaschinen-Betreiber ein Interesse an möglichst vielen Usern. Doch auch Bluewin-Sprecherin Myriam Ziesack bleibt gelassen. «Das Bluewin-Portal hat verschiedene Leistungsangebote. Die Internet-Suche ist nur eine dieser Services. Somit steht das Portal nicht in direkter Konkurrenz zu reinen Suchmaschinen.»
*Search.ch baut aus*
Umsatzzahlen geben weder search.ch noch Bluewin bekannt. Search.ch ist im Besitz der Schweizerischen Post, Bluewin gehört zu Swisscom Fixnet. Das der nach aussen demonstrierte Friede doch nicht so stabil sein könnte, deutet Furger dennoch an. Geplant sind ein massiver Ausbau der Informationsleistung und eine damit verbundene Neugestaltung der Homepage. «Ein Relaunch der Homepage wird unweigerlich damit verbunden sein. Dieser dürfte Anfang nächsten Jahres erfolgen.» Während Google für die internationale Suche und Search.ch oder Bluewin für schweizweite Recherchen Verwendung finden können, existieren zusätzlich immer mehr Suchmaschinen, welche sich an klar definierte Zielgruppen richten. Einige Beispiele: stellen.com, jobsuchmaschine.ch, vereine.ch, bergtourismus.ch, garten.ch, medpoint.ch, kmuclick.ch, bibliotheken.ch, shoppingcity.ch, swissguide.ch.
Wenn die gewünschten Informationen weder durch eine «klassische» noch durch eine «spezialisierte» Suchmaschine gefunden werden können, sind meistens die so genannten Meta-Suchmaschinen hilfreich. Das sind schlaue Programme, die gleichzeitig mehrere Suchmaschinen konsultieren.
*Einige Rappen pro Click*
Dies erhöht die Trefferquote, denn jede einzelne Suchmaschine deckt immer nur einen Teil aller tatsächlich verfügbaren Homepages ab. Die wichtigsten sind Metacrawler, Profusion und Ithaki. Mit etools.ch gibt es auch einen inländischen Anbieter. «Etools.ch finanziert sich über gesponserte Links. Für jeden angeklickten Link erhalte ich einige Rappen», sagt Stephan Schmid von Comcepta, der seine Suchmaschine 1999 als Hobby startete. Auch er sieht den Konkurrenzkampf gelassen: «Natürlich versuchen alle Anbieter, sich gegenseitig Internetbenutzer abzuwerben. Dies geht aber ohne grössere Streitereien über die Bühne - persönliche Animositäten gibt es nicht», betont er. Wie Furger von search.ch erwähnt auch Schmid Gespräche und Kooperationen: Comcepta ist soeben eine Partnerschaft mit Konkurrentin G10 eingegangen.
Übrigens: Im letzten Jahr lebten 274 registrierte Auslandschweizer in Ghana. 2003 waren es 267. Und der Amazonas gilt, zählt man alle seine Quellflüsse dazu, mit einer Länge von 7250 Kilometern als der längste Fluss der Welt.

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