Bear Stearns und Lehman Brothers werden ihre Resultate zum 3. Quartal am 13. September veröffentlichen, Morgan Stanley und Goldman Sachs folgen am 20. September. Angesichts der Kreditkrise haben verschiedene Analysten die Gewinnschätzungen für die Investmentbanken gesenkt. Bei der Kreditaufnahme, im Geschäft mit Emissionen und Übernahmen sei eine Verlangsamung unausweichlich, heisst es etwa bei Merrill Lynch. Die Bank hat das Rating für Lehman Brothers und Bear Stearns von «Buy» auf «Neutral» gesenkt.

Von den Quartalsabschlüssen der Investmentbanken per Ende August erhoffen sich die Investoren nicht nur Einblick in das Geschäft im krisengeschüttelten Monat August, sondern auch eine generelle Markteinschätzung.

«Direkte Rückschlüsse auf die im Investment Banking tätigen Grossbanken UBS und Credit Suisse zu ziehen, ist aber schwierig», gibt Andreas Venditti, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB), zu bedenken. Jede Investmentbank hat sich unterschiedlich engagiert, ist in verschiedene Deals verwickelt, ist andere Risiken eingegangen und hat sich anders dagegen abgesichert.


LBO-Transaktionen im Zentrum

«Bei den Abschlüssen der US-Investmenthäuser dürften vor allem die US-Subprime-Engagements sowie die Leveraged Buyouts (LBO) im Vordergrund stehen», erwartet Roger Freeman, Analyst bei Lehman Brothers. Diskutiert wird derzeit vor allem das LBO-Geschäft. Die Investmentbanken haben in den letzten drei Jahren an der Finanzierung von Private-Equity-Deals kräftig mitverdient. Dabei haben die Banken den Private-Equity-Häusern in den meisten Fällen im Voraus die Finanzierung für die Transaktion zugesichert. Die Kredite wurden danach verbrieft und teilweise gebündelt am Markt platziert. Lange stellte dies kein Problem dar, denn der Appetit der Investoren auf riskante Anleihen war gross. Doch Mitte Juli haben sich die Risikoprämien rasch ausgeweitet und die Nachfrage ist praktisch zum Erliegen gekommen. Da aber einige LBO-Deals zu jener Zeit bereits eingefädelt waren, schätzen Experten, dass derzeit weltweit noch immer über 300 Mrd Dollar für fremdfinanzierte Übernahmen auf ihre Platzierung warten.

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Banken sitzen auf Kreditrisiken

Der Markt ist ausgetrocknet, und die Private-Equity-Gesellschaften haben überwiegend signalisiert, dass sie die Deals durchziehen wollen. Das Risiko liegt jetzt zum grössten Teil bei den Banken, die noch auf den Krediten sitzen. Sie können sie noch eine Weile in den Büchern halten, oder aber mit Abschlag verkaufen.

«Wenn die Abschläge im tiefen einstelligen Prozentbereich ausfallen, machen die Banken zumindest keinen Verlust», so Venditti. Beunruhigend wäre es allerdings, wenn sie höhere Zugeständnisse machen müssten. «Erst in den nächsten Tagen und Wochen wird sich zeigen, wie stark sich das Transaktionsfenster wieder öffnet», so Venditti. Geht etwa der Deal um First Data erfolgreich über die Bühne, wäre dies sicher ein positives Signal.

Kräftig im LBO-Geschäft mitgemischt hat die Credit Suisse. Gemäss eigenen Angaben macht Leveraged Finance bei der Grossbank rund 5% der gesamten Bankerträge aus. Die UBS hat dagegen eine konservativere Haltung eingenommen. Gemäss einer Schätzung der Ratingagentur S&P hatte die Credit Suisse im vergangenen Jahr mit einem Anteil von über 7% an den Gesamterträgen im LBO-Geschäft die erste Position inne, während die UBS mit einem Anteil von rund 2% auf Rang zwölf lag.

Insgesamt rechnet S&P damit, dass der Einfluss der Kreditkrise auf die Banken umso grösser ist, je mehr sie auf die Kapitalmärkte ausgerichtet sind. So sind etwa Goldman Sachs und Lehman Brothers stärker im Investment Banking und im Handelsgeschäft tätig als etwa die UBS oder JPMorgan. Bei den breiter aufgestellten Banken sollten die Probleme im Investment Banking denn auch durch eine gute Performance im Asset Management oder Private Banking abgefedert werden, so die Analysten von S&P.


Viele Sorgen schon enthalten

Mit Blick auf die Aktien der Banken spiegeln sich die Befürchtungen der Investoren aber bereits deutlich in den Kursen. «Viele Sorgen sind bereits eingepreist», sagt ZKB-Analyst Andreas Venditti.

Da in den letzten Wochen der gesamte Finanzsektor in Sippenhaft genommen wurde, können die Kursverluste bei einzelnen Titeln ungerechtfertigt sein. Darauf deuten zumindest die Insiderkäufe bei den Finanzwerten hin. Angesichts der herrschenden Unsicherheit ist es aber dennoch ratsam, zunächst die Geschäftsergebnisse der grossen US-Investmentbanken sowie den Zinsentscheid der US-Notenbank am 18. September abzuwarten.

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Jede Bank ist anders

Goldman Sachs: Die traditionsreiche Investmentbank musste schwere Verluste bei mehreren Hedge-Fonds einräumen. In einen der betroffenen Fonds, den Global Equity Opportunity, wurden allein 3 Mrd Dollar gepumpt. Die Bank öffnet ihre Bücher am 20. September.

Credit Suisse: Von der Credit Suisse sind keine Hiobsbot-schaften bekannt. Die Bank ist stark im LBO-Geschäft engagiert, womit Kreditrisiken und eine Schmälerung von künftigen Erträgen verbunden sein dürften. Ein Hinweis wird das Resultat am 1. November liefern.

UBS: Die Grossbank hat sich mit dem Hedge- Fonds Dillon Read im US-Subprime-Markt verspekuliert. Morgan Stanley schätzt, dass der Verlust im 3. Quartal auf 500 Mio Fr. ansteigen wird. Die UBS veröffentlicht das Ergebnis am 30. Oktober.