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Investment: Agrarprodukte -­ von der lebenden Ware zum Geld

Der Markt für Finanzprodukte auf Agrarrohstoffen steht erst am Anfang. Die Instrumente werden zugänglicher und komplexer.

Von Frédéric Lamotte
am 28.06.2006

Wer sein Geld in Agrarrohstoffe anlegt, will im Allgemeinen nicht, sich die Ware, von deren Preisschwankungen er profitieren will, liefern lassen. Ebenso unrealistisch ist die Vorstellung, dass ein solcher Anleger auf dem Bargeldmarkt ein ­ oft leicht verderbliches ­ Nahrungsmittel kauft, finanziert, lagert, versichert und aufbewahrt, bis ihm die erhoffte Preiserhöhung den lukrativen Weiterverkauf ermöglicht. Der Anleger spekuliert somit auf den Terminpreis des Agrarrohstoffs. Wegen der oben genannten Kosten sind die Terminpreise oft höher als der Barzahlungspreis. Dies wird als «Contango» bezeichnet. Nur bei einem umfangreichen Terminverkauf durch Produzenten, die den Verkaufspreis ihrer künftigen Ernten schützten wollen, könnten die Terminpreise unter die Barzahlungspreise gedrückt werden. Man spricht dann von «Backwardation». Beim Kaffee zum Beispiel beträgt der Barzahlungspreis heute 0,98 Dollar pro Pfund und der Terminpreis auf 1 Jahr 1,12 Dollar pro Pfund. Damit ein Kauf unter diesen Bedingungen profitabel ist, muss der Barzahlungspreis mindestens 14,29% steigen.

Während im Übrigen die wichtigsten Rohstoffmärkte (Metalle, Erdöl, Erdgas) liquid und tief genug sind, um langfristige Termingeschäfte (3 Jahre und mehr) zu ermöglichen, gilt dies im Allgemeinen nicht für landwirtschaftliche Produkte. Der an die Natur mit ihren Imponderabilien gebundene Produktionszyklus sowie die geringe Anzahl der Akteure dieses Marktes gestatten nur selten Termine von mehr als zwei Jahren. Wie kann man also von einer Fondstendenz über einen längeren Zeitraum profitieren?

Als Lösung wird eine ganz nahe am eigentlichen Agrarrohstoff vorgenommene Investition simuliert. Zu diesem Zweck wird der kürzeste Terminkontrakt oder der erste Futurekontrakt abgeschlossen, dessen Laufzeit gewöhnlich drei Monate nicht übersteigt. Dieser Vertrag wird dann knapp vor Ablauf wieder verkauft und dann sofort der nächste gekauft («Roll»). Aufgrund dieser Methode sind in der letzten Zeit zahlreiche Produkte des Typs «Anteilscheine» (Zertifikate) oder «Trackers» entstanden, die eine einfache auf den Basiswert ausgerichtete Exposition bieten. Zur Umsetzung dieser Strategie wurden Indizes geschaffen wie der Goldman Sachs Excess Return, die für eine Exposition im Bereich der Agrarerzeugnisse verwendet werden können. Zu ihren Vorteilen zählen einfache Anwendung, Transparenz, da der Preis täglich veröffentlicht wird, ­ also in Echtzeit ­ und Symmetrie, weil so Produkte geschaffen werden können, deren Strategien auf «Hausse» oder «Baisse» spekulieren. Der Nachteil ist, dass sie von kurzfristigen Schwankungen der Verwaltungskosten beeinflusst sind, die sich im Lauf der Zeit im Niveau der Indizes kapitalisieren.

Wir erleben heute einen starken Anstieg der Nachfrage nach Agrarprodukten seitens der Schwellenländer sowie eine Annäherung zwischen manchen Energierohstoffen (Erdöl) und Agrarerzeugnissen, die bisher nur auf die Nahrungskette beschränkt waren wie Zucker und Mais. Im Übrigen betrachten die Investoren Agrarprodukte allmählich als eine Anlagekategorie, die neue Chancen für das Trading eröffnen und hohe Diversifikationsqualitäten für das Portefeuille bieten. Das Zusammenspiel dieser Faktoren bestätigt heute, dass wir am Beginn einer noch nie da gewesenen Innovationsperiode stehen. Die Investitionsprodukte in Verbindung mit Agrarrohstoffen werden allgemein zugänglich sowie differenzierter und komplexer. Sie werden jedoch stets ihr besonderes Merkmal bewahren, nämlich die direkte Verbindung zwischen der lebenden Ware und dem Geldgeber.

Frédéric Lamotte, Member of the Management Committee, Head of advisory and structured products, Crédit Agricole (Suisse) SA Private Bank, Genf.

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