Rund 5000 Photovoltaik-Anlagen (PV-Anlagen) mit einer Gesamtleistung von 150 000 Kilowatt standen Anfang 2010 auf der Warteliste von Swissgrid für die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV). Auch wenn das jährliche Zubaukontingent ab 2011 voraussichtlich von 5000 auf 30 000 Kilowatt erhöht wird, dauert es mindestens drei bis vier Jahre, bis diese Warteliste abgebaut ist. Die starke Kontingentierung bremst nicht nur die Produktion von erneuerbarem Strom, sondern auch die Wirtschaft: Die Anlagen auf der Warteliste entsprechen einer gesamten Investitionssumme von rund 1 Mrd Fr., die im Moment blockiert ist. Und die Warteliste wird laufend länger: Bis Ende März sind rund 600 neue Projekte hinzugekommen. Sollen künftige Betreiber von PV-Anlagen nun zuwarten, bis sie an der Reihe sind? Auch andere Wege sind möglich, wie verschiedene Initiativen zeigen.

Solarstrombörsen mit Mehrwert

Als komfortable Alternative zur KEV bieten sich Solarstrombörsen an, die von Elektrizitätswerken betrieben werden. Sie übernehmen den Solarstrom von unabhängigen Produzenten zu einem kostendeckenden Preis und verkaufen ihn Kunden mit einem entsprechenden Mehrpreis. EWZ (Elektrizitätswerk der Stadt Zürich) beispielsweise macht je nach Nachfrage sporadisch Ausschreibungen, bei denen sich Projekte aus der ganzen Schweiz bewerben können. 2009 hat EWZ in der Solarstrombörse 5000 Kilowatt Leistung zugebaut - allein aufgrund der steigenden Nachfrage nach Solarstrom. Diese Anlagen werden auch in Zukunft nicht über die KEV finanziert werden.

Etwas anders präsentiert sich die Situation in Basel. Hier ist per Gesetz ein jährlicher Zubau der Solarstromanlagen auf dem Stadtgebiet festgelegt, deren Strom zu kostendeckenden Preisen übernommen wird. 2009 wurde dieser Zubau von 300 auf 2000 Kilowatt erhöht. Damit will die Regierung von BaselStadt Gegensteuer zum sehr tief angesetzten KEV-Kontingent für Solaranlagen geben. Die Projekte müssen zur KEV angemeldet sein und die Förderung durch den Kanton Basel-Stadt erlischt, sobald die Anlage die KEV zugesprochen bekommt. Eine solche Überbrückung leistet auch der Bündner Stromversorger Repower. Er bezahlt für den Solarstrom aller im Kanton Graubünden gelegenen Solaranlagen eine Abgeltung für den ökologischen Mehrwert, der je nach Anlagegrösse variiert. Der Solarstrom wird nach Naturemade Star zertifiziert und vermarktet. Die Verträge werden vorerst auf zwei Jahre nach dem Erstellungsjahr abgeschlossen. Danach wird die Finanzierung entweder an die KEV abgetreten oder die Abnahmevereinbarung wird verlängert - je nach Solarstromnachfrage bei Repower.

Anzeige

Private Initiativen

Die meisten Elektrizitätsunternehmen berücksichtigen in ihren Solarstrombörsen nur Anlagen aus ihrem Versorgungsgebiet. Zudem sind sie vor allem an grösseren Projekten interessiert, die den Solarstrom kostengünstig produzieren. Vielen Anlagebetreibern bleibt dieser Finanzierungsweg deshalb verschlossen. In solchen Fällen bieten private Solarstrombörsen eine Alternative: Ein Beispiel ist die erst kürzlich gegründete Genossenschaft Solarplus. Sie will Solarstrom von verschiedenen Produzenten beziehen und ihn engagierten Privat- und Firmenkunden verkaufen. Doch die Erfahrungen zeigen, dass die Vermarktung schwieriger ist als erwartet.

Ähnlich ergeht es der Naturstrombörse, die vom Elektrizitätswerk Schaffhausen initiiert wurde: Trotz eines hohen Werbeaufwandes sind Privatkunden sehr zurückhaltend beim Kauf von Solarstrom aus der Region. Die Idee ist, über eine Internetplattform Strom von der Sonne und anderen erneuerbaren Energien zu verkaufen - von lokalen Produzenten direkt an lokale Abnehmer. Aktuell beteiligen sich die Stromversorger der Kantone Schaffhausen, Thurgau, St. Gallen und Appenzell an der Plattform, sodass Anbieter aus diesen Kantonen ihren erneuerbaren Strom kostenlos ausschreiben können.

Brücken bauen

Die Administration und die Ausstellung der Zertifikate übernehmen die Elektrizitätswerke des Kantons Schaffhausen. Ein weiterer Ausbau der Plattform ist geplant: Elektrizitätswerke oder private Organisationen aus anderen Kantonen können sich an der Plattform beteiligen.

Allein auf die private Finanzierung zu bauen, ist für Anlagenbetreiber oft ein zu grosses Risiko. Die Gründung von lokalen Genossenschaften - ein Modell, auf das in den 90er-Jahren häufig gebaut wurde, - ist nur bedingt eine Alternative. Um eine Anlage kostendeckend zu betreiben, gilt es auch hier, Solarstromkunden zu gewinnen. Ansonsten sind Genossenschafter gefragt, die einen ideellen Beitrag leisten.

Die neu gegründete Solargenossenschaft Zentralschweiz setzt deshalb auf einen Mittelweg und konzentriert sich darauf, die Finanzierung von Solaranlagen bis zum kostendeckenden Betrieb über die KEV zu überbrücken. Neben dem Eigenkapital der Genossenschaft versuchen die Initianten weitere Finanzquellen zu erschliessen. Einerseits suchen auch sie Abnehmer für den Solarstrom. Andererseits führen sie Gespräche mit den lokalen Elektrizitätswerken und den Standortkantonen.

Wenn es darum geht, die Finanzierungslücke bis zur KEV zu überbrücken, sollte auch an die lokalen Elektrizitätswerke, die Gemeinde oder den Kanton appelliert werden. Sie können sich beispielsweise an Solarstrombörsen beteiligen, grössere Mengen Solarstrom beziehen oder die Kosten für die Einspeisevergütung temporär übernehmen und so ein Vielfaches an Wertschöpfung in der Region schaffen - ein Gewinn für beide Seiten. In verschiedenen Kantonen, unter anderem in Zürich und im Aargau, sind entsprechende politische Vorstösse hängig.