Weihnachten bringt auch für viele Banker die ersehnte Verschnaufpause nach einem anstrengenden Jahr. Doch die eigentliche Bescherung kommt in der Finanzbranche später. Zwischen Mitte Januar und Mitte März beschäftigen sich die Chefetagen mit den Bonusausschüttungen für das Spitzenpersonal. Insgesamt dürften diese schliesslich auf dem Niveau des Vorjahres liegen oder allenfalls leicht darüber.

Doch innerhalb der Geldhäuser können sich manche Abteilungen auf satte Zuwächse freuen, während die Kollegen in anderen Bereichen wohl lange Gesichter ziehen. Zu den Gewinnern werden voraussichtlich die Investmentbanker zählen, zu den Verlierern die Renten- und Devisenhändler.

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Strafzahlungen verkürzen Boni

«Es gibt massive Unterschiede in den verschiedenen Geschäftsbereichen», sagt Giles Orringe von der Headhunterfirma Heidrick & Struggles. Denn die Bankenindustrie blickt auf ein durchwachsenes Jahr zurück. Die Gesamteinnahmen werden nach Schätzungen des Beratungsunternehmens Coalition 2014 um vier Prozent sinken. Grund dafür sei vor allem ein zwölfprozentiger Rückgang im Anleihen-, Rohstoff- und Devisenhandel.

Branchenkreisen zufolge könnten hier die Sondervergütungen für die Händler um bis zu zehn Prozent sinken. Mitunter werden sie womöglich nicht nur für schwächere Geschäfte büssen, sondern auch für schwarze Schafe in den eigenen Reihen. Manche Banken dürften in Sparten, in denen sie Strafen wegen Fehlverhaltens zahlen mussten, die Boni kürzen. Bussgelder wurden unter anderem in den Skandalen um Manipulationen von Devisenkursen, Zinssätzen und Rohstoffpreisen verhängt.

Dealmaker im Stimmungshoch

Feststimmung herrscht dagegen im Investmentbanking. Nach Daten von Thomson Reuters sind die Einnahmen aus der Fusionsberatung sowie dem Geschäft mit Aktien- und Anleihenemissionen in diesem Jahr um sieben Prozent auf den höchsten Stand seit 2007 gestiegen.

Den sogenannten Dealmakern in den Banktürmen winken daher im Schnitt um fünf bis zehn Prozent höhere Sondervergütungen, wie aus der Branche zu hören ist. Bei besonderen Erfolgen seien sogar Steigerungen um 20 bis 25 Prozent möglich, sagt Greg Bezant vom Personalvermittler Phaidon International.

Druck von Aktionären und der Politik

Seit den Übertreibungen aus Zeiten vor der Finanzkrise stehen die Banken unter Druck. Viele Aktionäre fordern Abstriche an den Managerbezügen, damit ihre Renditen höher ausfallen. Und die Politik hat die Daumenschrauben angezogen, um Risiken zu verringern: In der EU dürfen Bankerboni künftig nicht höher sein als die Festgehälter. Nur wenn die Aktionäre zustimmen, darf die Sondervergütung maximal das Doppelte erreichen.

Manche Enttäuschung könnte es zu Jahresbeginn im Londoner Finanzdistrikt geben. Denn dort sind die Erwartungen offenbar besonders hoch. Eine Umfrage des Personalvermittlers Astbury Marsden ergab, dass die Topleute sich im Durchschnitt auf Boni-Zuwächse von 21 Prozent einstellen.

(reuters/ise)