Plötzlich war es schwarz auf dem Bildschirm. Mit dem Anpfiff zum Eröffnungsspiel der Fussball-WM am letzten Freitag wuchs in vielen Büros der Ärger. Verschiedene Internet-TV-Anbieter konnten ihr Versprechen nicht einhalten, der arbeitenden Bevölkerung per Knopfdruck Live-WM-Fussball in perfekter Qualität auf dem Bildschirm zu servieren. Die Server hielten der enormen Nachfrage von Fans nicht stand und stiegen teilweise aus. Die Fans guckten in die Röhre.

Bei Zattoo.com, dem Pionier für Fernsehen via Netz, konnten sich viele User gar nicht mehr einloggen. Auch beim Konkurrenten Wilmaa.com blieb das Bild teilweise minutenlang stehen. Wer Tore sehen wollte, musste auf den nächsten Fernseher ausweichen. Mit negativen Einträgen auf Community-Foren wie Twitter oder Facebook verschafften sich verärgerte Fussball-Fans in den letzten Tagen Luft.

«Wir hatten in der Tat ein Problem mit dem Server, der die Berechtigung an unsere User für das Login verteilt», räumt Nick Brambring von Zattoo ein. Zahlreiche Zuschauer konnten sich daher nicht mit Passwort anmelden und verpassten das Eröffnungsspiel. Man habe mit Hochdruck an der Lösung des Problems gearbeitet und sei damit erfolgreich gewesen. «In den letzten Tagen konnten wir bereits Zuschauerzahlen von über 50000 ohne Unterbrüche bewältigen», so Brambring. Die Nagelprobe folgt mit dem Spiel Schweiz gegen Spanien, für welches Zattoo mit Spitzenkapazitäten von bis zu 100000 Zuschauern rechnet.

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Zattoo reuig, Wilmaa überrascht

Überrascht von der Kritik zeigt man sich beim Ringier-Verlag, der mit seinem «Blick Web-TV» auf die Dienste des Zattoo-Mitbewerbers Wilmaa zurückgreift. «Weder bei uns noch bei Wilmaa direkt sind negative Rückmeldungen seitens der Zuschauer eingegangen», sagt Ringier-Sprecher Edi Estermann. Im Gegenteil: Man sei sogar sehr zufrieden, dass der Start zur WM so gut und problemlos verlaufen sei.

Profiteure: SF und Nello

Trotzdem haben offenbar verschiedene Kunden von Zattoo und Wilmaa bereits genug gesehen. Dies zumindest behauptet man bei Nello.tv, einem weiteren Internet-TV-Anbieter, dem der WM-Auftakt ohne Panne gelungen ist. Nello will die negativen Kunden-erfahrungen mit der Konkurrenz für eigene Zwecke nutzen und hat dies offenbar bereits geschafft. «Über unseren eigenen Twitter-Blog haben wir diverse enttäuschte User von Zattoo und Wilmaa zu uns geholt», sagt Alexis Caceda von Nello.

Ohne Zwischenfälle sei der WM-Start auch für das Live-Streaming-Angebot des Schweizer Fernsehens (SF) verlaufen, wie der Leiter Multimediazentrum, Walter Bachmann, sagt.

Weichenstellung folgt erst noch

Das hat möglicherweise mit den gegenüber Zattoo deutlich geringeren Zuschauerzahlen zu tun. Den bisherigen WM-Höhepunkt mit 12000 zeitgleichen Usern erreichte das Internet-TV-Angebot von SF bislang beim Spiel zwischen Dänemark und den Niederlanden.

Mit Spannung erwartet auch Bachmann das Startspiel der Schweiz gegen Spanien, wo er bis zu 50000 Zuschauern erwartet. Es gilt in der Branche als wichtige Weichenstellung für die Zukunft: Denn wer dieses Spiel ohne Unterbruch ausstrahlen kann, hat wohl für den verbleibenden Rest der WM gute Karten bei den Internet-Fussballfans.