Wie präsentiert sich zurzeit das wirtschaftliche Umfeld für Axima in der Schweiz?

Ronald Schlegel: Meiner Einschätzung nach gut. Unsere Auftragsbücher sind voll und zahlreiche Projekte befinden sich in der Pipeline. Es scheint, dass in den grossen Wirtschaftsräumen der Schweiz der Investitionswille nach wie vor da ist. Allerdings steht auch fest, dass der Höhepunkt im Wohnungsbau inzwischen erreicht ist. In allen Bereichen des Hochbaus ist die Auftragslage nach wie vor gut.

In welchen Märkten ist Axima in der Schweiz primär tätig?

Schlegel: Wir bearbeiten alle Märkte der Bauwirtschaft, allerdings mehrheitlich das Segment der grösseren Objekte. Wir fokussieren dabei auf den Dienstleistungsbereich-, Industrie- und Gewerbebau und auf grössere Wohnbauprojekte.

Ist in einzelnen Märkten bereits eine Konjunkturabschwächung spürbar?

Schlegel: Nein, das ist nicht der Fall. Selbst im Wohnungsbau findet noch immer eine rege Tätigkeit auf relativ hohem Niveau statt. Trotz der Ölpreishausse gilt es nach wie vor, die grosse Nachfrage zu decken.

Sie haben die Investitionsbereitschaft angesprochen. Können Sie das präzisieren?

Schlegel: Hier ist zwischen zwei Tendenzen zu unterscheiden: Die Investoren suchen gute Qualität bei den Immobilieninvestitionen, und Investitionen im Dienstleistungs- und Industriebereich werden genau analysiert. Daher müssen Projekte oft eine zweite Anbieterrunde überstehen. Ich habe aber noch von keinem Projekt gehört, das aus Investitionsgründen gestrichen wurde.

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Welchen Stellenwert hat die Gebäudetechnik für Axima?

Schlegel: Einen sehr hohen, denn wir sind in der Schweiz der Anbieter für Gebäudetechnik schlechthin. Wir fassen dieses Tätigkeitsgebiet allerdings etwas weiter als einige Mitbewerber. Für uns zählen auch Geschäfte im Bereich der dezentralen Strom- und Wärmeerzeugung beziehungsweise die Nutzung industrieller Abwärmen zu den Aufgaben der Gebäude- und Energietechnik.

Wie präsentiert sich die aktuelle Marktsituation in der Gebäudetechnik?

Schlegel: Der Markt befindet sich in einer Phase der Konsolidierung. Mir ist bekannt, dass sowohl regionale wie auch mittlere Betriebe akquisitorisch tätig sind. Im Bereich Anlagenbau zeigt die Tendenz Richtung grösserer Firmen. Darüber hinaus erweitern insbesondere grössere Anbieter ihre Angebotspalette. So findet beispielsweise eine stärkere Verschmelzung von klassischer Gebäudetechnik und Elektrotechnik statt.

Und wie entwickelt sich Axima auf dem Gebiet der Gebäudetechnik?

Schlegel: Im Bereich Anlagenbau konnten wir über die letzten Jahre kontinuierlich ein überdurchschnittliches Wachstum erzielen. Seit 2004 inklusive Akquisitionen um 70%, also wesentlich über dem Markt.

Wie sehen Sie die kommenden Jahre?

Schlegel: Axima wird im Anlagenbau in ähnlichem Umfang weiterwachsen. Ein wesentlicher Treiber dafür sind aus meiner Sicht die in jüngster Zeit sehr stark gestiegenen Gas- und Ölpreise. Es werden in Zukunft mehr Projekte im Bereich der alternativen Lösungen geplant und realisiert. Und die Realisierung von alternativen Lösungen bedingt entsprechende Investitionen, was sich positiv für den Markt der Gebäudetechnik und auf unsere Geschäftstätigkeit auswirken wird.

Welchen Beitrag kann die Gebäudetechnik zur Lösung des Klimaproblems, Stichwort CO2, leisten?

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Schlegel: Die Gebäudetechnik ist zuständig für die Bereitstellung von Warmwasser, Wärme oder Kälte, und damit verantwortlich für 45% des CO2-Ausstosses der Schweiz. Allein schon diese Zahl unterstreicht die Bedeutung der Gebäudetechnik bei der Lösung des Klimaproblems. Eine isolierte Betrachtung wäre aber meiner Meinung nach nicht richtig. Viel mehr muss es darum gehen, den CO2-Ausstoss grundsätzlich zu reduzieren. Daher ist intelligentes und nachhaltiges Bauen in Abstimmung mit der Gebäudetechnik in Zukunft ein ganz grosses Thema. Sowohl bei Neu- wie Altbauten.

Dennoch, wie ist es in der Gebäudetechnik um Aspekte wie Energieeffizienz und Nachhaltigkeit bestellt?

Schlegel: Bei unserer Tätigkeit gibt es praktisch kein Projekt, bei dem diese beiden Aspekte nicht Thema wären. Unsere Arbeit sehen wir darin, dem Bauherr oder Auftrageber Möglichkeiten aufzuzeigen, wo und wie er Energie einsparen, den CO2-Ausstoss reduzieren und damit auch etwas zur Nachhaltigkeit beitragen kann. Axima ist Mitglied der Energieagentur der Wirtschaft und untersteht einer freiwilligen CO2-Zielvereinbarung für unsere Fahrzeugflotte.

