GOOGLE. «Wir wollen Menschen zum Schreiben ermutigen, wenn sie zu einem Thema etwas wissen.» Das sagt Google-Vizepräsident Udi Manber im offiziellen Google-Blog. Die neue Plattform hört auf den Namen Knol.

Die Funktionen ähneln denen des Online-Lexikons Wikipedia. Jeder darf schreiben, die Texte werden von Google im Netz veröffentlicht und nach Schlagworten geordnet. Wichtigster Unterschied zu Wikipedia: Andere Nutzer können den Artikel nicht verändern, er ist unwiderruflich mit dem Autor verbunden. Dadurch verhindert Knol zwar nachträgliche Manipulationen von Artikeln, andererseits kommen Autoren kaum zu Wort, die möglicherweise mehr zu dem Thema wissen. Sie müssten erst einen vollständig neuen Artikel schreiben oder den Autor auf Unstimmigkeiten aufmerksam machen. «Bei kontroversen Themen ist das ein grosser Nachteil», sagte Jo Bager, Redakteur des Computermagazins «ct». Jeder könne zunächst alles behaupten, ohne dass andere korrigierend einschreiten.Zwar stand auch Wikipedia zuletzt in der Kritik, weil angeblich viele Artikel gefälscht waren. In einer Untersuchung des Magazins «Stern» erzielte das Lexikon allerdings eine deutlich bessere Wertung als etwa der Brockhaus. Bei Wikipedia kann jeder Nutzer einen Artikel verändern, lediglich stark umstrittene Texte sind teilweise gesperrt oder gekennzeichnet. Die Wikipedia-Stiftung setzt darauf, dass sich so die «Wahrheit» durchsetzt. Insgesamt arbeiten rund 7000 Autoren ehrenamtlich an der deutschen Ausgabe von Wikipedia mit.

Google hat Trumpf im Ärmel

Googles Projekt Knol punktet vor allem bei der Optik: Die Webseite macht einen modernen, übersichtlichen Eindruck, enthält unter anderem ein Bild des jeweiligen Autors. «Es macht für mich einen Unterschied, wenn ich weiss, wer den Artikel geschrieben hat», sagt Google-Sprecher Kay Oberbeck. Zudem dürfen die Nutzer jeden Artikel bewerten, und Autoren können sich über Themen in Foren austauschen.Grösster Vorteil von Wikipedia ist bislang seine enorme Reichweite: Millionen Internetseiten verweisen auf die Artikel des Online-Lexikons. Doch auch Google hat ein Ass im Ärmel, um Marktanteile zu erkämpfen: Der US-Konzern kann Knol-Artikel auf den Ergebnisseiten seiner Suchmaschine im oberen Bereich platzieren – dort erzielen sie eine hohe Aufmerksamkeit. «Google wird seine Suchmaschinen-Power einsetzen, um Knol nach vorne zu bringen», sagte Bager.Unklar ist, ob Google bei Knol Werbung verkaufen wird. Wikipedia verzichtet auf Werbung, die Stiftung des Lexikons finanziert sich über Spenden. Derzeit wird Knol noch erprobt. Teilnehmen darf nur, wer eine Google-Einladung bekommen hat. «Wir können noch nicht sagen, wann wir Knol in Deutschland starten», sagte Oberbeck.

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