Privatbanken werden zunehmend zur bedrohten Spezies. Nun hat es auch die vor 220 Jahren gegründete Deutsche Privatbank Sal. Oppenheim getroffen - sie wird von der Deutschen Bank übernommen. «Das Bankhaus ist in den vergangenen Jahren zu gross geworden, um sich ausschliesslich auf die Möglichkeiten der Familiengesellschafter stützen zu können», so der Erklärungsversuch von Christian Camenzind, CEO Sal. Oppenheim Schweiz.

Wie auch die Gesellschafter selber betonen würden, sei es dabei nicht gelungen, auf Gruppenstufe den expansiven Kurs der Vergangenheit und damit auch Entscheidungen, die sich im Nachhinein als falsch erwiesen hätten, aus eigenen Kräften wieder zu korrigieren.

Wahrung der Marke

Fakt ist, dass Fehlspekulationen, aber auch Unstimmigkeiten in der Führungsetage der traditionsreichen Privatbank zum Verhändnis wurden. Mit Sal. Oppenheim verschwindet nun eine Bank, die prägende Ereignisse wie zwei Weltkriege, Inflationen und Weltwirtschaftskrisen durchlebt hat, von der Bildfläche.

Nun will Sal. Oppenheim mit der Deutschen Bank eine neue Ära einläuten. «Mit der Deutschen Bank gewinnen wir nun eine erstklassige globale Bank als Eigentümerin, die für die Stabilität und das künftige Potenzial sorgt, die unser Haus jetzt braucht», sagt Camenzind. Jedoch würden die Vermögensverwaltungsaktivitäten von Sal. Oppenheim auch künftig unter der etablierten alten Marke weitergeführt werden. «Auch in der Schweiz gehen wir davon aus, dass die Eigenständigkeit der Marke im Private Banking gewahrt bleibt.» Dadurch würden Identität, Werte, Kultur und Servicequalitäten der Bank gewahrt bleiben, betont der Schweiz-Chef.

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Die Schlagzeilen rund um die Privatbank, vor allem das Fehlinvestment in den mittlerweile insolventen deutschen Handelskonzern Aracandor, dürften auf der Kundenseite für Verunsicherung gesorgt haben. «Kommt es zu Veränderungen, entsteht immer eine gewisse Unsicherheit», so Camenzind. Daher setzt die Bank auf die Qualitäten ihrer Kundenberater. Es sei grösstenteils gelungen, den Kunden auch die positiven Aspekte der neuen Ausrichtung aufzuzeigen, erklärt Camenzind.

Australier haben angeklopft

In Zukunft wird sich Sal. Oppenheim ausschliesslich auf das Vermögensverwaltungsgeschäft konzentrieren. «Für das Investment Banking prüfen wir verschiedene strategische Optionen», so Camenzind. Eine Möglichkeit sei es, die Investmentbank-Aktivitäten in eine neue Eigentümerstruktur zu überführen. «Namhafte Adressen haben bereits ihr Interesse an einer Weiterentwicklung in anderer Eigentümerschaft bekundet», sagt Camenzind.

Angeklopft hat unter anderem die australische Investmentbank Macquarie. Diese hat kürzlich Fox (FPK) Pitt Kelton Investmentbank gekauft. Weil FPK über ein erfolgreiches Brokerage im Banken- und Versicherungssektor verfügt, käme es bei einer Übernahme des Sal.-Oppenheim-Investment-Banking durch Macquarie zu Abgängen.

Bei den laufenden Verkaufsgesprächen sei immer auch die Deutsche Bank an den laufenden Gesprächen beteiligt. «Wir sind zuversichtlich, dass auch für die Schweiz eine gute Lösung gefunden werden kann», so Camenzind.