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Somit ergeben sich für Anbieter von Dienstleistungen in diesem Bereich auch neue Chancen?

Schlegel: Absolut. Der gesamten Gebäudetechnikbranche bieten sich hervorragende Möglichkeiten, sich zu profilieren. Bei Axima Schweiz beschäftigen wir uns bereits seit Jahren intensiv mit Umwelttechnik. Unsere Tochtergesellschaft Caliqua arbeitet als massgebende Anbieterin auf dem Gebiet der Biomasse-Kraftwerke.

Bestünde angesichts der CO2-Problematik nicht auch die Chance, zur Wertsteigerung des Immobilienbestandes in der Schweiz beizutragen?

Schlegel: Eines unserer Anliegen ist es tatsächlich, einen Beitrag zur Wertsteigerung des Bauwerkes Schweiz zu leisten. Denn Wertsteigerungen von Immobilien haben heute sehr viel mit Energie und CO2-Reduktion zu tun. Zudem sind viele Bauten aus den 60er und 70er Jahren sanierungsbedürftig. Andererseits könnten auch die in der Schweiz brachliegenden Industrieareale im Umfang von rund 17 Mio m2 neu genutzt werden. Dieses bereits verbaute Bauland ist äusserst wertvoll, da Industrieareale oft in Zentrumsnähe an einem sehr guten Standort liegen, und so zum Beispiel auch für den Wohnungsbau eine interessante Alternative bilden.

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Zurück zu Axima: Wie entwickeln sich zurzeit Ihre Geschäfte im Bereich Facility Management?

Schlegel: Axima ist auf Kurs. Unsere Investitionen der vergangenen Jahre zah- len sich aus. 2007 haben wir Verträge im Auftragswert von 50 Mio Fr. abgeschlossen. Zurzeit sind wir in der Endrunde bei der Vergabe von zwei Grossprojekten. Zumindest eines der beiden hoffen wir, zugesprochen zu erhalten. Alles in allem ist das eine sehr erfreuliche Entwicklung.

Die Nachfrage in der Schweiz nach Facility-Management-Leistungen nimmt also generell zu?

Schlegel: Soweit es Axima betrifft, stelle ich eine deutliche Zunahme der Nachfrage fest. Ob dies auf alle in diesem weiten Feld tätigen Unternehmen zutrifft, kann ich nicht beurteilen. Marktstudien sprechen von durchschnittlich 5% Wachstum pro Jahr. Die grosse Herausforderung besteht nun darin, ausreichend Personal zu finden, um das Wachstum bewältigen zu können.

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Welche Leistungen werden im Facility Management am meisten nachgefragt?

Schlegel: Integrierte Lösungen, soweit ein Unternehmen diese überhaupt anbieten kann, sind für gewisse Kunden attraktiv. Andere wiederum wollen Teilleistungen von verschiedenen Anbietern beziehen. Was aber nach unseren Erfahrungen immer nachgefragt wird, ist das Gesamtmanagement für ein Mandat.

Wie grenzen Sie die Leistungen im Facility Management zum Service ab?

Schlegel: Wir unterscheiden bewusst zwischen den Begriffen Service und Facility Management. Der von uns angebotene Service kommt aus dem klassischen AfterSales-Business, ist also dem Anlagenbau nachgelagert. Der Kunde möchte seine Anlage zwar betreiben, aber den Unterhalt einem Spezialisten anvertrauen. Im Gegensatz dazu übernehmen wir beim Facility Management auch die Verantwortung für den Betrieb der Anlage.

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Sehen Sie Möglichkeiten, das Servicegeschäft weiter auszubauen?

Schlegel: Neben den traditionellen Gewerken Heizung, Lüftung und Kälte gibt es weitere Geräte und Anlagen, die der Kunde gewartet haben will. Daher ist es durchaus denkbar, dass wir unser Einsatzgebiet künftig erweitern. Über eine äusserst leistungsfähige und fachlich qualifizierte Service-Equipe sowie ein dichtes Netz von Standorten verfügen wir ja.

Wie setzen Sie künftig die strategischen Schwerpunkte?

Schlegel: Der Bereich Anlagenbau wird bei Axima Schweiz weiterhin das Basisgeschäft bilden. Im vergangenen Jahr betrug der Anteil des Anlagenbaus am Umsatz 70% und jener von Facility Management und Service 30%. Da wir im Facility Management und Service stärker wachsen wollen, wird sich der Anteil leicht zu deren Gunsten verschieben. Aber dies nicht etwa, weil der Anlagenbau abnehmen würde, sondern weil wir in den beiden anderen Bereichen zulegen werden.

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Das heisst, bei Axima ist also in den nächsten Jahren ein generelles Wachstum angesagt?

Schlegel: Ja. Wir sehen gute Chancen, Umsatz und Ertrag für die Gesamtorganisation weiter zu steigern.